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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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II. Allgemeine Symptomatologie.

bei psychopathisch veranlagten Individuen und im Verlaufeverschiedener Psychosen bisweilen auftretendenZwangs-handlungen. Die Vorstellung einer Handlung drängtsich hier mit imperativer Gewalt in das Bewusstsein desKranken, so dass er trotz heftigen Kämpfens den patho-logischen Impuls nicht zu unterdrücken vermag. Einen ge-wissen Anhaltspunkt für das Verständniss dieser Zuständegieht uns allenfalls die bekannte Erfahrung aus dem ge-sunden Leben, dass uns in gewissen Situationen, am Randeeines Abgrundes, auf einer Brücke, der Gedanke auftaucht,uns seihst oder unsere Begleiter hinabzustürzen, bei feier-lichen Gelegenheiten irgend eine lächerliche oder unpassendeHandlung zu begehen, im Theater plötzlichFeuer zurufen u. Aehnl. Im gesunden Bewusstsein werden dieseAntriebe ohne Schwierigkeit unterdrückt; unter patho-logischen Verhältnissen dagegen vermögen sie eine un-bezwingliche Macht über den Willen zu erlangen und denKranken trotz klarer Einsicht zu den furchtbarsten Thatenzu treiben. Selbstmord, Mord und Brandstiftung sind diewichtigsten derartigen Handlungen; ausserdem sind aberauch zahllose Verkehrtheiten und Gewaltakte, die man dieKranken begehen sieht, plötzliches Zerstören von Gegen-ständen, Zerschlagen von Scheiben, Entkleiden, Kothessen(Kopropliagie) gar nicht selten auf den gleichen Ursprungzurückzuführen. Der Mangel jedes intellektuell verarbeitetenMotives, die Raschheit und Heftigkeit der Ausführung sindes, welche die Zwangshandlungen cliarakterisiren. Mütterkönnen unter dem Einflüsse solcher Antriebe zur Ermordungihrer heissgeliebten Kinder gedrängt werden; ein zufälligbereit liegendes Messer lässt den Impuls in dem krankenGemüthe zu so unwiderstehlicher Höhe anwachsen, dassschliesslich alle Gegenmotive überwunden werden. EinzelneKranke haben dabei ein so klares Verständniss für dieSituation, dass sie ihre Umgebung vor sich warnen undbeim Herannahen solcher Antriebe alle möglichen Vorsiclits-massregeln treffen, um sich selbst die Ausführung gefähr-licher Handlungen unmöglich zu machen. Der vollbrachtenThat pflegt zunächst ein Gefühl grosser Erleichterung zufolsren. das erst im weiteren Verlaufe bei besonnenen