Sinnestäuschungen.
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A. Störungen des Wahrnelnnungsvorganges.
Die Wahrnehmung eines äusseren Sinnesreizes steht imAllgemeinen in Abhängigkeit von zwei verschiedenen Fak-toren, nämlich einmal von der anatomischen und funk-tioneilen Integrität des gesummten peripherenund centralen Sinnesgebietes, dann aber von demZustande des Bewusstseins, welches den zugeführtenEindruck in sich aufnehmen soll. Alle Störungen, welcheden einen oder den andern dieser beiden Faktoren in krank-hafter Weise verändern, müssen auch im Stande sein, dieAuffassung der Aussenwelt in mehr oder weniger hohemGrade zu beeinträchtigen. Am eklatantesten tritt bekannt-lich dieses Verhalten dort hervor, wo die peripheren reiz-aufnehmenden Organe funktionsunfähig geworden sind(Blindheit, Taubheit), oder wo sich unüberwindliche Lei-tungshindernisse entwickelt haben, welche die Fortleitungder Beize zum Centralorgane unmöglich machen. Hier fallenbestimmte Kategorien von Sinnesvorstellungen in dem Er-fahrungsschätze einfach aus, und es hängt von der allge-meinen psychologischen Wichtigkeit derselben, sowie von derMöglichkeit eines vikariirenden Eintretens anderer Sinne ab,wie weit dadurch die Gesammtausbildung der psychischenPersönlichkeit zurückgehalten wird. Nicht unterrichteteTaubstumme bleiben lebenslänglich auf der Stufe desSchwachsinnes stehen, während Blinde durch den Sinnes-defekt in ihrer intellektuellen Entwicklung durchaus nichtin höherem Grade zu leiden pflegen.
Sinnestäuschungen. Ein weit grösseres klinisch-psychiatrisches Interesse nehmen indessen diejenigen Ano-malien des Wahrnehmungsprocesses in Anspruch, welchenicht auf einem einfachen Defekte, sondern auf funktionellenStörungen im Gebiete des Sinnestraktus beruhen, durch diesomit nicht ein Ausfall von Sinneserfahrung, sondern einequalitative, Veränderung, eine Verfälschung der-selben erzeugt wird. Jedes Sinnesorgan reagirt auf irgendwelche Beize in einer ihm eigenthümlichen, „spezifischen“,Weise. Es muss daher überall, wo der Beiz, der einen