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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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I. Allgemeine Aetiologie.

gelange, und umgekehrt giebt es Psychosen, die sich schonunter dem Einflüsse der kleinen Reize des täglichen Lebensentwickeln, weil die Widerstandsfähigkeit des Individuumszu gering ist, um seihst diese ohne tiefere krankhafte Störungertragen zu können.

A. Aeussere Ursachen.

Die grosse Klasse der äusseren Ursachen des Irreseinspflegt man weiter in die beiden Gruppen der somatischenund der psychischen Ursachen auseinander zu trennen.Natürlich hat eine derartige Scheidung keine tiefere theoreti-sche, sondern lediglich klassifikatorische Bedeutung, da nachden überall festzuhaltenden Grundansebauungen jeder Alte-ration der psychischen Erscheinungen durchaus eine Störungim Abläufe der Gehirnfunktionen parallel gehen muss. Derpsychophysische Endeffekt, den die Einwirkung eines krank-machenden Reizes hervorbringt, ist daher der gleiche, magauch der erste Angriffspunkt desselben im Einzelfalle einverschiedener sein.

1. Körperliche Ursachen.

Hirnkrankheiten. Unter den somatischen Ursachensind die nächstliegenden jene Störungen, die unmittelbar dasCentralorgan unseres Bewusstseins, die Hirnrinde, be-treffen.*) Durchaus nicht alle Erkrankungen des Gehirnsverlaufen mit psychischen Erscheinungen, sondern nur jene,welche entweder gerade in der Rinde lokalisirt sind oderwelche wenigstens durch Erhöhung des Hirndruckes, Alte-rationen der Cirkulation u. dergl. die Rinde in Mitleiden-schaft ziehen. Ja es kommt sogar vor, dass'selbst direkteRindenerkrankungen, namentlich wenn sie sich langsam ent-wickeln, die psychischen Funktionen, wenigstens anscheinend,völlig intakt lassen. Zur Erklärung derartiger Thatsachenist einmal die so vielfach bestätigte Möglichkeit eines weit-gehenden vikariirenden Eintretens gesunder Rindenpartien

*) Nothnagel u. Iluguenin, v. Ziemssens Handbuch XI, 1.