Psychiatrische Forsehungsmethoden.
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den in erster Linie die Unsicherheit der Auffassung psychia-trischer Krankheitsbilder zurückzuführen ist. Hat sich dochdie Psychologie erst weit später noch, als die Psychiatrie,aus der Vormundschaft der Spekulation loszulösen undzu einer selbständigen Erfahrungswissenschaft herauszuent-wickeln vermocht! Die meisten psychiatrischen Forschersahen sich aus diesem Grunde genöthigt, sich selbst erstgewissermassen die psychologische Grundlage zu schaffen, aufder sie ihr Lehrgebäude errichten wollten, ein Umstand, derbei der Subjektivität aller derartiger ohne Tradition unter-nommener Versuche zu zahllosen Missverständnissen und Ein-seitigkeiten geführt und einer fast unlösbaren Verwirrungin der Terminologie Vorschub geleistet hat.
Es ergiebt sich somit zur Vervollständigung der reinklinischen Beobachtung und der einfachen Aufzeichnung derkrankhaften Symptome noch die Noth Wendigkeit eines ana-lytischen Studiums derselben. Diejenige Wissenschaft,welche uns die Mittel an die Hand giebt, diesen dritten Wegeinzuschlagen, ist die experimentelle Psychologie. Sielehrt uns, mit Hülfe des Experimentes zunächst die einfach-sten psychischen Vorgänge in ihren qualitativen und quan-titativen Beziehungen, wie in ihrem zeitlichen Verlaufe ge-sondert zu studiren, und sie wird auch, so wenig sie bishervon den Irrenärzten kultivirt worden ist, der Psychopatho-logie neue, reiche Quellen der Erkenntniss zu eröffnen imStande sein. Von der einfachen Feststellung der normalenBeziehungen zwischen Beizstärke und Empfindungsintensität,von der Analyse der Sinneswahrnehmungen und ihrer Fehler-quellen, führt sie uns weiter zum Studium des Vorgangesder Apperception, der Reproduktion, der Association undder Willensentscliliessung nach ihrem formalen und zeit-lichen Abläufe unter dem Einflüsse der verschiedenartigsten,willkürlich variirten Versuchsbedingungen. Der Aushau derexperimentellen Psychologie in ihren meisten und zwar ge-rade in den für die Psychiatrie wichtigsten Richtungen haterst in den letzten Jahren begonnen; ihre Anwendung aufdas pathologische Gebiet ist bisher so gut wie gar nichtgeschehen. Gerade von einer experimentellen Psychopatho-logie aber dürfen wir vor Allem jene Aufschlüsse über die