Psychiatrische Forschungsmethoden.
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lebens eingedrungen sind, verdanken wir der pathologischenBeobachtung. Das Studium der natürlichen Experimente,wie sie uns bisweilen in Krankheitsfällen dargeboten werden,hat unzweifelhaft die psychiatrische Erkenntniss weit mehrgefördert, als alle sonstigen anatomischen und physiologischenEntdeckungen, weil hier allein eine wirkliche direkte Ver-folgung jenes Parallelismus zwischen psychischen und körper-lichen Veränderungen ermöglicht ist, dessen inneres Ver-ständnis als das Grundproblem aller psychologischen ‘undpsychiatrischen Forschung angesehen werden muss.
Ausser der speziellen Untersuchung der nervösen Punk-tionen ist auch noch diejenige des Blutkreislaufes, derKörperwärme und des Stoffwechsels zur klinischenCharakteristik der Geistesstörungen herbeigezogen vmrden.Die nahe Abhängigkeit dieser Lebenserscheinungen vomNervensystem liess auch in ihnen Anomalien vermuthen,sobald die Hirnthätigkeit krankhaften Störungen ausgesetztwar. Es gab eine Zeit, v T o es der Sphygmograpliie ge-lungen v r ar, pathognomonische Pulsformen bei Geisteskrank-heiten ausfindig zu machen, ja wo sogar die Prognosedieser letzteren aus den Kurven des Radialispulses zu ersehenwar. Diese Zeit ist vorüber, namentlich seitdem ein exaktesphysikalisches Studium der Entstehungsbedingungen desPulsbildes*) die ausserordentliche Komplicirtheit und Viel-deutigkeit dieser Erscheinungen kennen gelehrt hat. DieAusbildung einer wirklich wissenschaftlichen Sphygmograpliiebei Geisteskranken ist demnach noch weiteren ForschungenVorbehalten. Soweit Kreislaufsstörungen nicht als Folgen,sondern als Ursachen iisychischer Alterationen angesehenw’urden, hat sich namentlich die Ophthalmoskopie, vor-übergehend auch die Otoskopie mit ihnen beschäftigt. Auchhier kann man nicht sagen, dass die Ergebnisse dieserUntersuchungsmethoden, abgesehen von der natürlich äusserstwichtigen Diagnose materieller Hirnerkrankungen, gerade
*) Graslicy, Die Wellenbewegung elastischer Köhren undder Arterienpuls des Menschen, 1881: ferner Archiv für Psychia-trie xrii, 2.