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sein. Wir pflegen nämlich Benennungen dieser Art, z.B. Schreiber, Rechner, Jäger, Fischer, Schneider,Mahlern, s. w. Ueber von Zeitwörtern, als vonWörtern abzuleiten; und nur bei wenigen, z. B. Mül-ler und Schuster, hat die Sprache eine Ausnahme ge-macht. Da wir nun, so oft wir neue Wörter bilde,-,die allgemeinen Aehnlichkeitsregeln, und nicht diejenige»,welche nur die Ausnahmen unter sich begreifen, vor Au-gen haben muffen: so scheint Schrifter, von Schriftabgeleitet, verwerflich zu sein.— Belletrist wird entwe-der als gleichbedeutend mit Bel-esprit gebraucht, d.. i.es bezeichnet eine Person, welche schöne Gedanken ineiner schönen Hülle darzustellen weiß ; und dann könnenwir ihn durch schöner Geist verdeutschen; oder es wirdnur einer damit gemeiut, welcher der schönen Gelehr-samkeit (der schönen Literatur) kundig ist, sich beson-ders darauf gelegt hat, sich am meisten damit beschäfti-get. Für diese Bestimmung des fremden Worts weiß ichkein Deutsches anzugeben; denn Schöngelehrter, wel-ches sich etwa darbieten möchte, kann nicht durch dieanscheinende Aehnlichkeit mit Schönfärber gerechtferti-gek werden, weil man zwar schönfärben, aber nichtschöngelehrten, für schöngelehrt sein, sagen kann. Hiermuß man also sich mit Umschreibungen begnügen: erhat sich auf die schönen Wissenschaften gelegt, seinHauptfach sind die schönen Wissenschaften, und mitGeringschätzung gesprochen, er hat sich der Schönschrei-berei beflissen.
Für belletristisch können wir, wenn es gegenständ-lich (objectiv) genommen wird, wiewol etwas lang,schönwissenschaftlich, und in einwohnender (subjecti-ver) Bedeutung, je nachdem es in gutem oder verächt-lichem Sinne genommen wird, entweder schöngeistigoder schöngeistisch sagen.
Belvedere, ein Drt, oder ein Gebäude, aus welchemman eine schöne Ausstcht hat. Die N. D. Mund-art hatSieh-dich-uin (Süh-dik-um) dafür. So führt z. B.diese Benennung ein zu Münden beim Zusammenflüsseder Werre und Fulde liegendes Haus, aus welchemman eine sehr schöne Aussicht hat. Auch ein Platz beidem Kloster Riddagshausen, unweit Braunschweig, wirdvon alten Zeiten her das Sieh-dich-um genannt. S.Beitrage znr weitem Ausbild. der Deutschen Sprache,Z. St. Seit. 163. Ein Ungenannter fügt in der Berl.Monatsschrift, Aug. 1796, folgende Stelle aus einerUrkunde von 1228 bei, in welcher dieses Sieh-dich-um gleichfalls vorkommt: et ab hac via usque sub-tus tres montes, qui circumspice te, sive Se-thicumme nominantur. Daß dieses Wort nicht fürdie höhere Schreib-art passe, versteht sich wol von selbst;aber warum es in der Umgangssprache, so wie auch inder leichten, besonders scherzenden Schreib-art, nichteben so gut, als Dergiß-mein-nicht, Spring-ins-Feld,Kuck-durch-den-Zaun (hedera terrestris), Sorgen-
frei (Sans-souci), und ähnliche scherzhafte Zusammen-setzungen, Platz finden sollte, sehe ich auch heute nochnicht ein. Als ich in meinen Versuchen zur Reinigungder Deutschen Sprache zuerst aufmerksam darauf mach-te, wurde es ziemlich allgemein, und zwar von einigenmit Spott und Hohn, verworfen. Die allgemeine Lit.Zeitung erklärte es geradezu für unerträglich, und glaub-te nicht einmahl nöthig zu haben, einen Grund diesesVerwerfungsurtheils anzuführen; und mancher Witz-ling, der sich wol gehütet hatte, sich auf eine Prüfungder von mir entwickelten Grundsätze und Regeln zur Rei-nigung und Bereicherung der Deutschen Sprache einzu-lassen, belächelte dieses arme Wort, als ein verunglück-tes Machwerk von mir, ungeachtet mein Verdienst odermeine Verschuldung hiebei wirklich nur in der Anzeigebestand, daß ein solches Wort in der N. D. Mund-artvorhanden sei. Wenn Moritz dagegen erinnerte: „Derfremde Ausdruck sei aus der Sprache des Landes ge-nommen, wo es die schönsten Belvedere gebe; man ha-be diesen schönen bezeichnenden Ausdruck in die übrigenEuropäischen Sprachen aufgenommen, warum denn dieDeutsche ihn verstoßen sollte?" so antwortete ich: weildie Deutsche Sprache züchtiger, als die meisten andernsein kann, und daher auch sein soll, und weil ihreSprach-ähnlichkeit nickt erlaubt, was die Sprach ähn-lichkeit anderer Sprachen, die mehr oder weniger ausdem Lateinischen hervorgegangen sind, allerdings gestat-tet. Belvedere kann, so lange noch die Aehnlichkeitsre-gel in ynserer Sprache gilt, (und diese soll und mußdoch wol so lange gelten, als unsere Sprache noch eineeigene Sprache und nicht ein Gemengsel aus fremdenSprachen sein soll) dem Deutschen nie einverleibt wer-den. Für die höhere Schreib-art habe ich Aussichrs-haus, welches von Rüdiger'» gebilligek ward, undSchönflcht, nach dem Holländischen Schocnzigt, unddem Schweitzerifchen: eine schöne Sicht, für eine schö-ne Aussicht vorgeschlagen. Hr. B r u m m l e i, Predi-ger im Braunschweigischen, bildete Lustw irke da:ür.Von denen, welche Sieh-dich-um angenommen haben,führe ich hier nur den Dichter F. W. A. Schmidt an :Doch den Rasen nicht zu deinem Grabe,
Nein! zur Treppe für dein Siehdichum.
H eyn atz sagt darüber, im Rntibarbarus : „Campe
scheint dis Wort noch nicht ganz aufgeben zu wollen.(Warum sollte ich, da ich es nicht gebildet, sondernnur angezeigt habe, daß es im N. D. da ist?) Es istvon etwas zu volksmäßiger Form, um Beifall findenzu können." Hat denn Vergißmeinnicht, welches unse-re Dichter so gern gebrauchen, eine andere Form? Undhaben wir etwa keine volksmaßige Wörter für volks-mäßige und den Volkston scherzhaft nachahmende Schrif-ten nöthig? Der Verf. der Durchsinge durch Dcussch-land (v. H eß) weiset mir den altdeutschen AusdruckLug-ins-Land, die ehemalige Benennung einer Warte,T 3 nach.