Aria
Aris
Arie
Aria, in der Tonkunst. Durch die Umformung in Arie istdieses Wort der Deutschen Sprach-ähnlichkeit gemäß ge-macht worden, und in dieser Form so allgemein ge-bräuchlich, daß man es füglich für eingebürgert haltenkann. Es würde auch, da der damit zu verbindende Be-griff noch keine feste Bestimmungen erhalten hat, schwer,wo nicht unmöglich sein, eine andere Benennung dafürzu erfinden. Reichhardt war geneigt, ihn durch ein»stimmiger Gesang zu bezeichnen; allein Eschenburgtrug Bedenken, diese erklärende Benennung anzuneh-men. „Förmlicher, abgemessener Gesang, sagt dieser,würde auch nicht erschöpfend sein; obgleich die wahr-scheinlichste Ableitung die von aera , dem Zeitgehalteoder Zeitmaße ist."
Arioso, in der Tonkunst, ein tactmäßiger Gesang, im Ge-gensatze mit dem Recitativ. Reichhardt. „Singe-maßig, arienmaßig." Eschenburg.
Aristarch, ein strenger Künstrichter. Der fremde Aus-druck ist aus einem Eigennamen entstanden. Aristarch,ein strenger Beurtheilcr der Homerischen Gedichte } lebtezu Alcpandrien.
Aristarchisch, kunstrichterlich, z. B. eine solche Miene,ein solches Ansehen, eine solche Strenge.
Aristokrat: Nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortsmüßte es durch Edelhcrrscher übersetzt werden; nur Scha-de, daß aus der Geschichte älterer und neuerer Zeit nichterweislich ist, daß die auch immer die Edelsten
ihres Volks, so wie die Mächtigsten, waren. Der neue-ste, vom Parteigeiste gebildete Sprachgebrauch hat beideWörter, Aristokrat und Demokrat, zu Schimpfnamengemacht, womit die eine Partei die andere zu brand-marken glaubt. Diesem neuern Sprachgebrauche zufolgeglaubte ich in meiner Preisschrift das erste durch Herr-scherling verdeutschen zu müssen; eine Benennung, wel-che verschiedene unserer besten Schriftsteller, z. B. Voß,(im /ten St. der Hören 1795 ) angenommen und ge-braucht haben:
Wo späht ein freier Späher?
Gcfeffclt lähmt VernunftDurch Machtgebot und ZunftDer Herrscherling' und Scher.
Man könnte in diesem Sinne, nach Eschenburg'sVorschlage, auch Edcling dafür sagen; ein Vorschlag -welcher- wie ich sehe, in Hcynatz'ens Amibarbarusgebilligct wird. Für die edlere Bedeutung des Wortsschlug ich Adelherrscher vor; worin ich mit M 0 r i Hzusammentraf, nur daß dieser Adelsherrschcr dafür an-setzte. Allein dieses würde eher einen Herrscher oder Be-herrscher des Adels bedeuten, dahingegen jenes einenHerrscher der von Adel ist, oder der vermöge seinesAdels herrscht, bezeichnet. ■— Kinderling hat Adels-freund dafür angesetzt, eine Benennung, welche nur dannpaßt, wenn unter Aristokrat, wie dis wirklich auch oftder Fall ist, nicht der Adelherrfcher selbst, sondern ein
Anhänger desselben verstanden wird. A fssp ru n g schlagt(im Ltcn St. der Beitrage zur weitern Ausbild. derDeutschen Sprache. Seite 76) Ganherrschaft für Ari-stokratie, also Ganhcrrscher für Aristokrat, vor. „Denn,sagt er, das eigentliche Wesen der Aristokratie bestehtdoch darin, daß eine Gesellschaft) die sich selbst (sei esdurch Geburt oder Wahl) ergänzt, die Herrschaft hat;welches vollkommen der Fall bei einem Gan-erbe ist, anwelchem nur die (gcbohrnen oder gewählten) Glieder derGesellschaft Theil haben." Eben dieser denkende Sprach-forscher äußerte einmahl in einer Unterredung über die-sen Gegenstand den spaßhaft scheinenden, aber doch be-merkenswerthen Gedanken: daß man die Aristokratenwol recht eigentlich Vornehme nennen könne, vom Vor-wegnehmen, wie praecipui von prae und capere.Nur Schade, daß das Wort nach dieser geschichtlichenAbstammung genommen, nicht der Vornehme, sondernder Vornehmer oder Vorwegnehmer lauten müßte. Ä l-xinger nennt stein folgender schönen Stelle spotlweisekleine Könige, Königlcin:
Roch tnindcr wohnt sie (die Weisheit) da, wo viele
König lein
Sich mit dem Mark des Lands, als träge Hum-
mein, nähren^
Gebohren schon zu Reichthum und zu Ehren,
Nicht brauchen tugendhaft zu sein;
Und bald durch innern Zwist des StaateS Ruhr
stören,
Bald wieder alles sich, dem Volke nichts verzeihn.
Die Weisheit, welche so die Menschen handeln
siehet.
Verhüllet sich das Angesicht, und fliehet.
Der Leser hat nun unter allen diesen Wörtern dieWahl, und, im Fall ihm keines davon gefällt, das Recht,ein besseres vorzuschlagen.
Aristokratie, Adelherrschaft, Ganherrschaft, Herrsche»lei. Kant hat Adelsgewalt dafür gesagt. S. Ari-stoerat.
Äristocratisch. Alle die obigen, für Aristokrat in Vor.schlag gebrachten Benennungen sind nicht dazu geeignet,daß man Beilegungswörter (Adjectiva) davon ableitenkönnte. Man müßw sich also, wen» jene genehmiget wer-den sollten, durch zusammengesetzte Sachwörker zu hel«fen suchen; z. B. Gesinnungen der Herrscherlinge,Grundsätze der Ganherrschcr, Vorrechte der Adelherr-scher u. s.w. für aristokratische Gesinnungen, Grundsätze,Vorrechte.
Arithmaiitie, die Zahlenwahrsagerei, oder das Wahr-sagen auS Zahlen.
Arithmecic, wird gewöhnlich durch Rechenkunst über-setzt. Allein nach Mackensens richriger Bemerkungist die Arithmetik eine Wissenschaft von den Zahlen, dieRechenkunst hingegen nur eine Anwendung davon. Manmüßte also Zahlenlehre für jene sagen. Kant nimmtR Arithme-