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1 (1808) A - E
Entstehung
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94
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helfen, und das dadurch veranlaßte genauere und schärfe,re Eindringen in die Tiefen der allgemeinen Sprachlehre,den gewünschten Erfolg endlich haben werden. Für jetztmuß ich mich darauf einschränken, bei jedem, bisher übli-chen Lat. Kunstworts dieser Art die verschiedenen Versu-che, zur Verdeutschung derselben, welche mir bekannt ge-worden sind, anzuführen, und mit meinem unmaßgebli»chen Urtheile zu begleiten.

Die buchstäbliche Uebersetzung desWortcsAdjectivurndurch Beiwort fing schon im vorigen Jahrhunderte andafür gebraucht zu werden. Gottsched und seine Nach-folger haben diese Benennung ziemlich allgemein gebräuch-lich gemacht. Daß sie nicht bloß eben so gut, sondern auchbesser, als die Lateinische sei, weil sie mit zwei Silben ei-nen Begriff bezeichnet, wovon jenes mit vier Silben nurdie Halste angibt, und die andere Halste (Wort) hin-zudenken laßt, leidet keinen Zweifel. Allein es klebt ihrdoch auch eben die wesentliche Unvollkommenheit an, wel-che das Urwort drückt, die, daß es kein wirkliches Unter»scheidungsmerkmahl angibt. Ein Beiwort (oder Adjectiv)bezeichnet doch eigentlich nur ein Wort, welches bei oderneben ein anderes gesetzt wird, oder gesetzt werden kann.Das paßt überaus jedes andere Wort, vornehmlich aufdas Pronomen, die Präposition und das Adverbium, völ-lig eben so gut, als auf das Adjectiv, weil auch diese zueinem andern Worte gesetzt oder einem andern Worte bei-gefügt werden. Der Ausdruck ist also weiter, als derBegriff. Eben diesen Fehler hat auch derjenige , welchenSchotte! dafür gebrauchte: beiständiges Wort. Je-des Wort, es gehöre zu welcher Klasse es wolle, steht ge-wöhnlich bei einem andern Worte. Andere haben Eigen-schaftswort beliebt. Allein auch dieses kann irre leiten;denn nicht jedes .Adjectivum druckt eine Eigenschaft,das Wort in wissenschaftlichem Sinne genommen, aus.Wir haben deren, welche nicht einmahl eine Beschaffen-heit, sondern bloß einen Umstand bezeichnen, z. B. denOrt oder die Zeit angeben, wo oder in welcher das Grund-wesen (Lubject) gedacht werden soll: der dortige Amt.mann, der jetzige Besitzer. Die Vernunstmaßigkeit dieserArt von Adjectiven ist zwar neulich (von Macke nsen)streitig gemacht worden; allein sie sind doch nun einmahlda, und zwar in unserer Sprache nicht allein, sondernauch in andern, älteren und neueren; undes muß also,so lange nicht das ganze Menschengeschlecht sich zur Ver-bannung derselben aus allen Sprachen vereinigen wird, .bei der Benennung der Adjective auch auf sie nothwendigRücksicht genommen werden. Der Name Eigenschafts-wort ist also zu enge; und wenn Adelung es dadurchrechtfertigen will, daß er sagt:es werde hier nicht inmetaphysischer, sondern in grammatischer Bedeutung ge-nommen, vermöge welcher unter Eigenschaft eine jede aneinem sclbststandigen Dinge befindliche unselbststandigeMannigfaltigkeit verstanden werden müsse, sobald sie alsan demselben befindlich gedacht und ausgedruckt wird;"

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so liegt in dieser Ausrede selbst das deutliche Geständniß,daß die Sprachlehrer das Wort Eigenschaft hier in ei-ner Bedeutung, die es sonst nicht hat, zu gebrauchen sicherlauben. Bestimmungswort, welches andere dafürversucht haben, hat wieder den entgegengesetzten Fehler;es ist zu weit; weil es, oft wenigstens, auch aufden Ar-tikel und auf Pronomina, vornehmlich aber auf Adverbiapaßt. M e rt i an, von dem wir neulich eine der öf-fentlichen Aufmerksamkeit und Prüfung würdige Allge-meine Sprachlehre erhalten haben, hat, unter anderngründlichen Erörterungen, auch die Unvollkommenheitenund Mängel der bis jetzt gebräuchlich gewesenen Kunst-wörter der Sprachlehre darin entwickelt. Er selbst gehtbei den, von ihm gebildeten neuen Kunstwörtern davonaus, daß er die Natur des Substantivs untersucht; uud,nachdem er für dieses die Benennung Stand gewählt hat-te, so laßt er die Namen der übrigen Redetheile sich dar-auf beziehen, und nennt, dem zufolge, das Adjectiv Um-stand;denn, sagt er, ich kann mir einen Stand (Sub-stantiv) nicht anders denken, als mit einer gewissen Ge-stalt oderSeins-art, mit gewissen Eigenschaften. DieseGestalten, Seins-arten, Eigenschaften haben kein eigenesDasein; sie find an jene Dinge, die wir Gegenstände heis-scn, geheftet; umgeben sie, wie eine Art von Umschlag;sie sind also Umstände." Allein i. stellen wir uns nureinige Eigenschaften der Dinge, welche die Oberfläche der-selben betreffen, wie glatt, rauh, grün, gelb u. s. w. alsum die Dinge her befindlich vor; andere hingegen, wiegelehrt, klug, weise u. s. w. denken wir unS mehr in, alsan ihnen; 2. hat das Wort Umstand schon eine andere,durch den allgemeinen Sprachgebrauch ihm beigelegte Be-deutung, die mit dem, was wir bei dem Worte Adjectivdenken, keinesweges übereinstimmt; utid 3. haben dieneuen Kunstwörter dieses Sprachlehrers sammt und son-ders, folglich auch dieses, den Fehler, daß sie nicht sowoldie verschiedenen Mörterklasscn, welchen sie doch zur Be-nennung dienen sollen, als vielmehr die Begriffe selbstbezeichnen, nach welchen die Wörter jene Einiheilung er-halten haben. Stand z. B. druckt nichr das (nomen)substantivum, sondern die Substanz aus; so auch Um-stand , nicht das (nomen) adjectivum, sondern dasAdjcct. Er hätte, schcint's, wenigstens Standwort, Um-standswort u. s.w. sagen müssen. Ein anderer scharfsinni,ger Sprachlehrer, Pros. Löwe in Breslau, zieht aus Ade-lungs Bemerkung:daß das Adjectivum nichts anders,als das concrescirte (einverleibte) Adverbium sei, odermit andern Worten, daß der Unterschied dieser beidenRcdetheile bloß darin bestehe, daß die Adverbia das Un-selbststandige abstract und für sich allein (nur immer nochals unselbstständig) angegeben, die Adjectiva aber als andem Dinge befindlich, oder demselben beigelegt, mit.demselben verbunden,die richtige Folge: daß, wie dieAdverbia gedoppelter Art sind (nämlich Beschaffcnhcits-wörtcr und Umstandswörter), man auch eine gedoppelte

Art