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1 (1808) A - E
Entstehung
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Grundsätze, Regeln und Gränzen

dere Uebungen, als diejenigen gehabt hat, die ihr die Deutsche Sprache verschaffte, sich zerarbeiten muß,wenn er ausländische Wörter und Namen aussprechen soll, und welche Wortmißgeburten er am Ende zurWelt zu bringen pflegt! Die Otahitcr konnten zur Zeit der ersten Covkschen Reise um die Welt, diemeisten Namen der Engländer, trotz aller Anstrengung, entweder gar nicht, oder doch nur sonderbar ver-stümmelt und umgebildet, über die Zunge bringen. Aus Cook machten sie Tuti; aus Hicks, Hiti;Gore hieß ihnen Toaro, Solander, Torano, und Banks- T a pane. Es scheint, daß selbstihr Gehör unvermögend war, die Englischen Laute mit derjenigen Bestimmtheit aufzufassen, mit welcherein Engländer sie hört; und ich kenne einen Deutschen, der, ungeachtet er ziemlich geübte Sprachwerkzeu-ge besitzt, indem er sechs fremde Sprachen gelernt hat, doch in Ansehung des einzigen Französischen WorlSvoyagei- sich mit den Okahitern in einerlei Falle befindet. Er konnte dieses Wort nie anders als vogageraussprechen lernen; und was das sonderbarste ist, er hört es auch nicht anders. Daß seine Aussprachenicht die rechte sei, das weiß er nicht; das glaubt er nur, weil er von Jugend auf deshalb getadeltworden ist. Dieser Deutsche bin ich. Meine Selbst-erfahrung macht mich also fähig, mich in die Lageeines Menschen zu versetzen, der keine andere, als seine Muttersprache gelernt hat; und ich kann z. B.in die Seele eines Niederdeutschen Landbauers fühlen, daß er das Französische Wort Lonclition nicht an-ders aussprechen, vielleicht auch nicht einmahl anders hören kann, als C o n d i tsch o o n. Es ist also wirk-lich, in Bezug auf die allermeisten Glieder eines Volks, eine beträchtliche Unvollkommenhcit der Sprache,wenn sie unter die ihr eigenthümlichen Laure solche fremd-artige sich mischen läßt, die für die meisten Men-schen, deren Muttersprache sie ist, unaussprechbar sind, und immer bleiben müssen.

2 ) Eine, nur aus sich selbst bereicherte und ausgebildete, also nicht durch Einmischung ausländischer Laute un-gleichförmig gemachte Sprache, ist dem Geiste, der Gemüthsart, den Sitten, den Land-eigenheiten undder bürgerlichen Verfassung des sie redenden Volks am allerangemesscnsten. Daß alle diese Eigenthümlich-keiten eines Volks und die Sprache desselben einen unverkennbaren gegenseitigen Cinstuß auf einander durchWirkung und Rückwirkung haben, ist eine zu bekannte und ausgemachte Bemerkung, als daß ich sie hiererst umständlich auseinander zu setzen, und mit Beispielen zu belegen brauchte. Es wird hinlänglich sein,hier nur der einzigen Beobachtung zu erwähnen, welche die Hauptmund - arten unserer eigenen Sprachehierüber darbieten. Die Niederdeutsche Mund-art ist, wie die Gemüths - und Sinnesart, der Flachländer,weich, schlüpfrig, sanft, biegsam, schlaff und kraftloS; die Oberdeutsche hingegen hat alles das Rauhe,Harte, Stolze, Trotzige, Unbiegsame und Feurige, wodurch die Hochländer sich zu unterscheiden pflegen;die Fränkische endlich und die Obersächsische Mund-art halten, wie die Bewohner und die Naturbeschaffen-heit dieser Zwischengcgcnden, genau die Mitte zwischen beiden. Diese auffallende Uebereinstimmung zwischender Sprache und den übrigen geistigen, sittlichen, ländlichen und bürgerlichen Eigenthümlichkeiten einesVolks eine Uebereinstimmung, die sich durch die ganze Well bestätigetkann unmöglich das Werk desZufalls sein; es muß vielmehr ein nothwendiger, von der Natur selbst beabsichtigter, Zusammenhang dabeiSratt finden. Was aber die Natur will und ihren Kindern zur Nothwendigkeit gemacht hat, das muß derMensch nicht stören wollen; sonst arbeitet er seinem eigenen Besten, seiner eigenen Vervollkommnung ge-rade entgegen. Der Deutsche hört in eben dem Maße auf, ein Deutscher, also d a s zu sein, wozu dieNatur ihn bestimmt halte; er hört in eben dem Maße auf, in die Eigenthümlichkeiten der Denk-und Sinnesarteines Deutschen, in die natürliche, sittliche und bürgerliche Verfassung seines Landes genau zu passen,,n welchem er aus seiner Landessprache ein buntscheckiges Gemisch von ausländischen und einheimischen Lau-ten und Wörtern werden läßt; so wie, um die Sache durch ein recht auffallendes Beispiel für jeden fühl-bar zu machen, das (wailand!) freieste und glücklichste Volk der Erde die Appenzeller gewiß nichtbleiben würde, was es ist, wenn durch ein Wunder denn etwas geringeres würde dazu nicht crfodertwerdenihm seine rauhe, zischende, gurgelnde und kreischende Bcrgsprache plötzlich genommen, und ihmdafür die Italische oder Französische Sprache eingeflößt würde.

S) Eine, von aller Einmischung des Fremd-artigen rein und unbefleckt erhaltene Sprache ist daher auch da-beste und wirksamste Mittel oder Werkzeug zu der geistigen, sittlichen und bürgerlichen Ausbildung desjeni-gen Volks, welches das Glück hat, sie zu besitzen. Dis folgt unmittelbar aus den. Vorhergehenden. Waszu den natürlichen Eigenthümlichkeiten der Denk- und Sinnesart eines einzelnen Menschen und eines ganzenVolks am genausten paßt, dadurch können diese Eigenthümlichkeiten auch am besten entwickelt und ausge-bildet werden. Will man ein Beispiel haben? so vergleiche man die Stufe der Ausbildung, auf welcherehemahls das Grichischc Volk stand, mit derjenigen, worauf wir unser eigenes erblicken. Welcher Unter-schied! Und woher derselbe? Eine, auf bürgerliche Freiheit gegründete Verfassung, die Oeffentlichkeit der

Gerichts-

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