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1 (1808) A - E
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Grundsätze, Regeln und Gränze»

Sprachkenntniß, und durch Aufstellung seltsamer, mitunter sehr lächerlicher Herleitungen, eine Art von Bewunderungzu erregen. Um hier nur von der Uebereinstimmung der Laute einzelner Wörter zu reden, so ist jedermann bekannt, daßes sowol Naturtöncunwillkührliche Empfindungs- und Leidenschaftsausdrücke gibt, die sich, als Ausrufungswör-ter (Interjectione»), in allen Sprachen gleichen oder ähneln, als auch solche Wörter, die durch Naturnachahmungüberhaupt, und durch Klangnachahmung (Onomatopöie) insonderheit entstanden, und die daher in vielen, sonst sehr ver-schiedenen Sprachen, oft, wo nicht einerlei, doch einander bewundernswürdig ähnlich sind. Außer unserm O! Ach!Weh! u. s. w. dienen hier zu Beispielen die Wörter murren (murmurare, Wind und wehen, die in

den ungleich-artigsten Sprachen, sogar in der Patagonischen (Oui), Lautvcrwandte haben, und die kindischen Vatcr-und Muttcrnamen Papa, Mama, die, als die ersten Sprachkeime, welche die Natur selbst, dem stammelnden Kin-de in den Mund zu legen scheint, sich nicht nur bei allen Völkern von unbestrittener Mcnschen-art, sondern auch sogar,nach Fulda's und Adelung's Bemerkung, bei denen finden, welchen neuerlich unserer Welnveifen Einer, mit derechten menschlichen Natur zugleich die allgemeinen Menschheitsrechte streitig zu machen die Hartherzigkeit hatte,beiden Schwarzen am Senegal!

Stimmen wir nun aber den Begriff, den wir mit vollkommener Sprachreinheit verbinden wollen,etwas tiefer herab, und schranken wir ihn bloß darauf ein,

daß eine Sprache alles aus sich selbst, durch Anbau ihrer eigenen Wurzelsilben und Stammwörter ge-

wonnen, und keinen ihrer Ausdrücke aus andern Sprachen entlehnt habe:"

so ist abermahls, bei einigem Nachdenken, von selbst augenscheinlich, daß auch dieser, unter sonst gleichen Umstanden,allerdings wahre und große Vorzug, nach aller Strenge genommen, keiner andern als einer Ursprache, und zwar nureiner solchen eigen sein und bleiben könne, die mit dem sie redenden Volke von allen andern Völkern der Erde, gleichdem Fecnlande Eldorado, durch unübcrsteigliche Vormauern abgesondert wäre, und für immer abgesondert bliebe.Denn sobald unter zwei oder mehren Völkern, deren jedes seine eigene Sprache hat, eine Gemeinschaft entsteht: s»ist bei der dann allemahl eintretenden Auswechselung der ihnen eigenen Sachen und Begriffe, ein damit verbundenesUcbertragen einzelner Wörter, Wortfügungen und Sprach-cigenthümlichkeiten aus vereinen Sprache in die andere, un-vermeidlich; man müßte denn den an sich zwar denkbaren, in der Wirklichkeit aber nie Statt findenden Fall anneh-men, daß diese Völker, sowol in Ansehung ihrer Gedankcnmasse und ihrer äußern Besitzungen, als auch in Ansehungdes Umfanges und Anbau's ihrer Sprachen, ganz genau auf einer und eben derselben Staffel des Reichthums und derAusbildung stünden; so daß das eine Volk durchaus nichts hatte, was das andere nicht auch besäße, und daß das einein seiner Sprache durchaus nichts ausdrucken könnte, was das andere nicht eben so vollkommen auch in der scinigenanzugeben vermöchte. Nur unter dieser Voraussetzung ließe es sich allenfalls denken, daß die in Gemeinschaft gerathe-nen Völker ihre Sprachen von jeder Art von Vermischung des Fremden mit dem Einheimischen rein und unbefleckt er-halten könnten. Hat hingegenwie in der Wirklichkeit dis immer der Fall gewesen ist und immer sein wird daseine Volk vor dem andern irgendeinen eigenthümlichen Besitz, sowol an Sachen, als auch an Vorstellungsarten, Be-griffen und Wörtern, vor dem andern vorans : so muß, sobald Umgang, Tausch und Handel unter ihnen entstehn, mit deneigenthümlichen Sachen, Vorstellungsarken und Begriffen des einen, auch nothwendig von den ihm eigenen Wortzeichenund Begriffshüllen zu dem andern gleichfalls etwas übergehn. Daher z. B. das von dem ersten, Ackerbau und Handlungtreibenden Volke, Gott weiß in welcher Sprache, gebildete Wort S a ck, mit der Fortpflanzung der Künste des Acker-baues und des Handels, in alle andere Sprachen überging; eine Erscheinung , zu deren Erklärung wir also der scherz-haften Vermuthung des Goropius Decanus, daß die bei der eintretenden Babilonischen Sprachverwirrung inBestürzung davon laufenden Bauleute sich ihrer Schnappsacke noch erinnert hätten, füglich entbehren können.

Dieses, unter den erwähnten Umständen unvermeidliche Ucbertragen aus einer Sprache in die andere, muß ineben dem Maße häufiger und auffallender werden, in welchem, zur Zeit einer entstehenden Gemeinschaft unter denVölkern, das eine vor dem andern in den Künsten und Wiffcnschaften, mithin auch an Reichthum und Ausbildungder Sprache, einen großem und auffallendern Vvrsprung gewonnen hat. Am allermeisten aber muß es sich dann er-eignen, wenn von den mit einander in genaue, besonders durch Eroberungen bewerkstelligte, Verbindung gcrathendcnVölkern, das eine noch völlig roh und ungebildet ist, das andere hingegen schon auf einer hohen Stufe der geistigenund sittlichen Ausbildung steht. Dann pflegt die dürftige Sprache des ersten von dem überwältigenden Ucbergcwichreder reichern und ausgcbildetern Sprache des andern entweder ganz erstickt zu werden und nach und nach zu verschwin-den, oder auch mit dieser so zusammenzuschmelzen, daß eine ganz neue Sprache daraus entsteht; sowie dieses unter-andern in England und Frankreich, jenes in mehr als Einem Theile von Amerika geschehen ist. Denn wenn gleich je-de, auch noch so armselige Sprache, in ihren Stammwörtern die Keime zu einer schrankenlosen Entwickelung und Aus-dehnung