Druckschrift 
Der Page des Kaisers : Ein Gedicht von der Treue
Entstehung
Seite
77
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

AJes Dichters Lied hat kein Heimathland,

Es lebt an keine Scholle gebannt,

Des Menschen Herz ist sein heiliger Hort,

So wandert es jubelnd von Ort zu Ort,

Pflanzt, siegreich stets in seinem Lauf,

Allüberall das Banner auf.

Wo einst ein liebendes Paar gewallt,

Macht es auf seiner Wallfahrt Halt,

Lässt träumerisch Rosenknospen fallen,

Schickt aus zum Gruss seine Nachtigallen.

Wo Muth und Liebe zum heimischen Herd

Den Arm eines Helden bewehrt,

Da flösst es dem Knaben, jung und stark,

Den Muth ein bis ins tiefste Mark,

Dass es den Mann zu Innerst durchdringt

Und er begeistert die Waffe schwingt;

Es wirft, wo Leichen schlummern im Grab,

Im Flug sein Cypressenblatt herab,

Und wo sich erhebt ein Denkmal der Grösse,

Deckt es mit Lorbeern der Quadern Blosse.

Es ist ein heiliger Wandersegen, .

Der uns geleitet auf allen Wegen;

Ein Morgengebet, ein Vespergruss,

Der unsre Seele stärken muss.

0 trüb ist die Zeit, in der das Lied

Erschreckt ins Innre der Seele flieht,

Und zagend, von der Gewalt gebeugt,

In sich gekehret trauert und schweigt.

77