Und Blüthenglocken von Baum nnd Sträuchen
Sio lauten nicht aus arme Menschenleiolien;
Sie schütteln den Mantel nur, um den Duft
Rings zu ergiessen in die Luft,
Und hängen über betretenen Bahnen
Für Wandrer echte Friedensfahnen.
Fast sorglos auf dem Bergespfad,
Streift mancher Kriegsmann dahin so heiter,
Wer ahnte hinter Blumen Verrath?
Ach Düfte verrathen keinen Meuter.
Der Feldherr auf arabischem ThierDringt eines Tages in's Bergrevier,Er sucht nicht Kampf, nur WaldeskühleUnd in dem dufterfüllten RaumBehagliche Rast für manchen Traum,Und Einsamkeit für seine Gefühle;Es sind drei wohlbewaffnete ReiterAuf diesem Waldritt seine Begleiter,Doch weit hinter ihm zurück sie bleiben,Nicht mag seinem Sinnen Gesellschaft taugen,Nicht mag er sein Ross zur Eile treiben,Doch scharf verfolgen ihn ihre Augen.Und plötzlich der Feldherr stille stand,Jach vor ihm starrt eine FelsenwandUnd links es sich zum Himmel erhebt,Und rechts es zu den Wolken strebt;Der Pfad, den er verfolgt, hört auf,Nicht vorwärts kann er, wo Alles endet,Und als er sein Ross zur Umkehr wendetGähnt ihm entgegen ein Flintenlauf,Und dort noch einer, und Rohr an RohrGlotzt aus den Felsenwänden hervorUnd blitzt vernichtend ihm entgegen.Schon kracht's — noch einmal — und dann
wiederDas hallt in der Schlucht von Doppelschliigcn.Es springt das Ross entsetzt zurück;Diess Zagen war des Reiters Glück,
Noch keine Kugel traf seine Glieder.
Da hörten knallen fern die Drei
Und sprengten in wilder Hast herbei;
Indess sie ihre Waffen schwingen,
Den Feldherrn schützend sie umringen;
Die Kugeln sausen und treffen auch
So gut die Glieder wie Fels und Strauch.
Die Felswand vorn und im Rücken
Die Bande Guerilla, wie's stand, es galt,
Gewalt gegenüber der Gewalt,
Den Weg mit Leichen zu überbrücken.
Und wieder schlägt's in die Felsenwand
Und bricht den Granit in Stück und Splitter;
Wo tiefe Wunden nicht schlägt die Hand,
Schlägt das Gestein sie manchem der Ritter;
Blut schon aus manchem Munde floss,
Verendend ächzt schon manches Ross.
Schon mancher Hand die Waffe entsank,
Das blut'ge Gefecht währt nimmer lang;
Wenn Rettung nicht der Himmel sendet,
Ist bald der schwere Kampf vollendet.
Zu Tode getroffen schon sind die Reiter,
Verwundet der Feldherr von Kugel und Stein.
Es gilt jetzt: Einer gegen Neun,
Da ficht selbst Satanas nicht weiter:
Stellt sich ihm einzeln Wicht für Wicht
Er Acht von Neunen niedersticht,
Ha und vielleicht schon wundenbedeckt,
Er noch den Neunten darniederstreckt;
Doch alle vereint ihn überfallen,
Die Waffen klirren, die Schüsse knallen.
Und immer dringender wächst die Noth,
Und immer sichrer dräut der Tod;
Im Rücken schützt die Felsenwand
Den Kämpfer mit ermatteter Hand
Schon weicht seineKraft — noch eine Minute —
Er liegt verendend in seinem Blute.
Da rauscht's im Gestripp und donnernd knalltHerab es von der Felsenkante,