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Der Page des Kaisers : Ein Gedicht von der Treue
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Im Schloss indessen wallt Carnac frei,

Als ob er ein Königlicher sei:

Gedeckt ist sein Platz an ihren Tischen,

Dem Gaste kredenzen die Diener den frischen,

Erquickenden Labetrunk voran;

Gar seltsam beschleicht es den fremden Mann

Und rührt ihn fast solch hochherzig Handeln,

Er möchte gern ihr Schicksal wandeln,

Doch wie es mit solchen Kumpanen beginnen?

An dieser Frage zerschlägt sich sein Sinnen.

Schon geht der Mundvorrath zu Ende,

Doch giebt es noch schussfert'ge Iliinde

Und giebt es Pulverfässer genug.

Verchossen die Kugeln! was liegt daran,

Bald ist's um der Wände metallnen Schmuck,

Um silbernes Kirchengeräthe gethan,

Es wird in Stücke und Splitter zerhackt

Und muss zur Ladung wie immer passen;

Sie wehren sich gleich Satanassen,

Ein Sinn beseelt Alle und Keiner verzagt.

Und wieder giesst aus das RosenblutDes keimenden Tages ein neuer Morgen,Die Graue!, unter der düstren HutSchmerzvoller Nächte kaum geborgen,Sie schreien empor zum Sonnenlicht,Dass Einem das Herz darüber bricht.Gewaltiger stürmen ein die Dränger,Nur Einen Tag noch und nicht längerKann sich des Schlosses Besatzung halten;Den letzten Rest hat die Hoffnung geborgt,Die nimmer Hess den Muth erkalten:Für Vorrat!) hat die Verzweiflung gesorgt,Wohl ist nocli Pulver in Fülle vorhanden,Die Vorrathskammer doch ist leer,Das Fleisch ging aus, kein Mehl giebt's mehr,Kein Schifflein mit Vorrath kann mehr landen;Dem Schlosse, bald nur mehr ein mächtiges Grab,

Schnitt alle Zufuhr der Gegner ab;Könnt auch die liurg der Feind nicht zwingen,Den Wall wird der Hunger überspringen,Und wo das Pulver die Wette verlorn,Gewinnt sie ein mangelndes Weizenkorn.

Bringt jede Secunde auch neue Leichen,Doch wollen die Bedrängton nicht weichen;Das Leben nicht gilt es, nicht kümmert die Noth,Sie lassen sieh nur nicht den Heldentod,Und sei es unter rauchenden Trümmern,Für ihren König und Herrn verkümmern.Es zweifelt Keiner mehr am Falle,Doch Alle wie Einer und Einer wie Alle,Gott auf den Lippen, das Schwert in der Hand,So wollen sie sterben für's Vaterland.

Hilf Himmel, was soll das hastige DrängenIn Hallen, Gemächern, auf Treppen und Gängen ?Bestürzung spricht aus allen Mienen;Ist denn des Jammers noch nicht genug?In stummer Trauer naht ein ZugVon Aussen her zur Schlosseshalle,Es fiel von einer Kugel getroffenDes Grafen ältester Sohn am Walle,Und Rettung ist nicht mehr zu hoffen.Die Qualen des Lebens gleichen BienenEs wallfahrtet der schwärmende ZugRastlos nach dem Golgatha der SchmerzenUnd naoh dem Oelberg gebrochener Herzen,Und immer schliessen auf dieser BahnSich neue Bienen dem Zuge an.

Sie stellen die Bahre im Saale nieder;Die Mutter eilt herbei in Hast,Und wenn sie auch bis i(js Mark erblasst,Netzt doch keine Thräne die Augenlieder;Sie kniet zum verwundeten Sohne hin,Kaum, dass den Lippen Seufzer entfliehn;

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