Druckschrift 
2 (1907)
Entstehung
Seite
1087
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Urina.

nun einen dritten Versuch an, lässt jetzt 18,6 com des verdünnten Harns auf einmalzufliessen und erzielt damit völlige Entfärbung.

Berechnung: 20 ccm FEHLiNG 'sche Lösung werden durch 0,1 g Traubenzuckerreducirt. Diese Menge Traubenzucker ist in 18,6 ccm des verdünnten Harns enthalten.Der Zuckergehalt des Harns beträgt daher 2,68 g in 100 ccm.

b) Gewichtsanalytisch. Man muss nach S. 785 u. f. verfahren: 30 ccm Kupfer-sulfatlösung, 30 ccm Seignettesalzlösung (nach Meissl und Allihn ) und 60 ccm Wasserwerden zum Sieden erhitzt, dann fügt man 25 ccm des nicht mehr als ein ProcentZucker enthaltenden Harns (event. des entsprechend verdünnten Harns) hinzu, erhält2 Minuten im Sieden, filtrirt durch ein ällihn 'sches Röhrchen und bestimmt das metal-lische Kupfer. Die dem gefundenen Kupfer entsprechende Menge Dextrose wird derALLiHN 'schen Tabelle auf S. 786 entnommen.

c) Durch Polarisation. Ist der Harn nicht sauer, so wird er mit Essigsäure schwachangesäuert. Enthält er Eiweiss, so muss dieses durch Aufkochen abgeschieden werden.Zu dem sauren (bez. schwach mit Essigsäure versetzten Harn) oder zu dem erkalteten,vom Eiweiss befreiten Harnfiltrat setzt man '/ 10 Volumen kalt gesättigte Bleiacetatlösung(also z. B. zu 100 ccm Harn bez. Harnfiltrat = 10 ccm Bleiacetatlösung), mischt undfiltrirt durch ein trockenes Filter in ein trockenes Gefäss. Das völlig klare und fastfarblose Filtrat wird nunmehr polarisirt und zwar im 50, 100 oder 200 mm-Rohr, je nachder erzielten Farblosigkeit.

Bei der Berechnung der beobachteten Rechtsdrehung ist zu berücksichtigen:

1) Die vorgenommene Verdünnung des Harns durch die Bleilösung. Die beobachtete

Drehung ist daher um den Theil zu erhöhen.

2) Die Länge des benutzten Beobachtungsrohres.

3) Die Art des benutzten Apparates.

a) Saccharimeter nach Soleil-Ventzke-Scheibler . Beobachtungsrohr von 200mm Länge. Jeder abgelesene Grad zeigt an, dass in 100 ccm der Zuckerlösung0,32683 g reiner, wasserfreier Traubenzucker gelöst sind. Vergl. S. 775.

ß) Apparat nach Laurent, Wild oder Mitscheblich . Zur Berechnung dient3. ^ 100

die Gleichung p = ^ ^ ; in dieser Gleichung bedeutet p = die Gramm

Traubenzucker in 100 ccm Lösung, a = die beobachtete Drehung, 1 die Längedes Beobachtungsrohres in Decimetern.

y) Polaristrobometer von Wild . Die in 100 ccm Harn enthaltenen GrammeTraubenzucker C ergeben sich nach der Gleichung

C= 1,8868 4--^-.

Li

In dieser Gleichung ist 1,8868 die Drehungskonstante des Traubenzuckers, L dieLänge des Beobachtungsrohres in Decimetern, a der beobachtete Drehungswinkel.

d) Bestimmung durch Gährung. Es existiren hierfür mehrere Apparate. BeiBenutzung des Gährungssaccharometers von Einhorn (Fig. 187) füllt man in diekugelige Ausbuchtung des offenen Schenkels den mit einem Stückchen reiner Presshefe(s. S. 1086) durchschüttelten, luftblasenfreien Harn, der nicht mehr als 1 Proc. Zuckerenthalten darf (oder eine entsprechende Verdünnung des Harns), und lässt durch vorsichtigeNeigung das Gemisch in den senkrechten Schenkel einfliessen, so dass aus diesem alle Luftentweicht. Man lässt den Apparat bei Zimmertemperatur stehen. Nach etwa 2024Stunden liest man an der Skala die Menge der entwickelten Kohlensäure bez. den Pro-centsatz des Zuckers direkt ab. Die Ergebnisse sind nur ungefähre. Das gleichePrincip ist zur Konstruktion zahlreicher anderer Gährungs-Saccharometer benutzt worden.Derjenige von Lohnstein , welcher den Zuckergehalt aus dem Druck erschliesst, welchendie entwickelte Kohlensäure auf eine Quecksilbersäule ausübt (ähnlich wie bei der Alko-holbestimmung mittels des Vaporimeters) macht den Anspruch, den Zuckergehalt des Harnsvollständig genau anzugeben.