Urina.
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auf Zacker zu deuten. — Die oben genannten Harnbestandtheile wirken zwar nicht so sehrstörend, immerhin können sie das Ergebniss beeinflussen.
BöiTßEB 'sche Probe. Man versetzt 5 ccm des eiweissfreien Harns mit einerMesserspitze voll Wismutsubnitrat und etwa 0,5 g Natriumkarbonat, kocht 2—3 Minutenund lässt absetzen. Dunkelfärbung des Niederschlages deutet auf Anwesenheit von Zucker.Siehe auch die folgende Probe.
Alje&n-Nylandek 'sche Probe. Eine Modifikation der vorigen. Man erhitzt 5ccmdes eiweissfreien Harns mit 1 ccm nylander 'schem Reagens (2 g Wismutsubnitrat werdenmit 4 g Seignettesalz zerrieben, darauf die Mischung in 100 ccm Natronlauge [von 10 Proc.]gelöst und filtrirt) 2—5 Minuten gekocht. Bei Anwesenheit von Zucker tritt Braun-Schwarzfärbung ein. Harnsäure und Kreatinin erzeugen keine Dunkelfärbung, dagegenkann Eiweiss durch Bildung von Wismutsulfid Zucker vortäuschen. Ebenso entstehtdirekte Färbung in Harnen nach Einnehmen zahlreicher Arzneimittel.
FEHLiNG 'sche Probe. Man erhitzt in einem Probirrohre etwa 5 ccm FEHLiNG 'scheLösung und fügt 1—5 ccm des eiweissfreien unverdünnten oder verdünnten Harnes hinzu.Bei Anwesenheit von Zucker treten zunächst gelbrothe Streifen auf, beim Erhitzen zumAufkochen fällt ein rother Niederschlag aus. Diese Probe kann zu Täuschungen führen,da auch Kreatinin und Harnsäure eine Reduktion zu Kupferoxydul geben. — MancheHarne lassen hierbei Zweifel entstehen, insofern eine trübe Flüssigkeit entsteht, in welchersich eine etwaige Ausscheidung von Kupferoxydul nicht deutlich erkennen lässt. In solchenFällen verdünnt man den Harn auf das 2—ofache Volumen mit Wasser, filtrirt nach demAufkochen die Reaktionsflüssigkeit rasch (!) ab, wäscht das Filter mit heissem Wasservollständig aus und stellt fest, ob ein Niederschlag von Kupferoxydul vorhanden ist odernicht. — Will man bei dieser Probe Täuschung durch Harnsäure ausschliessen, so neutrali-sirt man den Harn mit Natriumkarbonat, fällt die Harnsäure durch einen kleinen Ueber-schuss von Kupfersulfatlösung und setzt das schwach kupferhaltige Filtrat zur erhitztenFehling 'sehen Lösung zu.
Zur Bereitung der Fehlino 'sehen Lösung löst man 34,639 g reinstes,nicht verwittertes Kupfersulfat in 200—300 ccm Wasser und füllt die Lösung mitWasser zu 500 ccm auf. Anderseits löst man 173 g durch wiederholtes Um-krystallisiren gereinigtes Seignettesalz in 350 ccm reiner Natronlauge vom spec.Gewicht 1,14 und füllt mit Wasser gleichfalls zu 500 com auf. Man kann beideLösungen mit einander mischen und erhält alsdann die Originallösung nach Fehling.Zweckmässiger ist es — nach dem Vorschlage von Soxhlet — beide Lösungen ge-trennt aufzubewahren und zum Gebrauche jedesmal gleiche Anzahl von ccm beiderLösungen miteinander zu mischen. Vergl. Bd. II, S. 785.
Die FEHLiNG 'sche Lösung darf beim Aufkochen für sich allein Kupferoxydul nichtabscheiden; ist man hierüber im Zweifel, so verdünnt man die aufgekochte Lösung mitheissem Wasser, filtrirt durch ein Filter, wäscht dieses aus und stellt fest, ob Kupferoxydulauf dem Filter vorhanden ist.
Phenylhydrazin-Probe. 50 ccm Harn werden mit 2 g reinem salzsauremPhenylhydrazin und 4 g krystallisirtem essigsauren Natrium l / a —1 Stunde lang im kochen-den Wasserbade erwärmt. Dann stellt man das Reaktionsgefäss in kaltes Wasser, lässt esin diesem einige Stunden.
Bei Anwesenheit von Zucker scheidet sich das gelbe Phenylglukosazon in Kry-stallen oder amorphen Massen ab. Man stellt bei 150—300facher Vergrösserung fest, obsich die gelben, charakteristischen Nadeln (auch zu Sternen oder Garben zusammengelagert)finden. — Ist der Niederschlag amorph, so filtrirt man ihn ab, löst ihn in Alkohol, ver-setzt die alkoholische Lösung mit Wasser, erhitzt sie bis zur Verjagung des Alkohols undlässt erkalten. Man erhält alsdann das Phenylglukosazon in Krystallen. Der Schmelzpunktdesselben liegt bei 204—205° C.
Die Probe ist scharf; doch erhält man ähnliche Krystalle auch mit Glukuronsäure,indessen schmolzen die letzteren schon bei 150° C. Einwandsfrei würde die Anwesenheitvon Zucker erwiesen sein, wenn die Krystalle den Schmelzpunkt 204—205° C. zeigen.
Gährungsprobe. Diese kann in verschiedener Weise ausgeführt werden, beruhtaber immer auf der Thatsache, dass Dextrose durch Hefe zu Alkohol und Kohlensäurevergohren wird, a) Im Gährkölbchen. Man säuert den Harn mit Weinsäure an, kochtihn auf und lässt wieder erkalten. Dann rührt man etwas zucker- und stärkefreie Press-hefe mit Wasser an und mischt sie dem erkalteten Harn zu. Mit der Mischung füllt manein Gährkölbchen an und stellt dieses an einen warmen Ort (von 20—30° C.). Nacheinigen Stunden, spätestens nach 24 Stunden, muss sich in dem geschlossenen Schenkel desApparates Kohlensäure angesammelt haben, falls Zucker im Harn zugegen ist. Dass dasabgeschiedene Gas Kohlensäure ist, erkennt man wie folgt. Man füllt den kürzeren,offenen Schenkel mit Natronlauge vollständig an, verschliesst das offene Ende mit dem