Druckschrift 
2 (1907)
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732
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Rkeum.

Geruch sehr charakteristisch, Geschmack bitterlich - aromatisch, daneben süss. DieDroge knirscht beim Kauen zwischen den Zähnen.

Bestandtheile. Rhabarber gehört zu den organischen Abführmitteln, die wieFrangula, Aloe, Senna, Rhamnus cathartica und Rhamnus Purshiana (vergl. die ent-sprechenden Artikel) ihre Wirkung einem Gehalt an Oxymethylanthrachinon, einemEmodin der Formel C 15 H J0 O 6 und -verwandten Körpern verdanken. Nach Aweng (1901)sind diese Restandtheile bei Frangula, Cascara sagrada und Rhabarber völlig identischund sind in der Droge in glukosidischer Bindung enthalten. Aweng unterscheidet beidiesen Drogen primäres Glukosid, das bei der Hydrolyse sekundäres und dieses dann erstEmodin liefert.

Für die Werthbestimmung des Rhabarbers und der genannten Rinden giebtAweng folgende Vorschrift: 10 g der grobgepulverten Droge werden mit 10 ccm Salmiak-geist, 90 ccm Wasser und 100 ccm 95proc. Alkohol in verschlossener Flasche unteröfterem Schütteln drei Tage macerirt, dann filtrirt. 150 ccm Filtrat (= 7,5 g Droge)werden, im Wasserbade zum dünnen Extrakt eingedampft, mit Wasser aufgenommen,lieiss mit' Essigsäure schwach angesäuert, zu 150 ccm aufgefüllt mit Wasser und12 Stunden stehen gelassen. Die ausgeschiedenen, sekundären Körper I werdenabfiltrirt und das Filtrat II bei Seite gestellt. Die Körper I werden mit kaltemWasser ausgewaschen, bis dasselbe farblos abläuft, getrocknet, zerrieben und im Soxhletzuerst mit Benzol, dann mit 90proc. Alkohol extrahirt. Der Benzolauszug besteht grossen-theils aus Emodin und Chrysopbansäure, die beide abführend wirken. Der Alkoholauszugwird mit dem doppelten Volum Aether gemischt, wobei ein Spaltungsprodukt der Fran-gulasäure ausfällt (Bd. I, S. 1180), ein anderes Spaltungsprodukt der Frangnlasäure ist vomAlkohol nicht aufgenommen. Die im Aether-Alkohol gelöst bleibenden Körper sind Pseudo-frangulin (Bd. I, S. 1180) und etwas Pseudoemodin, sie wirken ebenfalls abführend. Mankann die Körper I auch nur mit Alkohol im Soxhlet ausziehen und den alkoholischenAuszug ebenso weiter behandeln. Man erhält dann Emodin, Chrysophansäure und dasSpaltungsprodukt der Frangulasäure zusammen. 100 ccm des Filtrats II (= 5 g Droge)werden auf dem Wasserbade auf 15 ccm eingedampft und mit 85 ccm 95proc. Alkoholgemischt, die Frangulasäure fällt aus, sie wird abfiltrirt, auf dem Filter mit Wassergelöst, die Lösung eingedampft und bei 100° getrocknet. Das alkoholische Filtrat ent-hält ein Doppelglukosid, es wird ebenfalls eingedampft und getrocknet gewogen (Bd. I,S. 1180). Wir möchten aber bemerken, dass diese Methode praktische Nachtheile hat, dadas Filtriren, Auswaschen etc. lange Zeit in Anspruch nimmt.

Nach Aweng liefert also der Rhabarber: ein Doppelglukosid, eine Verbindung derFrangulasäure mit dem früher als Pseudofrangulin bezeichneten Körper. Das Glukosidwird in beide Komponenten gespalten beim Erhitzen der alkoholischen Lösung mit Essig-säure. Durch Erhitzen der alkoholischen Lösung des Pseudofrangulins mit Salzsäure er-hält man den als Pseudoömodin bezeichneten Körper. Das Doppelglukosid aus Rhabarberunterscheidet sich von denen der beiden Rinden durch seine Fällbarkeit mit Leimlösung,wonach es nicht unmöglich ist, dass die in der Droge vorhandene Verbindung nochkomplicirter ist, nämlich aus einer Verbindung des Doppelglukosids mit Gerbstoff besteht. Nach Hesse enthält der Rhabarber neben Chrysophansäure C 16 H, 0 O 4 auch Methyl-chrysophansäure C 16 H 12 0 4 und neben Emodin das demselben isomere RhabarbarinC 15 H 10 O 6 . Ob alle diese Körper und die anderen oben genannten im Rhabarber präexistirenoder erst während der Verarbeitung aus dem Doppelglukosid entstehen, ist noch nichtbekannt. Ferner enthält die Droge Gerbstoff: Rheumgerbsäure, der mit verdünntenSäuren in Zucker und Rheumsäure, ein Phlobaphen, sich spaltet.

Der Aschengehalt ist ein ausserordentlich schwankender: 324 Proc., es werdensogar 45,27 Proc. angegeben. Die Asche enthält vorwiegend Calciumkarbonat undKaliumkarbonat, wenig Thonerde und Magnesia. Der Gehalt an Oxalsäure be-trägt 1,04,59 Proc.

Handelssorten. Nach freundlicher direkter Mittheilung der Herren GebrüderBlembel in Hamburg ist über die gegenwärtig im Handel befindlichen Sorten und ihre Be-handlung folgendes zu sagen: Chinesischer Rhabarber kommt aus der Provinz Shensi,was aber so zu verstehen ist, dass er grossentheils nicht in dieser Provinz, die am Mittel-lauf des Hoang-ho liegt, sondern weiter westlich gesammelt wird, aber durch Kaufleutenach Shensi gelangt, wo man ihn reinigt und bearbeitet. Aus der Provinz Shensi wan-dert er südwärts an den Jang-tse-kiang, erreicht in Shanghai das Meer, von wo gegen-wärtig sämmtlicher Rhabarber verschifft wird.