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haltigen Flüssigkeiten schüttelt man mit Aether aus. Nach dem Abheben der ätherischenSchicht lässt man den Aether freiwillig abdunsten und vereinigt den Rückstand mit denvorher abgetrennten Kohlenwasserstoffen, wägt und unterwirft, wenn die Menge grossgenug ist, die Kohlenwasserstoffe der Destillation und zieht das übergehende Wasser vondem notirten Gewicht ab. — Die alkalische Flüssigkeit zerlegt man mit Salzsäure imUeberschuss, löst in der wässerigen Schicht noch 50 g Kochsalz auf und trennt die Kresolonach 12 stündigem Stehen mittels Scheidetrichters ab. Die saure, wässerige Flüssigkeitschüttelt man zwei- bis dreimal mit Aether aus und vereinigt den nach dem Abdunstendes Aethers hinterbleibenden Rückstand mit den vorher abgetrennten Kresolen. NachFeststellung des Gesammtgewichtos unterwirft man die Kresole der Destillation und ziehtdas Gewicht des übergehenden Wassers vom vorher ermittelten Gesammtgewicht ab.
Man erhält nach diesem Verfahren Werthe, welche den wirklichen Roh-Kresolgehaltbis auf 1—2 Proc. genau angeben.
Aufbewahrung. Eine Verwechselung des Rohkresols mit anderen Substanzenist zwar nicht gut möglich, immerhin wird man gut thun, dem Kresol seinen Standortmit einer gewissen Vorsicht anzuweisen, auch Rücksicht darauf zu nehmen, dass Arznei-mittel, welche Gerüche leicht anziehen, nicht gerade in dessen Nähe aufbewahrt werden.Grössere Vorräthe werden in Fässern oder Glasballons vorräthig gehalten.
Anwendung. Das rohe Kresol ist diejenige Substanz, welche bis vor etwa10 Jahren als „rohe Karbolsäure lOOprocentig" in den Preislisten der Drogisten ge-führt wurde.
Wie durch Koch, Laplace und C. Frankel festgestellt wurde, sind die Kresoleausserordentlich wirksame Desinfektionsmittel, welche nicht blos weniger giftig sind alsdie Karbolsäure, sondern diese an Wirksamkeit noch übertreffen. Die Technik war dieserErkenntniss instinktiv vorausgeeilt, indem sie das Kresol, welches zu sehr niedrigen Preisenabgegeben werden kann, zu einer Reihe von Desinfektionsmitteln verarbeitete, über welchesich weiter unten nähere Angaben finden.
lieber den Wirkungswerth der rohen Kresole lässt sich nur so viel sagen, dass siedenjenigen der reinen Karbolsäure mindestens erreichen. Die 1—Sprocentige Lösung tödtetbinnen kurzer Zeit die vegetativen Formen aller Mikroorganismen. Genauere Angabenlassen sich schwer machen, da die von den Bakteriologen publicirten Ergebnisse nichthinreichend erkennen lassen, mit welchen Präparaten sie arbeiteten, und welchen Kresol-gehalt ihre Lösungen hatten.
Rolie Karbolsäure. Acidum carbolicum cruduni. Crude carbolic acid (U-St.).Zu Mitte der sechziger Jahro verstand man unter roher Karbolsäure ein Destillationspro-dukt des Steinkohlentheers, welches neben Kohlenwasserstoffen die Gcsammtmenge der imTheeröle vorkommenden Phenole enthielt, im übrigen von stark wechselnder Zusammen-setzung war. Später lernte man die Kohlenwasserstoffe abscheiden. Der Name rohe Kar-bolsäure blieb einem Rohprodukt, welches ziemlich frei war von Kohlenwasserstoffen und alsein Gemisch lediglich der Phenole aufzufassen war: Karbolsäure, Kresole, Xylenole u. a.Durch Verbesserung der Fabrikationsmethoden (Kolonnen-Destillirapparate) wurde es mög-lich, aus diesem Gemisch den werthvollsten Antheil, d. h. die Karbolsäure C e H 0 O so gutwie quantitativ abzuscheiden. Es hinterblieb ein im wesentlichen aus Kresolen undXylenolen bestehendes Phenolgemisch, welches lange Zeit als „Rohe KarbolsäurelOOprocentig" im Handel bezeichnet wurde, obgleich es bekannt war, dass in diesemProdukte Karbolsäure nicht mehr enthalten ist. Diese sogenannte lOOprocentige roheKarbolsäure ist von Germ. III. Nachtrag unter dem richtigen Namen Rohkresol aufge-nommen worden. Im Handel werden heute die Namen „Rohe Karbolsäure 100proc." und„Rohkresol" für die nämliche Substanz angewendet.
Ausserdem unterscheidet man im Handel noch 30-, 45-, 50-, 60-, 80procentige roheKarbolsäure, d. h. Rohprodukte, welche neben einem entsprechenden Betrage von neutralenTheerölen (Kohlenwasserstoffen) noch die angegebenen Procentgehalte an Kresolen undXylenolen enthalten. Die Feststellung dieser Procentgehalte erfolgt nach den oben ange-gebenen Methoden.