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2 (1907)
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241
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Kresolum.

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ist gegen Lackmus nur selten neutral, in der Regel reagirt sie schwach sauer. In Alko-hol sowie in Aether ist das Kresol leicht und klar löslich, weil diese Lösungsmittel auchdie vorhandenen Kohlenwasserstoffe in Lösung tiberführen. Das specifische Gewicht wech-selt, da es sich ja keineswegs um ein Produkt von stets gleicher Zusammensetzung han-delt; in der Regel ist es bei 15° C. etwa = 1,055. Ebensowenig zeigt das Rohkresoleinen bestimmten Siedepunkt, vielmehr gehen die Handelspräparate zwischen 180 und200° C. über.

In seinen chemischen Eigenschaften zeigt das Kresol grosse Aehnlichkeit mit derKarbolsäure. Zunächst wird die wässerige Lösung durch Eisenchlorid ebenfalls blauviolettgefärbt, ferner entsteht auch durch Bromwasser eine Fällung von Tribromkresol. Es löstsich weiter in Natronlauge auf zu dem in Wasser löslichen Kresolnatrium, C,H,ONa.Dieses Salz hat die Eigenschaft, einen Ueberschuss von Kresol in wässeriger Lösung zuerhalten (Solutol).

Das Kresol ist zwar nicht leicht entzündlich; wird es jedoch an der Luft erhitzt,bo entzündet es sich und verbrennt alsdann mit leuchtender, stark russender Flamme. Bringtman unverdünntes Kresol auf die Haut, so ätzt es diese, aber nicht ganz so stark, wieunverdünnte Karbolsäure. Es empfiehlt sich, in solchem Falle das Kresol mit Fliess-papier abzuwischen und die betroffenen Stellen alsdann noch mit Weingeist abzu-waschen.

Bei der Oxydation giebt das Rohkresol ein Gemenge o-Oxybenzoesäure (Salicylsäure),m-Oxybenzoesäure und p-Oxybenzoesäure.

Prüfung. Das Rohkresol habe bei 15° C. etwa das spec. Gewicht von 1,055.Es sei annähernd neutral, beim Erhitzen verbrenne es und hinterlasse nur Spuren unverbrenn-licher Bestandtheile.

Wertlibestimmung. 1) Man unterwerfe 100 ccm des Rohkresols der fraktionirtenDestillation. Man soll nur 12 Proc. Wasser erhalten. Ein Gehalt von 810 Proc.Wasser, wie er bisweilen vorkommt, ist schon nicht mehr als zufällig anzusehen. Bis180° O. steigt das Thermometer sehr rasch, wobei nur etwa 35 ccm überzugehen pflegen.Die Hauptmenge, etwa 90 Proc. des Rohkresols, destillirt von 180230° C., ohne dassdas Thermometer an irgend einer Stelle längere Zeit konstant bliebe. Diese Destillationist niemals zu unterlassen, wenn man sich über den Werth eines Kresols unterrichten will.Sie giebt dem Untersucher sofort ein Bild von dem, was er unter den Händen hat. Manachte auch darauf, ob im Kühlrohr erhebliche Mengen des Destillates erstarren.

2) Man bringt in einen graduirten Messcylinder mit Glasstopfen 10 ccm Rohkresol,50 ccm Natronlauge, sowie 50 ccm Wasser und schüttelt gut durch. Die Flüssigkeit wirdinfolge der stattfindenden chemischen Reaktion eine wahrnehmbare Selbsterwärmungzeigen und in den meisten Fällen klar sein. Man lässt die Mischung nun ca. 12 Stundenstehen, um etwa abgeschiedenen Kohlenwasserstoffen Zeit zu geben, sich ordentlich abzu-scheiden. Wenn es erforderlich ist, so trennt man die alkalische Kresollösung mit Hilfeeines Scheidetrichters von den Kohlenwasserstoffen. Zu der alkalischen Flüssigkeit fügtman vorsichtig und unter Bewegen des betr. Gefässes 30 ccm Salzsäure von 1,123 spec.Gew. und 10 g Natriumchlorid, schüttelt zum Schluss kräftig um (Vorsicht, damit derStopfen nicht herausgeschleudert wird) und stellt nun den Messcylinder unter Lüftung desStopfens in ein Gefäss mit Wasser von Zimmertemperatur. Nachdem sich in der Ruhedie Kresolschicht von der wässerigen Flüssigkeit völlig getrennt hat, stellt man die Mengeder abgeschiedenen Kresole fest. Dieselbe soll 8,5 bis 9 ccm betragen. Damit ist dieForderung gestellt, dass das Rohkresol etwa 90 Proc. Kresole enthalten soll. 1 )

Schüttelt man von den abgeschiedenen Kresolen 0,5 ccm mit 300 ccm Wasser undfügt dann 0,5 ccm Eisenchloridlösung hinzu, so nimmt die Flüssigkeit, wie unter Eigen-schaften beschrieben ist, blauviolette Färbung an.

Handelt es sich um die einwandfreie Beurtheilung grösserer Posten, z. B. um Liefe-rungen für Eisenhahnbehörden, so wird man etwas gründlicher vorzugehen haben.

Man wägt (!) 100 g Rohkresol ab, schüttelt sie mit 500 ccm Natronlauge (von15 Proc.), nach dem Absetzen nochmals mit 250 ccm Natronlauge durch. Die natron-

*) Die U-St. schreibt vor: Werden 50 ccm der rohen Karbolsäure mit 950 ccmWasser geschüttelt, so sollen nur 5 ccm (= 10 Vol. Proc.) ungelöst bleiben. Diese Forde-rung ist heute, wo eben Kresole an die Stelle der rohen Karbolsäure getreten sind, un-erfüllbar.

Hantlb. d. pharm. Praxis. II.