Jaborandi. 101
Palissadenschichten, erste bis 71 fi hoch, zweite bis 42 fi. Dicke des ganzen Blattesbis 262 p.
Die ganzen Blätter oder die einzelnen Fiederblättchen, oft mit Stücken dünnerZweige oder mit Früchten vermengt, liefern
Folia Jaborandi (Germ.). Folinm Jaborandi (Helv.). Jaborandi Folia (Brit.).Pilocarpin (U-St.). Jaborandi (Gall.). Folia Pilocarpi. — Jaborandibliitter. Yabo-randi oder Jaguarandiblätter. — Feuille de jaborandi. — Jaborandi Leavcs.
Von den Arzneibüchern schreiben vor Germ.: Pilocarpus pennatifolius, Helv.u. Brit.: P. Jaborandi, Gall.: P. pinnatifolius (sie!) und P. Selloanus Engler (beide sindnach Geiger identisch), U-St.: P. Selloanus und P. Jaborandi.
JBestandtheile. Alkaloide: Pilocarpin CnHjgNjO», Pilocarpidin C 10 H 14 N 2 O. 2 ,Jaborin C 22 H 32 N 4 0 4 . Alle drei Alkaloide gelten als Träger der Wirksamkeit, doch soll dieHauptwirkung dem Pilocarpin zukommen. Ob alle 5 Arten dieselben Alkaloide enthalten,oder ob, wie das z. B. für traehylophus und spicatus scheint, noch andere Alkaloide vor-kommen, ist noch wenig festgestellt.
Ebenso sind die bisher vorgenommenen Bestimmungen des Gehaltes an Gesammt-alkaloiden wenig befriedigend, da sicher eine Anzahl derselben nicht mit reinem Material,sondern mit Gemengen mehrerer Arten angestellt sind. Es werden für die einzelnenSpecies angegeben für: P. Jaborandi 0,5—0,8 Proc. Alkaloidnitrate. P. pennatifolius 0,18—0,38 Proc. Alkaloidnitrate, P. microphyllus 0,16—0,8 Proc. Nitrate, P. spicatus 0,16Proc. Nitrate, P. traehylophus 0,4 Proc. Nitrate. Der Alkaloidgehalt der Stiele ist nuretwa */, so hoch wie der der Blätter. — Ferner enthält die Droge 0,2—1,1 Proc. äthe-risches Oel vom Geruch nach Raute. Dasselbe hat das spec. Gew. 0,865 — 0,895und dreht -f- 3° 25'. Es enthält einen Kohlenwasserstoff Pilocarpen, der vielleicht un-reines Dipenten ist und wahrscheinlich einen Kohlenwasserstoff der olefinischen Reihe.
Verfälschung. In den letzten Jahren sind in den Jaborandiblättern häufig dieBlätter der Swartzia deeipiens Holmes vorgekommen. Die Blätter sind unpaariggefiedert bis sechsjochig. Die Blättchen sind schmal elliptisch bis breit oval, bis 4,0 : 2,0 cmgross. Sie haben eino doppelte Palissadenschicht und grosse Sekreträume im Mesophyllmit in den Hohlraum hineinragenden Aussackungen der Epithelzellen. Auf der Epidermismehrzellige Haare mit langer Endzelle.
Aufbewahrung. In gut schliessenden Blech- oder Glasgefässen.
Wirkung und Anwendung. Innerlich im Aufguss, seltener als Abkochung zu2,0 bis 6,0:150,0—200,0 auf einmal als schweisstreibendes Mittel; Helv. giebt 6,0 gals höchste Tagesgabe im Aufguss an. (Meist giebt man dem Pilocarpin den Vorzug.)Aeusserlich in Form von Kopfwaschwässern zur Beförderung des Haarwuchses, doch isthier die Wirkung zweifelhaft; vergl. auch unter Pilocarpin.
Nach Untersuchungen von Beissemoret ist jede längere Einwirkung von Wärmeden Jaborandiblättern schädlich, da sich hierbei das Pilocarpin spaltet. Hiernach wärenAufgüsse zu vermeiden und nur die auf kaltem Wege genommenen Zubereitungen zweck-dienlich. — Jaborandiblätter sind dem freien Verkehr entzogen.
Extractum Jaborandi alcoole parat um (Gall.). Extrait de Jaborandi (al-coolique). Aus mittelfein gepulverten Jaborandiblättern wie Extrait de digitale al-coolique Gall. (Bd. I, S. 1041, 2).
Extractum Jaborandi liquidum (Brit.). Extr. Pilocarpi fluidum (U-St.). J n-borandi-Fluidextrakt. Liquid Extract of Jaborandi. Fluid Extract of Pi-locarpus. Brit.: Aus 1000 g gepulverten Jaborandiblättern (No. 20) und q. s. 45vol.-proc.Weingeist im Verdrängungswege. Man befeuchtet mit 500 ccm, fängt die ersten 850 ccmfür sich auf, sammelt noch 2500 ccm Perkolat und stellt 1. a. 1000 ccm Fluidextrakt dar.—- U-St.: Aus Pulver No. 40 und 41proc. Weingeist unter Befeuchten mit 350 ccmebenso. Innerlich zu 0,3—0,9 ccm.
Sirupus Jaborandi. Jaborandisirup. Sirop de jaborandi. Gall.: WieSirop de camomille Gall. (Bd. I, S. 716). — E. Dieterich: 100,0 geschnittene Jaborandi-blätter zieht man 4 Stunden mit 450 ,0 Wasser und 20,0 Weingeist bei höchstens 35° C.