Druckschrift 
1 (1874) Die Perioden der Geschichte der Pharmacie
Entstehung
Seite
84
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

84

die Homöopathie als einen der Phlogistontheorie ähnlichen Irr-thum an, der Laie, der oft fanatisch für die Homöopathieschwärmt, legt einen andern Maassstab bei Beurtheilung derselbenan, wie den bessern Geschmack der Arzneien, ihre Billigkeit undspielt das Wunderbare der Wirkung in so höchst kleinen Mengeneine Hauptrolle.

Sucht nur die Menschen zu verwirren, Sie zu befriedigen istschwer. In bunten Bildern wenig Klarheit, Viel Irrthum und einFünkchen Wahrheit, So wird der beste Trank gebraut.

Göthes Faust.

Es ist nicht zu läugnen, dass die Homöopathie auch einen gutenEinfluss auf die Mcdicin ausgeübt hat; die allopathischen Aerztesahen sich genöthigt, die Wirkungen der reinen Arzneimittel nachdem Vorgange der Homöopathen gründlich zu prüfen und wurdennach dem Ergebniss dieser Prüfung die Verordnungen einfacher,sie verliessen also den Weg der altern Aerzte, der sogenanntenPractiker, wozu jedoch nur zum Theil die Homöopathie, andern-theils die neue physiologisch-chemische Schule und der Fortschritt,den die Pathologie machte, beitrugen.

Neben der Homöopathie waren es noch die Natur- und Wasser-heilanstalten, der häufigere Gebrauch von Gesundbrunnen durcherleichterten Verkehr per Eisenbahn, die Errichtung von Anstaltenzur Bereitung künstlicher Mineralwasser, die den Heilmittelapparatvermehrten, aber auch zugleich den Gebrauch von Arzneien ver-minderten.

Das waren nun im Zeitgeiste liegende Verhältnisse, welchelähmend auf den Erwerb des Apothekers einwirkten, gegen diegerechter Weise nicht gekämpft werden konnte, mit alleiniger Aus-nahme des Kampfes gegen das Geheim-und Patentmittelwesen. Einenkleinen Ersatz fanden intelligente Apotheker in der Anlegung vonAnstalten zur Herstellung künstlicher Mineralwasser, aber auchdiesen Zweig sucht die Technik dem Apotheker durch Anlegunggrösserer pjtablissements zu entreissen.

In diese Zeit fiel ferner das Verlangen der Regierungen1) grössere Kenntnisse von dem in die Apotheke tretenden Lehr-linge zu verlangen;

2) von dem 3 Jahre conditionirt habenden Geholfen obliga-torisch den wenigstens l'/2jährigen Besuch einer Universität zuverlangen; so wichtig auch solche Forderungen für die Hebungdes pharm. Standes waren, so brachten sie auf der andern Seiteauch Schaden; so wurde es z. B. schwieriger, Lehrlinge für dieApotheke zu bekommen, wodurch wieder Gehülfenmangel eintretenmusste, der noch dadurch vermehrt wurde, dass die befähigtemund fleissigern zum Studium der Medicin oder der chemischenTechnik übertraten und dass die bei der Pharmacie bleibendenGehülfen, oder doch ein grosser Theil derselben das wissenschaft-liche Studium in der Conditionszeit meist vernachlässigten, solchesauf die Universitätszeit verschiebend, wo denn wiederum allesStudium nur auf das zum Examen nothdürftigste beschränkt und