Druckschrift 
1 (1874) Die Perioden der Geschichte der Pharmacie
Entstehung
Seite
62
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

HMMHMi

62

11. Periode.Die Neugestaltung der organischen Chemie durch Liebig.

Diese, für die Entwickelung der organ. Chemie sehr bedeut-same Periode beginnt mit Liebigs Thätigkeit in Giessen und nah-men an ihr hauptsächlich Dumas und Wöhler Theil.

Zur richtigen Auffassung der Arbeiten dieser 3 Chemikermüssen wir kurz erwähnen, wie Berzelius die Constitution organi-scher Körper ansah.

Nach dieser (dualistischen Ansicht) von Berzelius bestandenalle zusammengesetzten Körper:

1) Aus 2 Elementen, einem electropositiven und einem elec-

H u. 0

tronegativen, z. B.

bindungen erster Ordnung genannt.

K

+

0 Zn

+

Cl

und wurden Ver-

2) Aus 2 Verbindungen 1. Ordnung, darin eine wieder elec-

Fe 2 0 3

tropositiv, die andere electronegativ ist, z.

3S0 3

3H0 _ PO

+

B. K_°u. S 03,

5 , diese wurden Verbindungen 2. Ordnung

genannt.

3) Existiren noch Verbindungen 3. Ordnung, in denen 2 odermehr Verbindungen 2. Ordnung enthalten sind, z. B. (KO, SO3)mit AI2O3, 3S0 3 ) + 24HO.

Diese Eintheilungsweise stützte sich also auf die electrochemi-sche Theorie und suchte Berzelius dieselbe auch auf die Consti-tution organischer Körper zu übertragen, da nun aber Kohlen-und Wasserstoff die Hauptbestandtheile aller organischen Stoffe sich nicht so polar-electrisch gegenüberstehen wie Kaliumund Sauerstoff und die organischen Körper meist aus CH, N und0, trotz ihrer grossen Mannigfaltigkeit bestehen, so nahm er or-ganische Radicale an, wolche mit 0, Cl oder anderen Elementensich zu verbinden fähig seien, diese Radicale, meist Kohlenwasser-stoffe oder Kohlenstickstoffe, verhalten sich gegen Elemente wieElemente, z. B. G1H5 (Aethyl) verbindet sich mit 0 zu Aetheroder Aethyloxyd, C4H5 -f- 0, C2N (Cyan) verbindet sich wie dieHalogene mit Elementen, z. B. H -|- C2N (Cyanwasserstoff) K, C 2 N(Cyankalium).

Aus diesem Grunde wurde die organische Chemie auch dieChemie organischer Radicale genannt.

Die Annahme der Radicale gestattete eine der organischenChemie sehr ähnliche Betrachtungsweise für die organischen Kör-per, die trotz ihrer Mannigfaltigkeit leicht zu übersehen warenund die Classification erleichterten.

Die organischen Radicale verhalten sich also ganz ebensowie Elemente zu Elementen der unorganischen Chemie, z. B. AethylC4H5 -f 0, Aethyloxyd = Kalium K + O = Kali (C = 6, H = 1,