Vo rrede.
Obgleich sich für die Bearbeitung verschiedener Zweige derPharmacie viele practisch thätige Apotheker fanden und nochfinden, so wurde der Geschichte der Pharmacie jedoch geringeTheil-nahme geschenkt. In den Lehrbüchern der Pharmacie von Tromms-dorff, Geiger, Göbel, Marquart, Silier, auch in meinem Lehrbucheder pharmaceutischen Chemie (1870) ist die Geschichte der Pharma-cie nur dürftig behandelt, ausführlicher finden wir sie in BuchnersInbegriff der Pharmacie. Ueber die letzten 40 Jahre findet sichin den altern Ausgaben genannter Werke sehr wenig. PliillippsGeschichte der Apotheker (der Verfasser ist Arzt), übersetzt vonH. Ludwig, schildert mehr die Verhältnisse der Apotheker Frank-reichs, als die anderer Staaten, und obgleich dieses "Werk viel desInteressanten (namentlich aus früheren Jahrhunderten) bietet, soenthält es dazwischen auch viel Lächerliches, ich möchte sagen— Unwürdiges, so dass dadurch sowol der Arzt, wie der Laieabgeschreckt werden, oder sich nur für das, die Apothekerlächerlich machende, interessirte, daher auch kein richtiges Ur-theil über den pharmaceutischen Stand durch Studiren des Bucheszu erlangen ihnen gelingen wird.
Bei der Bearbeitung des vorstehenden Grundrisses hat sichder Verfasser die Aufgabe gestellt — nicht eine vollständige Ge-schichte der Pharmacie als Wissenschaft, sowie der socialen Ver-hältnisse derselben — sondern nur die Hauptperioden der Phar-macie dem Leser vorzuführen.
Durch die Aufzählung der Hauptperioden der einzelnenZweige der Naturwissenschaft sollte dem Anfänger Gelegenheitgegeben werden zu erkennen, wie sich die Naturwissenschaft nachund nach aufbaute, aber auch, wie gerade die Pharmaceuten unterdie neissigsten Baumeister derselben zu zählen sind. Dass dieeinzelnen Zweige der Naturwissenschaft je nach ihrem Einflüsse aufdie Entwickelung der Pharmacie mehr oder weniger ausführlich be-handelt werden mussten, z. B. die Chemie und Botanik ausführ-licher als Physik, Zoologie und Mineralogie, liegt auf der Hand.
Zu keiner Zeit ist eine richtige Würdigung der Pharmacienöthiger geworden, als heut zu Tage, wo Leute, die keine Ideevom Wesen derselben haben, den Stand des Apothekers zu ver-