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1 (1874) Die Perioden der Geschichte der Pharmacie
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Medicinern und Pharmaceuten bearbeitete Pharmacopoe unterschiedsich wesentlich von einer nur durch Aerzte bearbeiteten. Ver-gleichen wir z. B. die Ph. Bor., an welcher Klaproth mitarbeitete, mitder Ph. Rossica von 1798, die von Aerzten zusammengestelltwurde, so ist der Unterschied in die Augen springend. Späterverfiel man in ein anderes Extrem, man übertrug die Bearbeitungder Pharm. Bor. z. B. einer Commission von Chemikern, Botani-kern und Aerzten, so wurden wirksame Arzneimittel in unwirksame,freilich chemisch reine Ppte., verwandelt (Ausspruch Hermbstädts).Als die vorzüglichsten Pharmacopoeen müssen immer die von Phar-maceuten bearbeiteten angesehen werden. Beispiele sind: die Pharm.Badensis, bearbeitet von Geiger und Mohr, Codex medic. Ham-burgensis, bearbeitet von Oberndörffer u. A., Pharm. Germaniae,von mehreren Apothekern Norddeutschlands bearbeitet und dieneueste Pharmacopoe Russlands, von Professor Trapp und Apo-theker Hülsen bearbeitet.

2) Musste man grössere wissenschaftliche Ansprüche bei demExamen an die Pharmaceuten machen und da die Universitäten,namentlich was die practische Chemie anbetraf, noch sehr viel zuwünschen übrig Hessen, die Regierungen aber für die Pharmaceutenso gut wie nichts thaten, so dachte man an die Gründung pharm.Schulen. 1795 gründete Trommsdorff sein berühmtes pharm.Institut in Erfurt, aus welchem bis zu seiner Schliessung 1828viele tüchtige Pharmaceuten hervorgingen; ferner gründeten Gött-ling in Jena, Schrader in Berlin, später Göbel in Jena das unterWackem-oder zu grosser Blüthe gelangte pharm. Institut. In Halleentstand das Schweigger-Seidelsche, in Bonn das Marquartsche, inWiesbaden das Fresenius'sche Institut und noch andere ähnliche,die für die Ausbildung der jungen Pharmaceuten höchst nutzbrin-gend waren. Auch in Frankreich wurden pharm. Schulen, abervon der Regierung, errichtet*).

Aus diesen Schulen gingen nun Männer mit grösserer wissen-schaftlicher Bildung hervor, denen der alte Zopf und das hand-werksmässige Treiben ein Gräuel waren, die deshalb alle Kräftedaran setzten, auch das gewerbliche Wesen der Pharmacie umzu-gestalten.

Sah es bis zum Anfange dieses Jahrhunderts namentlich umdie Lehrlinge der Pharmacie gar traurig aus, so änderte sich dasnun ebenfalls; die Lehrlinge waren bis dahin keine Eleven (phar-maceutische Schüler), man nannte sie Jungen und die Gehülfen Ge-sellen, eine Zeit lang hiessen letztere Subjecte; erstere hattenmehr Schimpfworte als Ermahnungen und Belehrung vom Principaleund den Gesellen zu hören, ja sogar Ohrfeigen waren Hülfsmittelzur Erziehung. Beim Essen war es gegen den Respect, wenn derLehrling sass, er musste stehend also seine Mahlzeit einnehmenund dennoch, es ist kaum zu fassen! gingen aus solcher Schule

*) Eines der ersten pharmaceutisclicn Institute in Deutschland war dasWieglebsche in Langensalza.