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zur Prellerei des Publicums geben mussten und selbst der reellereArzt die Gelegenheit lockend fand, Geld zumachen, liegt nahe*).
In dieser Zeit war die Zunge fast der einzige Prüfsteinbei Anschaffung und Verfertigung von Medicamenten. Der grössteTheil der Arzneimittel bestand aus Rohmaterialien aller 3 Na-turreiche und Mengungen dieser — den sogenannten GalenischenMitteln — wie gemischten Pulvern, Latwergen, Pflastern undSalben.
Neu angekommene Waaren und die Zusammenmengung deseben so berühmten wie beliebten Theriaks wurden vom Medicinal-collegium besichtigt, respective beaufsichtigt, wobei der Apothe-ker die Herren dieses Collegiums mit Speise und Trank regalirenmusste. An Stelle des Medicinalcollegiums kam in kleinerenStädten wol auch der Hochwolweise liath mit einem Arzte derStadt als Kenner der Güte von Arzneimitteln, da diese Herrenaber wenig von der Güte der Arzneimittel verstanden, so wurdedas Essen und Trinken, „worin die Herren besser Bescheid wussten",die Conditio sine qua non, leider hat sich dieser Modus — dieBeaufsichtigung der Apotheken durch Aerzte — noch in vielenStaaten erhalten, fällt auch das Essen weg, so steht es doch umdie Apotheken-Revision der meisten Aerzte misslich, da ihnen diePraxis bei der Prüfung abgeht, wodurch oft Verlangen gestelltwerden, die zu den Unmöglichkeiten gehören, während das, woraufes hauptsächlich ankömmt, ihnen entgeht.
Im 13., 14. und 15. Jahrhundert sehen wir erst die Arznei-kunst und in ihrem Gefolge alle Zweige der Naturwissenschaftsich von Italien und Spanien aus über die nördlichen LänderEuropas verbreiten, doch flüchten sie sich meist noch in denHeerd der Wissenschaften jener Zeit, in die Stille der Klöster.
Nicht unerwähnt darf es bleiben, dass 1333 in Venedig einbotanischer Garten, der meist medicinisch - wichtige Pflanzenenthielt, bestand.
Die Erfinduug der Buchdruckerkunst durch Johannes Guten-berg (Gänsefleisch) im Anfange des 15. Jahrhunderts machte dieWissenschaft zum Gemeingute Aller, die zu lesen und zu denkenverstanden, bis dahin fanden sich die Schriften (Pergamente)meist nur in den Klöstern und kamen nur ausei-wählten Jüngern,den Mönchen, zu Gute; durch den Druck der Bücher wurden sieEigenthum der Weltkinder.
Wie die Erfindung des Schiesspulvers, die man einem Fran-ciskanermönche, Berthold Schwartz zuschreibt, die jedoch eigent-lich von Boger Baco stammt, in der Kriegsführung eine Umwäl-zung hervorbrachte, ebenso musste die Buchdruckerkunst vonunberechenbaren Folgen sein. Die erste Erfindung betrachtete man
*) Einige wenig beschäftigte Aerzte der Neuzeit finden solche Ein-richtung höchst lockend und möchten gern einen Rückschritt zu diesemfür sie lukrativen Verhältnisse des 15. Jahrhunderts machen. Zu welchemBetrüge schon das Selbstdispensiren der Homöopathen führte, darüber habenuns einige med. und pharm. Journale aufgeklärt.