Druckschrift 
Fragmente über Recensenten-Unfug : eine Beylage zu der Jenaer Literaturzeitung
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

nen; odör ans dag-Her», durch Schilderung edler Züge,rührender S-tuationen, häuslichen Glücks, unterdrückterRechtschaffenheit u. s. w. Eine vierte Art der Würknngkenne ick' nicht. Wenn ich also höre: der Enthusiasmusdes Publikums ist für dieses oder jenes Stück entbrannt! sofrage ich sogleich: zu welcher Gattung zahlt man dasStück? Wird mir hierauf zur Antwort: es heißt Kla-ra von Hohcneichen, oder Walltron, oder die Zauberflöte;so schlage ich mich auf die Seite der Necensemen, undtraue dem Unheil des Publikums nicht auf Ein Haar, dennseine Sinnlichkeit ist bloS gefesselt und bestochen worden.Hier tritt also der Fall ein, wo man mit Huber auf diebessern Zeiten hoffen darf, und selten lange vergebenshofft.

Erfahre ich hingegen: das Stück wird gespielt ohneSang und Klang; cs kommen weder Ritter noch Geisterdarin vor; so schließe ich daraus, und nie mit Unrecht,es müsse auf den Verstand, mehr aber noch ans das-Her? würken, (Denn den blos verständigen oder geist.reichen Stucken geht cs wie Göthes Iphigenie, Hubersheimlichen Gericht u. s. w., man erkennt ihren Werth,aber man sieht sie nicht oft, weil die Genüsse der Ver-nunft weniger reizend sind, als die des Gefühls, undweil Bewunderung immer kalt bleibt)

In solchen Fallen also ist mir der Enthusiasmus desPublikums ehrwürdig, und der Gegenstand desselben mußinnern Werth haben; denn cs wird wohl Niemand sokühn skyn, zu behaupten, daß man auf Verstand und

H-rj