Fragmente über N e e e ir s e n t e n - Un fug. Eine Beylage zu der Jenaer LiteraturzeLtung, A. von Koßebue. Lemxsr eZo aucütor tznwm? nun^usm reponsm? luvens!. Leipzig, bey Paul Gotthelf Kummer. 1797. Inhalt. Erstes Fragment. Manifest, die Kriegserklärung enthaltend. S- i Zwcytes Fragment- Feycrliche Bewahrung. » Drittes Fragment. Einige Proben non Albernheiten in der Heimischen Litcraturzcitung. 4 Viertes Fragment. Ueber die Kritteleven der Recen- scntcn, meine Schauspiele betreffend- sz Fünftes Fragment. Ueber die Geringschätzung, welche die Rcccnscntcn für den Bcyfall des Publikums affcktircn. 4, Sechstes Fragment. Widersprüche der Literatur- zcilung. 57 Siebentes Fragment. Noch ein Wörtgen über Herrn Huber- L, Achtes Fragment. Mein Glaubenskckcnntniß, das Rccensiren im Fache der schönen Wissenschaften über» Haupt betreffend- 76 Neuntes Fragment. Ueber die Entstehungöart der gelehrten Zeitungen. H Zehntes Fragment. Das Bild eines wackern Reecn- senken, wie er seyli sollte, nach Marmontel entworfen- rs EilfteS S- §4 Inhalt. Eilftcs Fragment. Ucber das Unheil, welches eine Reccnsion stiften kann. Zwölftes Fragment. Uebcr Anonymität der Reccn« senken. Drcyzehntes Fragment. Ob cs gut sey, daß der Necensent eines Schauspiels selbst in diesem Fache Versuche gemacht habe? Vierzehntes Fragment. Warum! die Ncccnscnten vor einigen Jahren anders über mich urthcilten? Fünfzehntes Fragment- In welcher Achtung stehen und standen von scher die Reccnscnten bei) den aufgckickr- tcstcn Köpfen der civilisirtesten Nationen? Sechzehntes Fragment- Uebcr die bis zum Ekel wiedcrgekckulc Klage: daß die Deutschen kein National- theatcr, keinen Nativnalgcschmack haben, und haben können- Siebcnzehntcs Fragment. Uebcr das Glück gestorben zu seyn. Achtzehntes Fragment- Line Parallele. Neunzehntes Fragment. Ein Vorschlag zur Güte. Zwanzigstes Fragment. Was wird die Litcraturzei, tung zu Vieser Schrift sagen? Ein und zwanzigstes Fragment. Eine Anekdote. io6 IOY nr »4 r-9 141 '44 146 -47 -4S Frag- Fragmente über Recensente nunfug. Erstes Fragment. Manifest, enthaltend die Kriegserklärung. ^ h, Rotze bue, durch die Gnade der Muse», Schau« spieloichter der Deurschen, tdue hicmit kund und zuw:ssen, allen Lesern mit oder ebne Brille, daß: Da ich von den Unterthancn des Alten vom Berge, die sich vormals Aspsmen nannten, und heut zu Tage Recensenten heißen, seit mehreren Jahren manchcrley Eindrang erlitten; Da sie meine Kinder überfallen und mit Koch kcwor- fen, weil sie keinen Geleitöbrief vom Alken vom Berge erkauft hatten; Da sie die Bosheit so weit getrieben, ihnen sogar verdächtige Dinge in die Taschen zu pracricircn, um sie hernach für gefährliche Leute auszuschrepen; Da sie auf dem Klippenvollcn Meere der dramatischen Dichtkunst nicht einmal die Deyfallsstagge rcspecttrt haben, mit welcher ibr und mein Lehnsherr, das Publicum mich beschenk! hatte; A Da 3 Da sie versarvt an den Landstraßen lauern, und mit vergifteten Waffen, mich hinterrücks überfallen, so oft ich ruhig vorüber wandle; Da sie täglich ihre Troßbuben in meine Anspruch- losen Garten senden, um Pflanzungen zu zertreten, die sie höchstens nur vom Unkraut sauber» sollten; Da sie Allianzen mir dem Neide und der Unverschämtheit gegen mich geschlossen haben; so fthe ich mich endlich genöthigt, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, und habe daher allen meinen getreuen Unter- thanen Befehl gegeben, sich zu rüsten. Die Wahrheit soll, unter dem Commando der Vernunft, den Feind en Iftonke angreifen, das empörte Gefü'ol unter dem Commando der Raliblütigkeit, ihnen in die Flanke fallen; die gute Laune ist als Freycorps errichtet, und dem Witz habe ich Kapcrbriefe ertheilt. Ich bin nicht gesonnen, Eroberungen zu machen, sondern gedenke blos, einen übermü- thigen Feind — so sehr er mir auch an Zahl und allerlcy säubern Hülfsmittelcheu überlegen ist — zu einem gerechten und Ehrenvollen Frieden zu zwingen. Gegeben zu Friedenkhal, den isten July 1796. Zweytes Fragment. F ey erl i ch e Bewahrung. C he ich diesen gerechten Vertheidigungskrieg beginne, muß ich, um jedem Mißverstände vorzubeugen — (Ach! und 3 und wie gern würden gewisse Leute solckie Mißverständnisse befördern) — bestimmt erklären, gegen welche Hohnsprecher meine Hirtenschleuder eigentlich gerichtet ist. — Cs sey ferne von mir, die Rri'tik in wissenschaftlichen Fächern herabfetzcnzu wollen. Ich habe Bayle, Lessing und ihres gleichen auch gelesen; ich weiß, was die Aufklärung solchen Männern verdankt; sie bereichern in der That das Gebiet der Literatur; ihre Aufsätze enthalten einen Austausch der Kenntnisse, Berichtigung, Vermehrung oder Verbessrung des rccensirtcn Werkes; sie legen uns die Resultate ihrer Belesenheit» die Früchte ihrer Studien dar; sie beleuchten hier eine Wahrheit und enthüllen dort einen Irrthum, und wenn sie Alles das ohne Anmaßung thun, wer könnte Hochachtung und lauten Bcyfall ihnen versagen? — Doch wie ungleich diesen sind die Aütagskritika- ster im Fache Ser schönen Wissenschaften. Zwar giebt cs auch hier einige seltene Ausnahmen; aber sic gleichen den Virtuosen, die gezwungen werden, in einem Orchester von Biersiblern mit zu spielen, und deren Dascyn nur dann und wann ein Solo von einigen Tacken verrach. Euch also treffe meine Geisel, ihr After-Recensen» ten , die ihr so selten »erhellet, und so gerne verurtheilt; so oft in dem Werke nur die verhaßte Person des Autors tadelt; selbst das Gute, was ihr nicht ableugnen könnt, geflissentlich verkleinert; hämische Seitenblicke auf den Lkaeakter des Verfassers werfe; Gift aus seinen unschul- digsten Worten saugt; immer über verlezte Moralität schreyl, die doch blos der Schild ist, hinter dem sich euer ZMd vertnechc; euch Alle, die ihr euren einseitigen Ge- A s schmack -r t 2 4 schmack dem Publicum als Richtschnur aufdringen wollt; keck absprecht, und, weil es euch an Gründemang!t, durch hochtrabende Kunllworte tauscht, die ihr selbst Nicht versteht; hier einen befreundeten Dummkopf sanft streichelt, und dort einen angcfeindetcn Mann von Genie wütend begeifert — euch Alle treffe meine Geisel! Drittes Fragment. Einige Proben von Albernheiten in der Jencuschen Literaturzeitung. ^,^ie Deutschen haben vor und nach den Zeiten des heiligen Bonifacius, bis auf den heungen Tag, ihre Götzen gehabt, vor denen sie das Knie beugten, und deren Orakelsprüche sie schweigend ehrten. Es giebt nur Eine Art, um die Gläubigen, die aus jedem hohlen Baume die Stimme einer Dryade schallen hören, von ihrem Irrlhum zu überzeugen: man muß den Baum umhaueu. Ich wüste so eitel scyn als ein Rccenftnt, wenn ich meine Axt für scharf genug hielte, einen Siamm zu verletzen, der, wenn auch gleich seine Wurzeln weht viel raunen, doch von hundert ausgestrecktcn und mit Federn bewaffneten Händen gestüzt wird; aber hier und da einen Zweig zu kappen, der mit seinen giftigen Früchten herüber hängt, ist eine Tbat, zu d r es vielleicht des Muths cines Mar- tyrers, jedoch keines Heldenarms bedarf. Ihr 5 Ihr Alle, die ihraufben alleinseligmachenden Glau, ben der Liceraturzeitung geschworen habt, kommt herben und lest. Es mag kühn scheinen, einen solchen Koloss an- zugreiftn, aber meine Massen sind Beweise; und ich hoffe nicht, daß man mir die Berechtigung absprcchcn werde, mein Urthcil über unverdaute Urthcile laut zu sagen, zumal da ich weit ehrlicher als meine Feinde zu Werke gehe, und meinen Nahmen darunter setze. Um das Vertrauen des Lesers zu gewinnen, und Partheylichkcit zu vermeiden — deren Drille auch auf der Nase des besten Mannes anwächsi, sobald von seinen eigenen Schriften die Rede ist — will ich meine, seit sechs Jahren auf die unwürdigste Art gemißhandeltcn Producte, noch einen Augenblick bei) Seite legen, und vorher einige andere Pröbgen von schaalcn, unverdautem Lobe oder Tadel j ncr gepriesenen Zeitung auftischen. Ich wähle, was mir in die Hände fällt; doch mit Fleiß solche Schriften, deren Verfasser ich nicht kenne. Die Recension des Hamburger und Göttinger Mu- scnalmanachs füllt l-'- Vogen, obgleich der Recensent selbst das drollige Bekenntniß ablegt: »daß in jedem Musenal- „manach wenigstens Ein gutes Gedicht enthalten wäre"— Muß uns da nicht die biblische Geschichte beyfallen, wo Sodom verschont wird um Eines Gerechten willen? — Doch man höre weiter, wie der Recensent viel, und zu viel beweißt. »Wir sehen nicht ein, sagt er, welchen Nachtheil »diese Sammlungen für unsere Literatur haben könnten? »Mögen noch so schlechte poetische Früchte in ihnen aufbe- A z »wahtt 's Ul- >x.'- s «wahrt werben, so liegen sie entweder ungenossen, oder „werden nur von denen ausgenommen, deren Geschmack „sic angemessen sind.« Aber — ich bitte euch — kann man denn nicht das Nemiiche von jedem schlechten Buche sagen? u.id muß oie Kritik nicht ganz ihre Feder niederlegen, wenn sie selbst eine solche elende Entschuldigung als Grundsatz auftlellr? — Wenn nun, zum Beyspicl, ein gewisser Herr-Horeb, der bald nachher, wegen seines Mooses vom pari,«sie, gar gewaltig gezüchtigt wird, aufträte und spräche: „Meine Herren, was machen Sic? ich sehe nicht ein, wel- „chen Nachtheil mein Buch für die Literatur haben könnte? „Möge nocl) so viel Schlechtes darinn stehn, es bleibt „entweder ungenossen, oder wird nur von denen aufgenom« „men, deren Geschmack es angemessen ist" — was wollte man ihm hieraus antworten? — Noch nie legre wohl ein Recenscnt ein so nasses Bekenntniß ab, welches ununi» siößlich gegen ihn selbst beweißt, daß das Reccnssrcn über« Haupt in Sachen des Geschmacks ganz übcrflnßig ist; denn er hat vollkommen Recht: das Schlechte liest man nicht, wenn auch die Literaturzcitung in die Lobposaune stößt; und das Gute wird gelesen, so sehr man sich auch bemüht, es in den Staub zu treten. „Cs ist ein äußerst angenehmes Gefühl," sagt er wen ter, „hier Nahmen von neuen Dichtern kennen zu lernen, „und nachzuforschen, ob der Dichter-Gott sie wohl dereinst „seiner Verherrlichung werde würdig halten." Ich muß gestehn, daß ich dem Vergnügen keinen Geschmack abgewinncn kann, die Ersten Versuche angehen. 7 der Dichter zu lesen, und es kann nur ein äußerst a„ge. nehmes Gefühl für einen Recensenten seyn, nachjnfor. scheu, ob es hier einst etwas zu geiseln geben werde. Recensentr „Dagegen erfreut uns die Vermuthung, „daß die Geister, welche uns hier ihre poetischen Früchte „darbicten, bey Hervorbringung derselben sich doch müs. „sen vergnügt haben." Ist es möglich, ein Buch auf diese Art anzuprei. sen? — Hat wohl jemals ein Leserdarangedacht, wel- ches Vergnügen der Verfasser beym Schreiben empfunden? Ober, wenn er daran gedacht hat, ist sein eignes Vergnügen dadurch vermehrt? oder sein Mißvergnügen vermin, dert worden? — Kann man das nicht wieder von einem jeden Buche sagen? — Denn je schlechter ein Werk ist, je mehr Vergnügen hak oft der Verfasser bey Hcrvorbrin- gung desselben empfunden, und ich wette, Recensent ist mit seiner Rccension äußerst zufrieden gewesen; aber den- noch erfreut mich diese sehr wahrscheinliche Vermuthung keinesweges. Himmel! wie seicht, wie schielend ist ein solches Lob! und das sind die Menschen, die sich anmas- sen, das Publikum zu gängeln! ihm seine Urtheile in den Mund zu legen! Auf der folgenden Seite gesteht der Recenscnt, bey Gelegenheit eines Lobes, welches er der Madam Karschin zufließen läßt, «daß man. in unser» Tagen ihre Gedichte „incorrect und matt finden werde, weil vormalige kräftige und poetisch edle Ausdrücke, jetzt, durch Ausbildung unserer Sprüche, schwach und gemein geworden. A 4 »Dar- 8 »Darum erfodere es ein Studium, um jenen Products» »Geschmack abzugcwinnen." Eine sonderbare Art von Studium. Hat auch der Recenftnt den Sinn seiner Worte beda cht? Er w ll, wir sollen so lange studieren, bis wir dem Schwachen, Gemeinen und Incorrecten wieder Geschmack abgewinnen, oder bis uns die gemeinen und marien Wendungen wieder poetisch esc! Vorkommen, das heißt mit andern Worten; wir sollen den Krebsgang gehen; wir sollen vergessen» was Raphael und Rubens uns hiniaubericn, um die Kindheit der Kunst in den Werken eines van Eyk zu bewundern. Von den kraftvollen Gedanken unserer alteren Dichter ist hier nicht die Rede; sie werden uns immer auch ohne Studium gefallen. Weiter hin laßt der Reccnsent ein Gedicht von Gleim abdruckcn, von welchem er jede Zstle lieblich, und die l»zke Strophe schön nennt. Diese lcstc schöne Strophe — cs ist von einer Laube die Rede — lautet also: Wenn auf der weiten Reise dir Ein böser Vogel droht, Co schieß' ihn Jager Mordbegier Gleich auf der Stelle tod. Ich muß gestehn, daß ich in dem angepriesenen Krebsstudiuni noch nicht so weit gekommen bin, um dieser Strophe einen besondern Geschmack abjugewinnen; doch die Ehrfurcht vor einem Allvater unsers Parnasses heißt mich schweigen. Noch 9 Noch ein sehr alltägliches Liedchen, von einem gewissen C. F. wird gelobt und abgedruckc, und wenn es mir eben so, als dem Recensenken, darum zu thun wäre, die Seilen anzuiullen, so würde ich es tadeln und nochmals abdrucken lassen; aber das unbedeutende Ding verdiente warlich weder gelobt noch getadelt zu werden. Ein zweites präbgen, aus der Rccensisn von Cal- limachus Hymnen, auf der 26911er, Seite desselben Mo» nats. Der Neceuscnt lobt den Uebersetzer, und ich glaube gern, daß er es mit vielem Rechte rhut, denn eine solche Uebersetzung mag große Schwierigkeiten haben, welche, auch nur zum Theil gehoben, dem Ueberwindcr gerechten Beysall jusichcrn. Ich kenne das Buch nicht, und spreche hier nur von der Stelle, welche der Nccenscnt ausdrücklich als schön auszeichnet, und welche dennoch in achtzehn seilen, Einen Sprachfehler und Einen fürchterlichen Pleonasmus enthalt. „Acngsilich erbebten die Nymphen dem (vor dem) An- „blick der Ungeheuer" Einem Anblick erbeben, ist undeutsch und geziert. Ferner: „Eie vernahmen das stürmische Brausen der lau« „tcn Blasebälge" Welch'ein ungeheurer Pleonasmus! Blasebälge, die stürmisch brausen, können das natürlich nicht im Stillen verrichten. Also auch dieser Rccensent versieht nicht zu loben; und zu tadeln versteht er auch nicht, denn gleich nachher rügt er einen Fehler, der gar nicht vorhanden ist, indem er behauptet, es fehle ein Nachsatz, den doch jeder Schü- A 5 ler h..»- Ä 14 lo ler augenblicklich in den Worten: da vermogten nicht länger n. s. w. gefunden haben würde. Ein drittes Pröbgen, von der herben Wahrheit, daß Rccensentendünkel sich wohl mit Sprachschnitzern vertrage. In der Recension des Magazins merkwürdiger Rcisebeschreibungen heißt cs: „Oie Rückreise des Berfas- „fers nach Europa macht nicht minder einen interessanten „und noch nickt gelesenen Theil des Buches aus." Wie kann der Recensent diese Rückreise interessant nennen, wenn er den Theil des Buches noch nicht gelesen hat? — denn das sagt er doch im Grunde, ob er gleich Etwas anders sagen will. — Ferner: „wenn dereinst „in Ncuholland eine blühende Kolonie gestifftek sepn wird, „die vielleicht viele von den Inseln des indianischen Mee- „res sich unterwürfig gemacht bat" — welch' eine fehler, hafte Construction! — Man wird nur viellkic.,? ein wenig Mikrologie vorwerfen; aber man bedenke, da? ich von und zu einem Recensenten spreche, der sich die Miene giebt, Alles besser zu wissen, und folglich auch strengere Rechenschaft ablegen muß Viertes pkäbgen, aus einer Posaunen-Recension, welche in ganz Deutschland den höchsten Unwillen erregt hat. Man erräth sogleich. daß ich von der Recension ver -yosrll svreche. Die Ankündigung dieser Monatsschrift hatte einige Aehnlichkeit mit dem berühmten Manifest des H rzogs v. Br., und ließ nichts weniger als ein Riefen- werk erwarten, vor dem sich alle die kleinen, bunten Jour- nale demüthig verkriechen würden. Die Aufmerksamkeit des Publikums war ungewöhnlich hochgespannt, aber — der der Held erschien, und hatte seine menschlichen Schwächen, so gut als wir andern Erdenkinder. Trotz aller der ehrwürdigen Nahmen, mit welchen jene Ankündigung prangt, und vor deren Besitzern ich, zum Tlreil, meine Knie aufrichtig beuge, sind uno kleiden dennoch oie Horen eine ganz gewöhnliche Monatsschrift, so voll auch Recenscnt die Backen nimmt. Es sind sehr gute Aufsätze darin, aber auch mittelmäßige und schlechte, so wie in allen ihren Schwestern und Brüvern. Erstens bemerke man, daß diese Horen im Januar erschienen, und auch schon im Januar recensirt wurden; da hingegen die besten Schriften, zum Dei/piel Thomsons Jahreszeiten, fünf und mehrere Jahre warten müssen. Ncccnsent sagt: — „Die Monatsschrift, deren Ernstes Stück wir jetzt anzeigcn, erfüllt Einen unserer lieb« »ste.r, schon lange gehegten Wünsche, daß doch endlich „Einmal Anstalt zu einer periodischen Schrift gemacht wer<- „den mögte, die, mit Verachtung Alles mittelmäßigen „uns Schlechten, keine Andere als Gute und vortreffliche Aufsätze aufnähme. —" Zu dem Geist des Herausgebers hat Recensenl das Zutrauen: „daß nie» auch nur „ein mittelmäßiger Aufsatz (denn an Aufnahme des Schlechtsten sey bcy einem Schiller ohnedem nickst „l. denken) in „die Gesellschaft so vieler Guten oder vortreflichen sich ein- „dringen werde." Hatte Recensent geäußert; daß Schiller sehr richtig zu beurthcilcn verstehe, was schlecht oder gut sey; so hatte er eine unbczweifelte Wahrheit gesagt; aber daß Schiller, trotz dieser Veurthcilungskraft, oft genölhigt seyn werde, etwas 12 etwaö Schlechtes auszunehmen, daran zweifelte ich nicht einmal vor Erscheinung der Horen, und nun noch weniger. Was soll denn auch der arme Herausgeber anfangen, wenn ihm ein Mann mit einem berühmstn Nahmen etwas Mittelmäßiges zuschickt? Soll er sich selbst dem Publikum aufopfcrn? soll er sich den Mann zum Feinde macken, mit dem er vielleicht in bürgerlichen Verhältnissen steht? oder dessen Freundschaft er durch herbe Wahrheit nicht verscher. zen mag? Wenn also Reccnsent begeistert ausrust: „Wohl den „Lesern der Horen, denen durch sie eine Geistcscrholung bc- „reitet wird, die Homer selbst für seinen Vater der Göt- „ter wichtig fand" — so beneide ich weder den Vater der Götter, noch die Leser der Horen ; denn die einzelnen guten oder vortrefflichen Aussätze in den Horen, sind warlich keine Geisteserhokmg, sondern eine Geistesarbeit; frey« sich wohl eine angenehme Arbeit, die aber doch immer Anstrengung fodert. Ich wette, daß unter hundert Lesern kaum Einer ist, der die Briefe über Sie ästhetische Erstehung des Menschen, u. s. w. zur Erholung lesen kann; oder der, wenn er sie gelesen hat, es der Mühe werth fand, um de§ alltäglichen Kerns willen die harte Schaale zu zerbrechem —- Freylich, die Episteln sind sehr verstäub, lieh, und enthalten artige Gedanken; nur sollten Zeilen wie die folgender „Aber bestärken kannst du ihn wohl in seiner Gesinnung" nicht für Poesie ausgegebcn werden, denn es ist Presse, und Zwar matte Presse. Diese Diese Episteln sind aber doch noch wunderschön, gegen die Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten, welche das fadeste Geschwätz und die albernsten Ecspenstrrgeschichlgen enthalten. Da ist keine blühendk Einbildungskraft, keine schöne Diction, kein moralischer Zweck,-mit einem Worte, nichts! nichts was die Aufmerksamkeit fesseln könnte. Necensent — ich kann mir nicht helfen, ich muß Ihn hier den feilen Necenscnten nennen — der Ausdruck scheint hart, aber warum lobt er auch solch elendes Z-ug wider besser Wissen und Gewissn?— Necenscru nennt das eine simple, edle und rührenSe Manier in Lompc-sition und Ausdruck, und crräth daraus Einen unserer Ersten Dicktcr. Er hat gut rathcn, denn er pflügt vermuthlich mit dem Kalbe des Herausgebers; aber ich, der ich kein solches Kalb habe, sinne vergebens hin und her, welchem unsrer Ersten Dichter ich wohl die Schande amhun sollte, ihm diese schlecht erfundenen und schlecht erzählten Wespen- siermährchen zuzuschreiben? — Frcylieh haben wir leider ein Bcyspiel an einem Veteranen unserer Dichtkunst, daß der Dichtergrei's, eben so gut als cm Anderer, ins Kindische fällt; aber dann sollten die jungen Zöglinge es machen, wie Kinder mit einem schwachen alten Vater: sie sollten ihn nicht mehr in's Publicum bringen. Sollte man cs nach Allem dem wohl für möglich halten, daß die Herausgeber der Litcraturzeitung dreist genug gewesen, einem ehrlichen Mann einen Proceß an den Hals zu werfen, der cs wagte, ihnen in dieser Rcceustort Partheplichkeit vorzurücken? — Man höre nur, wie sie mit -4 mit den Fragmenten des Hr. Adjmictus Forberg umspringen. „Wir wurden, sagen sie, diese Fragmente ruhig ih- „ren Weg haben wandern lassen, wenn wir nicht erfahren „hatten, daß der Herausgeber, Hr. F. in I. Herr Adjun- „ctus Forberg in Jena sey. Da es nun doch manchem „braven Manne unbegreiflich scheinen mögte, wie derselbe „mit solcher Keckheit u. s. w. so haben wir fürs beste gehal» „ren, ihn ex jeZe cM'sirmr! ZU belangen." Sonderbar! also erst dann fiengen die Herausgeber an zu fürchten, „daß es manchem braven Manne unbegreiflich scheinen mögte" als sie erfuhren, daß Hr. F. in I. Hr. Adj. Forberg in Jena sey. Vorher waren sie entschlossen, die Fragmente ruhig ihren Weg wandern zu lassen, es möchte auch noch so vielen braven Männern unbegreiflich scheinen; folglich lag ihnen eigentlich nichts daran, die braven Männer eines bessern zu überzeugen, sondern sie wußten nur nicht, auf wen sie ihr Rachschwcrdk sollten fallen lassen ? sie verhielten sich ruhig, und würden sich auch noch langer ruhig verhalten haben, wenn sie nicht erfahren hakten, daß der Majestätsverbrechcr Hr. Forberg sey: und da sie nun diesen Hr. Forberg erreichen, und mit dem Gewicht ihrer bürgerlichen Autorität zu Boden drücken können, so haben sie für oas Beste gehalten, ihn ex leZe ciiLmwri zu belangen. Mich däucht, sie hätten sich auf jeden Fall vcrtheidigcn müssen, sie mochten den Verfasser kennen oder nicht. Was hat nun aber der arme Mann eigentlich ge- than? Er hat (wie wir alle) vermuthet, daß die unmas- slge Länge der Necension der Horen, doch wohl einen de. sondern Grund haben müsse; diesen Grund konnte er un- möglich in der Vorlrefflichkeit jener Gcspensiermahrgen finden, folglich mußte er ihn in etwas Anderem aufsuchen, und da blieben ihm nur zwey Wahrscheinlichkeiten übrig: entweder die Necension war bezahlt worden, oder es war ein Freundschaftsdienst. Um nicht auch ex leZe ckiffa- nmii belangt zu werden, will ich das leztere glauben, denn cs ist doch wohl keine Injurie, die Herausgeber der Freund, fchafl fähig zu halten? Freylich , in Rücksicht des Publikums gilt es gleichviel, mit Geld oder Freundesdank bezahlt zu werden. — Doch ich will nichts voraussetzen, als was mir unumstöß. lich gewiß scheint, nemlich: Bey der Recension der Horen haben andere Be- rvegungsgründe als Sie gewöhnlichen concurrirt; ich meyne solche, die nicht auf die Literatur Bezug haben, übrigens gleich viel welche. Können die Herausgeber mit gutem Gewissen das Gegentheil behaupten? Können sie würklich leugnen, daß sie sich die auffallendste Parlhey, lichkeit zu Schulden kommen lassen? — Ob sie Lob und Preiß für Geld oder für etwas Anders im Uebermaaß aus« gelheilt haben, das gilt dem Leser gleichviel, genug, er wird hlntergangen. Würklich, man bedauert Hr. Forberg recht herzlich, wenn seine Lage ihn nöthigt zu erklären: daß er unter Nnverhaltnisimäsiigkeit der Recension nur einen Guanti- tatsbegriff, keinesweges aber einen Gualitätsbtgriff habe i6 verstehen wollen. Zu seinem Tröste kann ich ihm verst, chern, daß die hellsten Köpfe in unserer ganzen Provinz, (und folglich auch gewiß die hellsten Köpfe in hundert andern Provinzen.) die Horen für ein ganz gewöhnliches, oft reckt herzlich langweiliges Journal, und folglich jene unver, haltnißmäßige R cension in iUualitäk und tUuantität für höchst parlheyisch halten. Wenn Herr Forberg deshalb einen Proceß verdiente, weil er eine falsche Nachricht in zweideutigen Ausdrücken batte drucken lasten, so müssen die Herausgeber der Litcraturzcitung gar oft ex leZe cstklamari belangt werden; ich führe, zum Dcpspiel, den Professor Kohlreif in Petersburg an, von dem sie, ohne ihn zu fragen, sehr falsche und ehrenrührige Nachrichten in sehr zweideutigen Ausdrücken drucken ließen. »Daß man sich nun verschiedentlich (fahren die Herren Nedacteurü fort) über die unverhalknißmaßige Länge »der Recenston der Horen verwundert hat, kommt lesig- „lich daher, weil cs so manche gute Leute giebr, die sich »über Alles verwundern." Man muß sehr arm an Ausflüchten seyn, wenn man sich so elend behilft. „Es war ja nicht blos Ein Stück der Horen, das re« »censirt wurde —" Ja frcylich war es nur Ein Stück. «es war der Anfang einer Monatsschrift, wo erst übev »den Plan des Ganzen geredet werden musie —" Welche Sophisterep! „Ws »wo Proben und Beweise durch ausgezogene etwas lan- »gere Stellen zu geben waren.» Aber warum geschieht denn nicht das Reinliche mit andern periodischen Schriften? warum redet man denn nicht bey Ändern über den Plan des Ganzen, wenn doch darüber geredet werden muß? warum liefert man denn da keine Proben und Auszüge? Man denke doch nur! sechs volle Spairen aus einem Einzigen Stücke der Horen!—- warum !aßr man denn nicht lieber die Horen noch Einmal in der Literarur - Zeitung abornckc»? da man doch nun Emmal beschlossen zu haben scheint, das Publikum so zu behandeln, wie manche Eltern ihre Kinder, wenn ihnen diese oder jene Speise nicht schmecken will: das ist gesund, sagen die Eltern, das müßt ihr essen. Sollte man nicht, zum Beyspiel, glauben, dle Literatur-Zeitung werde es, ihrem eigenen Dekennrniß zufolge, für Pflicht gehalten haben, den Ersten Band der Er. Höhlungen, an welchen so manche gute Kopfe arbeiten, sogleich nach dessen Erscheinung anzuzeigen, über Oen Plan Oes Ganzen zu reden, Proben und Beweise zu liefern u. fl w. ? — aber bis heute (den isten July 1796.) nachdem bereits zwey Bande die Presse verlass n haben, ist weder eine verhaicmßmaßigc noch urwerhältuißmäßige Re- ccusiou davon zum Vorschein gekommen» Es ist daher so klar wie der Tag, daß die Herausgeber der Literatur-Zeitung einzig uns allein an der schnellen Bekanntmachung und Anpreisung der -Horen einen ganz besonSern Antbeil nahmen, und wie lächerlich ist daher der Schluß ihrer Armseligen Apologie, wenn sie sagen; »WaS 18 „Was Ms, nun wird sich Mancher, der sich über die „Lange jener Reccnsson wunderte, wieder über seine un- „nöthige Verwunderung wundern." Was Ms, meine Herren, diesesmal haben Sie fehl« geschossen, cs müßte denn seyn, daß Ihnen das Wort Verwunderung anstößig wäre, denn jenes Wort bezeichnet etwas Unerwartetes, und unerwacrer war fteylich vielen Ihrer Leser jene partheyische Rccenston nicht. — Nein würklich, meine Herren, Sie haben da eine häßliche Blöße gegeben, die durch einen so armseligen Schleyer nicht zu bedecken ist. Fünftes Pröbgen r Recension der Gedichte des Herrn Ioh. Jac. Jhlee: „Es sind Blüten eines Baumes, dessen „Stamm aus Genügsamkeit, Vertrauen auf Vorsehung „und ruh'gcm Genüsse des Lebens zusammengesetzt ist." (Man bemerke im Vorbcygehn das abgeschmackte Bild: ein zusammengesetzter Sramm!) „Von dieser Seile also, „sagt die L. Z., verdienen die gegenwärtigen Gedichte alle „Empfehlung. Von der poetischen Seite betrachtet, Härchen sie nur einen vechaltnißmaßigen Werth." (und welchen denn?) „Da aber der Verfasser ohnehin Abschied „von seinen Lesern nimmt, so wollen wir ihm denselben „durch keine Kritik verbittern." Da haben wir das Geheimniß, der L. I. Nachsicht zu entlocken. Setze dich nieder und schreibe ein schlechtes Buch, nimm aber nm in der Vonede Abschied vom Leser, so wird cs immer alle Empftblrmg verdienen. Mein? sagt mir doch, was geht es den Hser an, ob dcr Ver- fasser fasser Abschied nimmt oder nicht? er will wissen, ob das Buch .<>nt oder schlecht ist? er will den bestimmten Werth desselben kennen lernen, und ihr sollt ihn nicht mit einem rätbselbafte» verhälmißmäßig abspeisen. Euer Stamm soll bon Wahrheit und Bestimmtheit zusammengesetzt sepn; wozu taugen denn sonst eure Blüten? Wie viele solche Recensionen man doch wobt in einem Stündgeu seines Nachmitlagsschlummers schreiben konnte? Sechstes Präbgen: von fertigen Recensionen, die in Vorrali) gehal:en werden, und auf alle Lacher passen. Im Iuny 1796 heißt cs: „Das Puch wird den Lesern, »die gerade nach einer solchen Nahrung hungern oder dürrsten, eine Zeilverkürzende Unterhaltung gewahren, wenn „sie auch am Ende nicht wissen sollten, was sie eigentlich „bcy der Lesung gewonnen hatten." Das ist, bep meiner Treu! die ganze Neccnsion. Ist es>nun wohl nöthig, das Buch (Denkwürdigkei- len aus der wirklichen Welt) zu nennen ? kann man das Ziemliche nicht'von ollen, guten und schlechten, Tüchern sagen? und ist es nichtstlaglich, daß selbst in diesem seichten Urtheüe ein Widerspruch herrscht? — Man soll nicht wissen, was Man gewonnen hat, und doch soll cs eine Zeilveckürzenos Unterhaltung gewähren. Ey nun, so weiß man es ja: Man gewann was man suchte: Unterhaltung. Siebentes sXöbg-mEin gew-sser F-auenzimmer« Almanach ein alt ^izähiungen, die in zolgenöcir Tone geschrieben sinvr B ^ »Zwey 20 »Zwey Thranen rollten über ihre Wangen, die Eine „trug das Zeichen der Bewunderung, die Andere das Zeischen des Schmerzes.« „Achmet erwartete den abgehauenen Kopf mit einer »Gierigkeit, die kaum der ausgemergelkcsie Kranke nach »einer Delikatesse starker haben kann.« Was sagt nun die L, Z. zu diesem geschmacklosen Kram? — Sie sagt: »Diese Erzählungen wären nicht »ohne ästhetischen und moralischen Werth.« O! über eure Acsthetik! — Ware sie dem Verfasser minder hold gewesen, so würde es geheissen haben; Stellen wie diese werden wohl Niemanden nach der Lektüre des Ganzen lüstern machen. Acktes Pröbgen: Im Januar y; wird die An- cieirne te sämmtli'cher Herrn Lhefs und Gssteiers Ser Röntgst Chur-Hannöverischen Armee unter die Eröbeschrei- bung gerechnet. Neuntes Pröbgen: Eben daselbst wird gesagt: „daß »der höchste Zweck des Dichters freilich nicht Beförderung »der eigentlichen Moralität sei).« Was verstehn die Verfasser unter eigentlicher und »«eigentlicher Moralität? es ist eine neue, mir unbekann« te Eintheilung. Zehntes Pröbgen: Eben daselbst heißt es, von den Darstellungen handelnöer Menschen r „wir versichern, daß »wir selten etwas gar so schlechtes gelesen haben.« — Und ich versichere, baß man sich selten gar so schlecht ausdrückt. Eilstes 21 Eilstes pröbgen: Im Jntelligenzblatt vom Insten November 95. fallen sie über den armen Herausgeber des Ncichsanzeigcrs her, weil er sich die unverschämte Frey> heit genommen, einen Irrthum der L. Z. aufzudcckcn. Den Jrrthum selbst können sie freylich nicht ableugncn; aber wie helfen sie sich? — mit der elenden Ermahnung: „er »solle doch nicht so viel Lärm um Nichts machen." Zwölftes Pröbgen: April 96. entschuldigt Necenscnt auf eine drollige Art die Bitterkeit einer Reccnsion. (Sie betraf Rebmanns Nelkenblatter.) Er mepnt, der Verfasser habe ihn dazu gereizt. Weiche elende Entschuldigung! Darf eine Nccension denn jemals bitter scyn? ist Unpar- kheylichkeit nicht die Erste Pflicht des Reccnsenten? und giebt es Unparrhcylichkeit ohne Lalre'k Dreizehntes Pröbgen: Ich will hier unter dem Namen: leise berührende Recensionen, einige anführcn, die da beweisen, daß die Herren auch schonen können, wenn sic ihre guten Gründe dazu haben. Dahin gehören: die Nccension von Bianca und Leriko; die von Schreibers Romantischen Erzählungen; die von des Herrn von Lütgendorff Schriften; die einiger höchst mittelmäßigen Erdichte von Eöthe in Schillers Musen - Aimanach; die des Dolchs von Grosse; die von Gollers Schauspielen, an denen sic gerade zu Dinge loben, die sie an den Meinigen verwerfen; die der cietenur, wo sie die sonst so oft verschmähte „Abwechselung der komischen Auftritte mit rührenden" in Schutz nehmen; die des neuen französischen Theaters von Huber; u. s. w. u. s. w. B z Vier- LL Vierzehnte« Pröbzen: In irgend einem Intelligenz« blatt, ich weiß nlcb: mehr genau in welchem, büren die Herausgeber alle Lesegeselischostcn ficheiuilch, sich doch Nicht 20 oder zo, sa wohl gar ;c>, zu Einem Exemplar der L. Z. zu vereinigen, sondern sich fem zu trennen, und dadurch die Vermehrung des Debits zu unterstützen. (Sicht das, nicht einem Brandbrief so ähnlich, als Ein Tropfen Wasser dem andern?) Zulezt wird es aar eine Lnlckerey genannt — (wie unartig!) eine »Knickerei), die man sich nicht gegen, sie erlauben sollte." Welch' ein anmaßender, ungezogener Ton! welch' eine grenzenlose Eitelkeit! *) Fünfzehnte« Pcäkzen. für welches, wie für die fol» genden, der Name Albernheit zu gelinde ist: die L. Z. laßt sich zum Werkzeug gebrauchen, ruhige, unbescholtene Gelehrte, Männer von Ehre, an ihrem guten Namen aiizu» tasten, wie solches mit dem Professor Kohlreit in Petersburg geschehen, gegen den eine niedriac Cadcsie sich des niedrigsten Mittels bediente, die gröbsten Unwahrheiten von ihm drucken zu lassen, wozu sich denn auch die beliebte und belobte L- Z. bereitwillig finden ließ. Wohl- *) Anmerkung: noch kürzlich, (nachdem dieses bereits geschrieben war,) gab die L. Z einen neuen, anffalsinoeii 'Leweiß ihres anmaßenden , unbescheidenen Tone«. ' -ch Gelegenheit einer sehr sonderbaren Irrung, die sic berichtigen mußte, >und dieich mir auch noch zu berichtigen Vorbehalte, weildieL Z dabey Inpuris oalura' libus ericheincn wird,) nennt sic sich geradezu den Führer Anderer, und gievt also nicht undeutuch zu versieben, daß. sic das Publikum für blind M. 2Z Wohlan, meine Herren! vertheidigt das, wenn ihr könnt. Ihr sprecht freylich: ihr nähmet keinen Tbe-l an hämischen Angriffen, und cs stehe dem Angegriffenen frei), sich ans eben die Art zu rächen, ihr gäbet nur, für baare Bezahlung, Papier und Druckerschwärze dazu her — das kömmt mir eben so vor, als ob ein Mann seinen geräumigen Saal an Faustkämpfer, oder wohl gar an balgende Straßenjungen, vermiekhete, und sp äche: es geht mich nichts an, wenn sie einander todt schlagen, ich habe nur meinen Saal dazu hecgrzeben. Gechs;ekmtss präbgen: Mit eben der Unbesonnenheit, mit welcher die L. A. sich an dem guten Namen einzelner Personen vergreift, tastet sic auch sogar die Ehre ganzer Verkamn langen an, wie solches die aufgenommc- neu einseitigen U theilc und Injurien über die Standes- Versammlung zu Chur bcwcißt. Endlich gehört noch ein siebenzebntes Prologen hierher, nämlich der ungezogene Ausfall auf den ehrlichen Holländer Boon, der ruhig seine Straße wandelte, und ganz unv.nnulhet von hinten mit Koch beworfen wurde. Man lese — ich bitte — die höfliche, unbefangene und überzeugende Vercheidigung des Biedermanns, wo aus jedem Worte der gekränkte, rechtschaffene und dennoch schonende Mann spricht; dann nehme man die Antwort des Re- censenten zur Haud, der mit Schimpfwörter, um sich wirft — wie eine Elster halte ich beynahc gesagt, wenn ein solches Bild nicht offenbar den Elstern Unrecht thatc, B 4 die, 24 die, der Himmel mag wissen, wie? — zu dem Ruft gei kommen sind, daß sic schimpfen wie ein Receuscu«. . Ich könnte noch manchen Dogen mit dieser Litaney anfällen, aber warlich! mir ekelt vor der losen SpUse. Ucbervieß habe ich eben nur wenige Monate der L. Z. bey der Hand, denn ich muß aufrichtig bekennen, daß ich zu den Lnickern gehöre, die dieses unsterbliche Werk in Gesellschaft mehrerer Personen halten, und daß dalvr die Vermehrung des Debits leider durch mich nicht unrersrü;t wird. Zum Schluß noch Eine Frage: Warum füllt die L. Z. — statt sich so vieler Albernheiten undKrirrelenen schuldig zu machen — ihre Blatter nicht lieber mil Recenavnen großer wissenschaftlicher Werke? — warum sagt sie, um nur Ein Beispiel anzuführcn, nicht ein Wort von K'ü» nitzens Encyclcpadic? diesem in ungeheurer Progression so langsam fortschreitenden Werke; in welchem fast jeder Artikel Zusatze, Berichtigungen oder Widerlegungen von Sachkundigen Gelehrten erfoderte? — warum rügt sie nichteine unwürdige Buchhändler'Spekulation, die dieses Werk, seiner Ersten Einrichtung und Ankündigung ganz zuwider, jezt ins Unendliche ausdchnt? — Hier ergreife sie die Geißel; hier warne sie das Publikum; hier kann sie Nutzen stiften. Vier- 25 Viertes Fragment. Ueber die Kritteleyen der Iftcensenten, meine Schauspiele betreffend. Nicht gleich Mängel entdeckt, ist eben so verzeihlich, als daß ein Vater das Maal auf der Wange eines Kindes über« ficht, mir welchem eine geliebte Gattin ihn vor einer Sinn« de beschenkte. So lange das Erste Feuer noch glimmt, welches den Dichter bey der Coniposnion seines Werkes durchwärmte, so lange ist er gewöhnlich blind für die Gebrechen desselben. Sobald es aber den Armen seines Geistes entrückt, und ihm nach und noch fremd wird; sobald die Empfindungen , die er beym Schreiben hatte, nicht mehr lebendig in ihm sind, sondern erst durch das Werk selbst wiederbelcbt werden müssen; sobald tritt er in dieReihe aller übrigen Leser, und kann sein eignes Produkt bcurthei- lcn, so richtig als irgend Einer von ihnen. Wenn man ein eignes Werk seit zehn Jahren nicht gelesen hat, so ist es, selbst für den Verfasser, ein fremdes Werk geworden. Diese Erfahrung habe ich oft gemacht, habe oft, nach einer Reihe von Jahren, manche meiner Schriften höchst mittelmäßig gefunden, und verarge cs daher auch keinem Leser, wenn er das nämliche Urthei! früher als ich fällte. Auch mag er cs immerhin drucken lassen, ich habe nichts dawi» der; nur fodere ich von einem gedruckten Urtheile Grund» lichkeit und Bescheidenheit. Er rede mit mir, als ob er vor mir stände; und in diesem Falle erwarte ich von jedem Dichter an einem ncugcbohrnen Geisteskindr B 5 wohl- 26 wohlerzogenen Menschen, daß er mir selbst seinen Tadel mit Schonung vorlragc; daß er mich nicht hämisch vor, spotte, sondern ernst und kalt, ohne alle Anzüglichkeit spreche; daß er sich nicht den Knabenmuthwillen erlaube, mich durch einen heimlich angchangtcn papiernen Haarbcu- tcl, oder so etwas dergleichen, dem Publikum zum Gelachter aussetzen zu wollen; kurz, daß er in allen Stücken das Gegentheil der Jenaer Literatur-Zeitung sey. Die Erste Art von Krittcley, durch welche man meine anspruchiosen Produkte herabzuwürdigen gedenkt, besteht in bloßen Worten, die der Franzose pliiaftx und Ar-meis mots zu nennen pflegt; das heißt, solche, bey denen man die Backen voll nimmt, und sie mit gravitätischer Anstrengung in die Luft hinaussiößt, daß sie das Ohr füllen, und den Geist leer lassen. Man sagt nämlich, es fehle meinen Schauspielen an Lonfistenz und -Haltung! — Was sie mit ihrer Konsistenz wollen, verstehe ich nicht, und bitte mir darüber eine Erklärung aus; die sogenannte -Haltung aber, besteht, nach Sulzeis Theoric.charin: „daß »man nahe Gegenstände" (also im Schauspiel die Hauptpersonen) „genau auszcichi,et, und im Kolorit ausführ» „sich bearbeitet, die Entfernteren hingegen nur im Gau« „zcn anzeigt und schwacher ausmahlk." Habe ich gegen diese Regel gesündigt, so wünschte ich wenigstens, daß cs den Herren gefallen mochte, mir Beispiele aufzustellcn. Aber frcylich ist es sehr viel leichter, solch ein Wort, das man Einmal aus irgend einer Theorie der schonen Wissen-^ schäften aufschnappte, mit einem gelehrten Anfthn nackend unk und blos binzuwerftn, und sich nicht weiter um sein Schicksal zu bekümmern, als es mir Beweisen zu Harnischen. Das Publikum staune über den Wundermann, und glaubt ihm auf sein trotziges Gesicht, daß er etwas dabey gedacht habe, indessen der Gaukler hinter dem Schirme über die fromme Leichtgläubigkeit lächelt. — O! ihr Armselige! es wird euch nicht gelinge», das Gefühl durch euer Geklingel mit Runstwärrern zu betäuben. Sie sagen ferner: meine Stücke beleidigen Morali- tat und Sittlichkeit, und zwar deswegen, weil zuweilen gefallene Mädchen oder W.iber darinn aufcrctcn. — Wenn man mich überzeugen konnte, daß auch nur ein einziges meiner Schauspiele, auch nur eine einzige sittliche Tugend herabwürsige; so wurde ich aus allen meinen dramatischen Werken einen Scheiterhaufen machen. Aber nur die schändlichste Verläumdung konnte, um mir weh zu thutt, diesen Krötengift auf mich aussprützen. Lange vorher, che ich auf der Spiegelbahn der dramatischen Kunst hcrumwankte, schrieb steaumsrch-uz seine Eugeni'e, und Gemmingen seinen deutschen Hausvater, zwcy schöne Stücke, deren Hauptpersonen liebenswürdige gefallene Mädchen sind. Damals fiel es keinem ein, die Nase darüber zu rümpfen. Und wäre es denn auch i» der That wohl unmoralisch, zu glauben, daß ein gefallenes Mädchen doch wohl ein gutes Mädchen fcyn könne? — habe ich denn jemals die Entschuldigung einer Schwachheit mit der Verlbeiöigung der Unsittlichkeit vermischt? — habe ich jemals einen Fehltritt zur Tugend erhoben? — aber wenn -8 tin reuiger Schacher noch Anspruch auf das Paradies machen durfte, so ist cs doch wohl kein Verbrechen, ein reuiges gefallenes Maschen interessant zu schildern? Was kann man von einer sittlich-dichterischen Dar« siellung mehr verlangen, als daß sie öas Laster verhüte, und, wo es bereits aufkeimte, den Leim ersticket —- Nun, meine Herren, bcydcs thaten die so verrufenen Ko- tzebueschen Schauspiele. Eine Manie, die ihrem Liebhaber das Erste Rendezvous versprochen hatte, sah Menschenhaß und Reue, und brach mit dem Verführer. Drcp andere verließen die Bah« der Wollust, und kehrten zurück auf den Pfad der Tugend. Zwey dieser Begebenheiten kenne ich nur vom Hörensagen, und aus Zeitungen, aber die dritte ist mir genau und umständlich bekannt. *) — Ein reicher Graf, den ich nennen könnte, hatte einen natürlichen Sohn, den er vcrnachlaßigte. Er sah vasRind vor Liebe, mein Schauspiel würkte auf sein Herz, einige Wochen nachher war der junge Mensch auf Zeitlebens versorgt. — Wohlan, meine Herren, gesteht, daß, wenn meine Schauspiele Gift enthalten, es wenigstens ein sehr wohlthatiges Gift seyn muß. Könnt ihr von euren Re- censionen dasselbe behaupten? — »Ihr *) Wenn ich mich nicht irre, so war cS während meines Aufent« Halts in Maynz 1791, zu einer Zeit, als Herr Huber mich seines täglichen Umgangs würdigte, daß, ich weiß nicht mehr wel, ches Zcitungsblatt, Eine dieser Geschichten meldete- Er wußte also, welche Wirkungen meine weichliche Verwöhnung und schlecht verhüllte Sinnlichkeit hcrrorbrachten, und doch — v Hudcr i „Ihr Herren Journalisten!" ruft Sterne, der auch fein ganzes Leben hindurch von Reccnscnten geneckt wurde; „wie konnten Cie es über Ihr Herz bringen, mein Brust« «wamms so jämmerlich zu zerfetzen? wie konnten Sie wissen, daß Sie mein Unterfutker nicht mit faßten?" — Ihr Menschen mit unreiner Einbildungskraft, die ihr so gern die unzüchtigen Bilder, von welchen eure Phantasie wimmelt, in fremde Werke übertragt. Hort Einmal auf, mich eure'cigene Verdorbenheit entgelten zu lassen; stellt euch nicht, als habet ihr aus meinen Schauspielen geschöpft, was doch schon auf dem Grunde eurer Eymer verborgen lag, und hütet euch, daß man euch nicht mit Molieres Uranie antworte: ll saut c^us ^our lez Vous des lu- nueres, cjue Ie§ autre» n'ont z)->8, cur pour nioi js n'zr en ai point vu. Schon die Berliner Bibliothek sagte vor 25 Jahren (im i zten Bande) bei) einer ähnlichen Gelegen« heit: „Es kömmt hiebei) freplich Alles auf die Disposition „des Zuschauers an, die er mitbringt, und die er auch „alsdann haben würde, wenn so ei'ne.Sache, als Komö- „die ist, gar nicht in der Welt Ware." Eine andere Gattung von Recenftnten behauptet — doch nein, nur Einer war so boshaft das zu sagen — meine Stücke enthielten gefährliche Grundsätze gegen Vs» Staat. Ein Mann, den ich nicht kenne, und den ich nie beleidigte, der Verfasser der Gallcric der Teufel und der Lieblingssiunden, behauptet in einem Journal, dessen Ti. tel Zo tel ick, vergessen habe, ich hatte mich erkühnt in der San» ueujungsrau Aufruhr ;u predigen, denn — man höre den säubern Beweiß — Rolla wolle an der Spitze der Truppen gegen den König marschiren. —- Was also Rolla im höchsten Taumel der Leidenschaften lhun will, und was ihm schon von dem kaltblütigen Velasgue; ernstlich verwiesen wird, das stellt Herr Kranz als die Gesinnungen des Dichters dar. Wenn also Lier-ko in Venedig als das Haupt einer Verschwörung erscheint, so predigt Herr Schiller Aufruhr. Wenn also Snkanin die Strelitzen aufwicgelt, so predigt Herr Bubo Aufruhr. Ich muß bekennen, daß es, besonders in diesem Zeitraum, nichr möglich war, etwas hämischeres und boshafteres auszudcnken. Ich lebe unter einer Regierung, die ich verehre, weil sie mir Ruhe und Sicherheit des Eigenthums gewahrt, die aber streng über jede unvorsichtige Aeußerung wacht, und, im Strudel der Geschäfte, nicht immer tiefe Untersuchungen anzustellcn im Stande ist. Wenn nun eine solche boshafte Behauptung zufällig Männern in die Hände fiele, die noch obendrein der Sprache unkundig, und deren Eifer sie z» einem raschen Schritt verleiten könnle? — wenn eine ciiwgc so hämisch hingeworftne Zale mir Glück uno Freyheit gekoster Harke? — in welchen Winkel der Erde wäre Herr Kranz vor seinem Gewissen geflohen? — O ihr Recenienten! schlagtau cure'Arust, und bekennt laut: es lii nicht eure schuld, w'iiii ihr weniger Unglück in der Welt stiftet, alS ihr gern möchtet, Dikes» 3 ' ^ue vor csierckieurs ^oilon stout bien ^lukot ceux <^ui ? y mettent, er ^u' il u' v en 2 poiiit ^our ceux c^ui ii' en clierciicut pox. Ii.oulHsu. *) Laßt uns von dem Empörenden zu dem Lächerlichen übergehen. — Schade, daß ich nicht von Anbeginn die Necensionen über meine Stücke gesammlct habe, ich könnte dem Leser ein Gemisch von albernen, seichten, widersprechenden, wortreichen und sinnleeren Urtheilen aufstellen, über welches er erstaunen würde. Hier nur ein Paar zur Probe. »Drüber Moritz der Sonderling," sagt die Litera, tur-Zeming, „hat vom Sonderling nichts als den Na- ,,mcn," und gleich darauf werden fehr naif vier oder fünf der auffallendsten Sonderbarkeiten erzählt, wodurch der Recenscnt feinen Tadel auf der Stelle selbst widerlegt. — Uebrigens wurde diese weife Dcurthcilung nicht eher ge- schrieben, als bis das Stück bereits fünf Jahre auf allen Bühnen Deutschlands gespielt und wieder gespielt worden war. Wozu eine so spate Anzeige? — wenn man sich Einmal das Ansehen giebt, das Publikum belehren zu wollen, was ihm gefallen oder nicht gefallen soll so muß man nicht warten, bis es den Gegenstand schon wieder vergcs. sen hat. **) »Graf *) Gesteht, daß curctMspürcr den Gift selbst hinein träufeln, und daß für so che, die ihn nicht dariun aufsuchcn, auch keiner darinn enthalten ist. ") Eine Klage, die von mehreren Schriftstellern geführt, aber nie beantwortet wird. Noch neuerlich sagte in der L. Z. ein H- re Tüll- Z2 „Graf Venjowski),« sagt die Literatur - Zeitung,' „läßt sich Widersprüche in seinem Charakter zu Schulden „kommen." — Liebe Natur! vcrtheidige dein Werk; denn du weißt, daß ich den Grafen Benjowsky historisch geschildert habe, und so wie es dir beliebt hat ihn zu machen. Man lese seine Geschichte. Ich habe außer der Catastro« phe wenig oder nichts geändert. Nur die Mutter ließ ich aus meinem Stucke weg, weil eine Kupplerin noch weit mehr Abscheu erregt, wenn sie Mutter heißt, und weil ein Mädchen, das so wie Afanasia handelt, zwar nie za entschuldigen ist, aber doch eher Mitleid verdient, wenn cs seine Mutter früh verlohr. Auf diese Abänderung bilde ich mir Etwas ein, aber der Necenftnt fühlte nicht fein genug, um hier am rechten Orte zu loben. Den Schluß des Stücks findet er unbefriedigend; hier muß ich ihm Recht geben, und Dank hätte er verdient, wenn er gezeigt hätte, wie dieser Fehler z» verbessern gewesen? — Ich habe gewiß länger darüber nachgedacht als Er, aber das Resultat war immer: es sei) kein anderer Ausgang möglich, und der, den ich wählte, müsse den Zuschauer immer noch der Befriedigung am näckften bringen, weil dadurch zugleich die poetische Gerechtigkeit geübt, und ein leichtsinniges Mädchen verhindert wurde, die Früchte seines Leichtsinns zu gemetzen. Am Tüllmann, daß die Rccension seines vor s ü n f I a h r e n crscdl'e, neuen Buches für den Käufer und Verfasser zu speit komme. Re- renseat übcrpicng in seiner Antwort diesen Punkt weislich mit Eitllichmcigcn. — Die Schrift über die Streitigkeiten des Velr telinS mit Graubündtcn kam 1788 heraus, und wurde 17-S angezeist, also.nach sieden Jahren! u. ,. n>. Am Ende Hanak der Recensent auch noch eine Art Von Lob an, aber so schielend, daß offenbar mehl Gift in sei. nein Lobe als in seinem Ta «el liegt. „Dieser Fehler un- „geachtet," sagt er, „wird das Stück durch seine Schreib« „art, und durch die eigne Art gefallen, mit welcher Herr „K. gewisse Gedanken zu erheben , und ihnen den Schein „des Außerordentlichen zu geben versteht." — Das heißt mit andern Worten: die Kunst, seine Gedanken gut aus- zudrücken, und auch gewöhnlichen Ideen den Reiz der Neuheit zu geben, ist eine sehr frivole Kunst. Er nennt es eine eigene Art. Was will er damit sagen? — ich behaupte, es sei) eine Art, die jedem nicht ganz mittelma- ßigen Schristst ll r eigen ist, und die überhaupt der Dichtkunst eigen feyn muß. Hatte ein der Literatur- Zeitung den Grafen Benjowsky geschrieben, wie würde Re» censent diese eigene Akk erhoben haben!— He-i-gerKonk! du hast wohl Recht: „unter allem Geichwätz, das m du-ser „geschwätzigen Welt geschwazt wird, obgleich das Geschwätz „der Andächtler das Schlimmste seyn mag, ist das Ken. „nerkunstrichtergeschwätz das Unausstehlichste.« „Der weibliche Jakobiner «Klubb,« sagt die Literatur- Zeitung, »ist unter aller Kritik, und ein Schandfleck un- öftrer Literatur.« — Hätte sie, siatt dieses Machtspruckes, sich etwa folgendergestalt ausgedrückt: „der weibliche Ja- „koblner. Klubb, ist ein kleines unbedeutendes Lustspiel, „welches den erhaltenen Beysall dem Moment ver« »dankt, in dem es, geschrieben worden; eine Posse, die ei« C »nige 34 «niae lebhafte Scenen, einige Theater-Coups enthalt- „und weiter nichts;" so würde ich das Urtheil willig unterschreiben, und nie ein Wort darum verlohren haben. Aber — nncer aller Lrftik! — ein Schandfleck unserer Lireramr! — das ist zu arg! — Ich rufe mit Lessing aus: wer übertreibt, sagt nichts. Die Malayen und Madac ssen tauchen ihre Pfeile in Gift, die Recenscnten sollten sie in kaltes Llnt rauchen, dann tödten sie weit gewiss r. Ueberhaupt sollte wohl Eines der Ersten Gesetze im Reccnscnten. Codex folgendes ftyn: ein Luch, das unter aller Rririk ist. wird gar nicht recensirt; denn ein solches verworfenes Produkt wandert ohnehin zu den Käseweibern, Niemand kauft es. Niemand ließt es, es wird vergessen -— mein Mott! wie viele Bücher sind nicht seit zehn Jahren vergessen worden; selbst solche, die von der L. Z. wacker herausgestrichen worden. Wenn hingegen, trotz eurer Ungeberdiqkeit, Buchhändler und Schauspieler sich wohl babey befinden, so müßt ihr euch schämen, wie die Aepfelweibcr zu Jena, von welchen ich, zu erlaubter Ge- mülhscrgötzung, ein Geschichtgen einschalren will. Eine ehrliche Haut in Jena hatte einen Obstgartenin dem Garten standen Bäume, und auf den Bäumen wuchsen Aepfel. Wenn die Aepfel reif waren, ließ er sie zu Markte tragen, und verkaufen. Hin und wieder war auch wohl ei» unreifer darunter, den der Wind abgeschüt- telr harte. Ueberhauvt waren es keine Borstdvrfer Aepfel, sondern eine Mmelgatlung, mcht sauer und nicht süß, gebraten braten schmeckten sie recht gut; die beute' kauften sie gern und verspeißlen sie schnell. Das that die ehrwürdige Zunft der Obstwciber zu Jena baß verdrießen, und sie stellen in das Wochenblatt rücken: „Die Aepsel des Iss waren „sehr schlechte, unreife Aepfel, zögen das Maul zusammen „machten die Zahne stumpf, und waren voll Würmer." Das Leztcre war die boshafteste Lüge, denn in des Man« ues Aepfeln war nicht ein einziger Wurm. Auch meynten die Leute, sie könnten wohl selbst den Geschmack eines Apfels beurtheilen, ohne es erst von Obstweibern zu lernen. tssfss schickte seinen Korb zu Markte wie bisher, und der Korb war immer in wenig Stunden leer. Da ich meistens nur aus dem Gedächtnisse schreibe, und indem für die Lektüre unwirlhbaren Erdwinkel, den ich bewohne, mir auch kaum der hundertste Theil alles dessen zu Gesichte kommt, was die Herren gegen mich Vorbringen ; so wird freylich manche schwere Beschuldigung noch unberührt bleiben. Das ist schlimm für m-ch (denn ich habe nicht nöthig, jede Zeile mit E-n-m Groschen zn bezahlen, wie in der Literatur-Zeitung, die das Verchei. di'gungsrecht für baares Gc!d verkauft,) aber der Lest, verliert nichts dabcy; denn wer Einen oder ein Paar Wölfe hat cheulen hören, dem ist das Wolfsgcheul bekannt genug. Einer drolligen Behauptung muß ich noch erwähnen, um ju zeigen, wie weit die Verkleinerungswuth führt. Meuschenhafi und Reue soll nach einem englischen Stück Lns 8kore bearbeitet ftpn. Ich habe nicht einmal ge« C s wußt, 36 wußt, daß eine laue Zfiors in der Welt existirt, und sezt, da ich es weiß, ist es mir noch bis diese Stunde nicht ge« lungen, ihrer habhaft zu werden. Der Leser, dem ich so oft das freymüthige Vekenntniß meines vormaligen Hanges zur Nachahmung abgelegt, wird mir nun auch glauben, wenn ich ihn versichere: Menschenhaß und Reue ist ein Original. Herr v. Knigge macht in seiner Reise nach Braun« schweig einen kleinen Abstecher nach England, um meine Indianer zu besuchen, und ihnen eine Menge unhöfliche Dinge zu sagen. Das ist nicht artig. Wenn er wüßte, wie wenig ich selbst von diesem Stücke halte; wenn er wüßte, wie viele Scencn in meinem Manuskripte ich der kreuz und queer durchstrichen, welche ein Mann wie Engel wieder Herstellen zu müssen glaubte, und würklich wieder » herstelltc, so würde er die Anspruchlosen Fremdlinge höflicher behandelt haben. Lächerlich wird aber der Tadel dieses Mannes, wenn man weiß, daß Er, ehe Cr meine Person haßte, ein Liebhabertheater in Bremen errichtete, es mit den Indianern in England eröffnen ließ, und selbst die Rolle des Raberdar spielte. Vermuthlich hatte er dabei) die Absicht, sich selbst und sein Publikum angenehm zu unterhalten, folglich gefiel ihm das Stück. Bald nach, her aber glaubte er sich von mir beleidigt, und folglich mißfiel es ihm. Nachdem wir gefehn, wie und was die Recensenten von mir sprechen? so wollen wir nun untersuchen: warum sie so sprechen? »Die Z7 „Die Leidenschaften," sagt Crasmus, „verhalten „sich zum Verstände, wie das Pfund zum Quentgen; die „Vernunft sitzt in einem engen Winkel des Kopfes, die „Leidenschaften nehmen den ganzen Körper ein." — Durch die verhaßte Broschüre, die im Jahre 1790 meine Feder entweihte, hatte ich das Unglück, mehr als Eine jener gewaltigen Leidenschaften zu wecken. Zwar muß ick, mit Hochachtung bekennen, daß unter den Beleidigten selbst, nur wenige sich unedle Rache erlaubten; aber das Geschrei) ihrer protecteurs und prokeZer, ihrer Vettern und Wer» wandten, ihrer Freunde und Bewunderer; das Klaffen der kleinen Geister, die, wenn die Schriften eines Mannes Aufsehn erregen, mit Verlangen nur auf den Ersten Ton der Mißbilligung warten, um sogleich einzustinimen;*) Alles das bildete eine mächtige Parthcy gegen mich. Das also war die Erste Quelle aller der Bitterkeiten, die mir seit 6 Jahren in so reichem Maaße zugemcsscn worden. Aber es giebt noch eine Andere, aus der sie Alle, und zu allen Zeiten schöpften, und die, wie die Schwefelhöhlc zu Pyrmont, einen giftigen Dampf aushaucht, der Alles erstickt, was zu viel Leben hat — diese Quelle heißt Neid! C z sie *) Hievon muß ich ein merkwürdiges Bcyspicl anführen. Ein ge> wisscr Herr G- ließ einige sehr hcimische Dinge gegen mich im Gothaer Theater-Kalender drucken- Fünf Jahre nachher kam er nach Reval, wo er meine Bekanntschaft mit Eifer suchte, und wo man ihn einst in einer Gesellschaft fragte: wie er dazu gekommen, mich anzugreifcn, da er nie von mir beleidigt morden? -— «Ich bitte euch, schweigt," versetzte er in Verlegenheit; „cS „war damals Ton, über K- herzufallcn, und da mußte ich ja «wohl mit einstimmen." sie walzt ihr trübes Wasser über jedes Blümchen, das von Künstliche erzeugt, und vom Publikum gepflegt wurde. „Neid folgt dem Verdienst/' sagt Pope, »wie dem „Körper der Schatten; wo du Rauch siehst, da vcrmurbest „du Feuer, und wo der Neid griuzt, da geht ein Talent „vor >hm her." Der iuleio blaßt mit seinem giftigen Odem denWeph« rauchdampf auseinander. '^) Sobald ein Mensch das Unglück hat, sich auszuzeichnen — verschwunden sind sei. ne Ansprüche auf Gerechtigkeit der Zeitgenossen; er müßte denn die Kunst verstehen, sich furchtbar zu machen, oder zu irgend eurer Pärchen gehören; wo nicht, so werden selbst diejenigen, die berühmter sind als er, ihm kaum verzeihen, daß er auch ein wenig Larin macht, wenn sie gern allein larmen möchten. **) Mein Hauptverbrcchen ist also : daß ich mehr gefallen habe, als gewissen Leuten behagre, und es gereicht mir zur Ehre mit Molierc in gleicher Der» dammniß zu scyn; ***) auch hat mir, wie ihm, schon man. cher *) l.' envie Zswurn« Ivin Zs 1' »ureur!e pgrkum iusve Zss -laxes, eile takltirue I' oZeur empeitee Ze Isf!riri>;ue er Ze Is d!i>Iom- nie. Helverius Ze ? komme. OSs gu' un komme s eu le mslkeur Ze 5e Ziginxuer Z cerr-ni» pninr, ä moinr gu> il ne lc ksge crainZre, ou c^u' il ne rienne Z czuelgue psrü, il ne Zoir plus compier tur I' squire Zer nu- trcs L ton exsrZ, er c» iera keaucoup, l> ccux meines, c>ui innk plus ceiekres gue !ui, lui pnrZonnen« lr> perice poriion c;u' il » Zu bruir, -zu' lls vouäroienr sske rout seuls. Loutsesu. ***) Ke p!us xrrnZ ins! gue je leur s;e ksir, c' esr gue j' »i eu Is donkeur Ze xl»irs, un peti plus gu' ils n' ruroienc voulu» tgolier«, 39 cher verständige Mann, wenn gleich nicht in Versen, zugerufen r Knills Zrouäer cer envieux, Hs out laeau crier eu toux lieux,' <^u' euvsiu tu ciiarmes 1e vulAnire. *) ()ue tes vers n' out rieu cie plailaut; 8i tu fguroi5 un peu moiu« ^laire, 1u ne: leur cie^Isirois ^ns tsut. For/eaA Ein Beklagter in meiner Lag« kann wohl überhaupt nichts bcssers thun, als die berühmtesten Sachwalter für sich sprechen lassen; ich werde daher noch manches über diesen Gegenstand von^Männern borgen, die eben so gesucht haben als ich, und es besser zu sagen verstehn. Jedes hervorstechende Talent **) ist, allgemein ge» nommen, ein Gegenstand des Hasses; daher die Begierde, mit welcher hämische Recensionen gekauft werden. Warum würde man sic sonst so gern lesen'? - um den Geschmack zu vervollkommnen? — aber dieRecenseiucn sind weder Longins noch Despreaux; es ist ihnen auch gar nicht nm Aufklärung des Publikums zu thun. Wer selbst twas Gutes liefern kann, der giebt sich nicht damit ab, Andere zu tadeln. Das Unvermögen, es besser zu machen, ist die Mutter der Kritik. Ihr Gewerbe ist niedrig. Die L 4 Des- *) Vuix-ire, den großen Haufen; so nennen die Reeensenten alle diejenigen, die nicht so denken, wie sie- -*) Uelvsrws, ä« 1' komme. 4 « Desfontaines standen gegen Racine auf, und fanden 'Ge« hör, denn die Narren gewannen dadurch Zeit, die uner« klägliche Hast der Hochachtung abzuschütteln. Wut nder Tadel ist das einzige Lob, welches der H7rio ausspendet; das Erste, welches dem guten Schriftsteller ja Thnl wirb; das Einzige, welches er seinen Ne- benb h ern zu entreißen vermag. Fast in allen Landern sind Genie und Talent, wie tey den Römern die'Gefangenen, ein Raub wilder Lhiere. Die lezte Zuflucht der Eitelkeit ist Verachtung der Talente. Warum wird ein Mann von Genie heftiger verfolgt, elsein Mörder? — Darum, weil ein Mörder nur die Freunde und Verwandten des Ermordeten sich zu Feinden machte, der Mann von Genie hingegen das Heer der Re- censenten. Hast du das Unglück, mittelmäßig zu seyn, *) so foltert dich die Reue; gefällst du aber, so sieben tausend Verfolger gegen dich auf. Du wandelst am Rande eines Abgrunds zwischen Verachtung und Haß. — Wie? man sollte mich verfolgen, weil ich ein Schauspiel schrieb, das beklatscht wurde? — Ja, mein Freund! — zwanzigFe- dern werden dw sogleich beweisen, daß dein Schauspiel nicht hätte beklatscht werden sollen. — Der Abbee vau- bi'Zna , Verein schlechtes Trauerspiel geschrieben hatte, behauptete: Lorueülo sey kaum gut genug für die Lampen- *) VsIciü'L. 4 * penvutzer. Lorneills piaille toujourr, ricane tonjourr, et ne fait jamai« neu <^ni vsills. Es gab Leute, die ihm glaubten, denn er war königlicher Hofprediger, so wie cs heutzutage Leute giebt, die Herrn Huber glauben, denn er Ist ein — Necensent. All' jener Tadel ") ist das Werk von vier ober fünf kleinen unglücklichen Schriftstellern, die nie durch sich selbst die Neugierde des Publikums reizen konnten. Sie halten sich fertig zum Angriff, so oft ein Stück erscheint, das mit Beyfall gekrönt wird. Was wir besitzen, rühmen wir, und was uns fehlt, verachten wir. *-') Der Augenblick, in dem der Neid unfreywillig bewundert, ist der nämliche, in dem er. sich zu rachen schwört! Sehet da das enthüllte Geheimniß. Warlich! ihr könnt nur auch nicht Linen Schriftsteller nennen, dessen Werke schnelle und große Wirkung auf seine Zeitgenossen hervorgebracht haben, der nicht, so lange er lebte, von hämischen Recensenten angebcllt, zerfetzt, zerrissen, zer« stückelt, zerprickelt und begeifert worden Ware. Wie leicht ließen sich noch hundert Beweise dafür anführen; aber wo« zu? — sie haben Voltairs und die Propheten Helvetius, Racine, Mokiere, Dorat, Rousseau; wenn sie diese nicht hören wollen, so würden sie auch nicht hören, wenn ein Engel vom Himmel zu ihnen redete. ») ") Kelverius. «") Oor-n. C 5 Fünf« 4r Fünftes Fragment. Kleber die Geringschätzung, welche die Recensenten für den Beyfall des Publikums affekriren. ist drollig zu sehn, wie die guten Leute sich martern, um auch das Einzige, was sie mir nicht absprechcn können, weil es Thatsache ist — nemlich den Beyfall des Publikums — zu einer so geringfügigen Sache herabzuwürdigen, daß man sich dessen beynah schämen möchte. Wenn man ihnen glauben wollte, so gehört es mit unter die Er, Jen Kennzeichen eines vortreflichen Stücks — daß Niemand es sehen mag. Beruft man sich auf allgemeinen Beyfall, so jucken sie die Achseln, oder seufzen, beklagen den verdorbenen Geschmack; prophezeien, daß die Nachwelt es nicht werde begreifen können, wie man solche Stücke so hoch erhoben; daß es unserm Jahrhundert zur un- «ruslöschlichen Schande gereiche; daß wir überhaupt noch gar kein Nationaltheatcr haben, und haben können; kurz, Je plaudern so viel und schreyen so laut, daß man cnd. sich wohl selbst mistrauisch gegen den errungenen Beyfall werden müßte, wenn man nicht aus Erfahrung wüßte, daß der Neid sich zu allen Zeiten eben so geberdet hat. »Es ist doch wunderlich," sagt Mallere, „daß ihr »diejenigen Stücke tadelt, denen Alles zuströmt, und »nur diejenigen lobt, die vor leeren Bänken gespielt «werden." (L'eN 43 (L' eil une etrauZe cbose, c^us Vous conZamuier le» piece« oü tout je inouZs cuurt, et ue Zitier js- rusir Zu bieu, c^ue Ze celle; oü persouue ue VN.) *) »Cs giebt Leute mit der Kenner-Miene, 'die dem «Parterr allen Menschenverstand abiPrechen, und sich schäumen würden in seiner Gesellschaft zu lachen, wäre es „auch über die witzigsten Dinge von der Welt." (I!s tont Ze ces lbäellieurr Zu bei sir, c^ui ne veu- leut pss ^ue le parterre sit Zu leim commun, et c^ui leroient fsclie; Z' svoir ri svec jui, sut ce Ze Is lueil-- jeure cbote Zu luouZe.) „Ich möchte doch wohl wissen, ob die Erste Regel „aller Regeln nicht sie ist, zu gefallend und ob ein Stück, „welches diesen Zweck erreicht hat, nicht gut seyn müsse? „Soll denn ein ganzes Publikum sich irren? und ist denn „nicht ein Jeder der gültigste Richter über das Vergnügen „welches er empfunden?" (!e vouZrois bieu tavoir, ti ja ZranZe re^Is Ze routes ler reZlex, u' eli p28 Ze plsiie? et ti uus piece Ze tuoatre, (jui a aktrupe ce but, u' g psi suivi uu bou cbeluiu? Veut - on ^ue tout un public 5' »buks tut ces sorte; Ze cbosez? et ^ue cbucuu u' ^ loit pss juZe Zu plsilir ^u' il / preuä?) »Es *) Wenn ich den Bcwe'ßstclien, die ich, zur Beschämung einer schwer zu keschchiicnden Mcnschcnklassc, hier anführe, jedesmal Len chrundlext deyfügc, so geschieht cs, um zu zeigen, daß ich ihn nicht zu meinem DvrtkM »erdrche, sondern unverfälscht liefere. 44 »Cs wird endlich so weit kommen, daß wir nicht »mehr essen und trinken, oder irgend Etwas schmackhaft »finden dürfen, ohne die Erlaubniß der Herren Kunstlichter." (I§ou8 voila reckutts a ue nous plus croirs, et jur^u au ruauZer et au bm're, nvus n' oserou5 ^lus trouver rieu eie bou, laus 1e couZe cks ^leiHeurr le« Lxgertr.) »Es giebt Leute, die von Weisheit strotzen, und die „es sich selbst sehr übel nehmen würden, mit Andern ei» „nerley Meynung zu seyn, weil sie die Ehre haben wollen, zu entscheiden." (II ^ s cles Zeus c^ue Is trvp ck' cl^rit Ante, et c^ui seroieut In'eu Caches, cl'etre de, I' avi« e-er sutrer, xour avoir 1a Zloire 6e clecieler.) »Ein Werk zu verdammen, das dem Publiko gefallt, „halte ich für eben so schwer, als eines, zu vertheidigen, ^,das ihm mißfallt." (Io tieu5 suül dickicile 6e comhsttre un ouvraZe, huo Io xubliL a^rouvo, <^ue ck' er, cleseucire uu, <^u' il eou^amue.) „Wenn du ein Stück verhöhnst, das gefallen hat, so „tadelst du weniger die Kunst des Verfassers, als bas Ur« »theil derjenigen, die ihm Veyfall schenkten." (UtLHu' ou attac^ue uue^ieee, ^ui a eu cku luccer, n' cft co ^ax attacjuer plutüt 1e ju^emeut <1s ceux c^ui 1' out a^rouvee, ^ue 1' art cle eelui ^ui 1' a saite?) .-Es 45 ,,Cs giebt nur Eine über Alles erhabene Kritik, sagt »Marmontel, nemlich Sie ves Publikums. Was jene „Einzelnen betrift, die keine andere Ansprüche haben, als »ihre eigenen kecken Anmaßungen; so laßt man ihnen die „Freyheit, sich durch Selbstvertrauen zu hintergehcn; nur »müssen sie sich auf dieses Privilegium cinschranken." (II n' ^ 3 clc criti^ue universellernent stuperieuro cjue le public— a 1'eogrci cles pgrticuliers, <^ui n' ont ^ue cle« pretention; pour titre, ls libcrte cle so tromper Lvec consssnce eli uu privileZe, su^uel ilr äoivent ss dorner.) „Ist es nicht lächerlich, sagt Voltaire, keck zu be, »haupten: daß ein Stück, welches zu Paris und im allen »Nom gefallen hak, nicht hatte gefallen sollend ( — cie cli're avec Iisr6ieile, rjue ce c;ui s plü n karis et 6an8 I' sncienne I^oms, n' » pg8 elü plaire.) „Das Publikum, sagt Boileau, ist kein Richter, den »man belehren kann, oder der die Leidenschaften Anderer „zum Maaßstabe seines Urtheils nimmt. All' der Lärm, „alle die Schreibereyen, die gewöhnlich ein mit Beyfall »gekröntes Werk herabzuwürdigen streben, dienen nur, den „Beyfall zu vermehren, und das Verdienst auffallender zu „bezeichnen." (De public n' ell pr>8 un juZe, cju' on puisse corri- Aer, ni <^ui 1s reZls kur le8 passiouL cl' sutrui. Dout ce bruit, tou» ces ecrit«, c^ui sie sont orclinaireinent contre 6es ouvrsZe« ou l' on court, ne servent c^u' s ^ ssire encore plu8 courir, et ü en uiieux rnsr^uer ls merite.) „Die 46 ^Die Literatur. Zeitung mag immerhin bellen, das „ungelehrige Publikum chcharrt hartnäckig auf seiner Verwunderung." (s.' Acgöeini'e en Lorpz g beau le ceusurer, lb,e public: revolte r' obsiins a 1' aüinirer.) For'/earr. „Man weiß recht gut, sagt Helvetius, wie viele Mü- „he man sich giebt, diejenigen lächerlich darzustellen, die „als Schriftsteller Anspruch auf die Achtung ihrer Nation „machen: aber der Mann von Verdienst verachtet dieses „Bestreben, als eine Wirkung des Neides jener kleinen „Geister, die sich einbilden, daß, wenn Niemand Verdienst- „Proben ablegte, sie auch wohl glauben dürften, welches „zu besitzen, so gut als jeder Andere, und die daher nicht „leiden können, daß man solche Ansprüche geltend machet (Ou lait 1er ri6icu1e§ Hu' on s' elsorce 6e 6onnse a oeux, (jui prölLircient en ^uslile ei' sutsur« a 1' eiiiins cie leur Nation: inair ces riüiculex ne sont nulle iin- prekslon lur l'IlOinrne 6e merite, il les rsZarele com- ine un esset cke la jaloulie cle ces petit» esprit«, ^ui, r' imaZinant, c^us, l> personne ne saiioit preuve 6s rnsrike, ils pourroient 8' en croire autsnt c^u' a c^ui i^us ce soit, ne peuvent soulsrir ^u' on pro6uise 6e pareijs titres» Nun sehe man doch — ich bitte — gegen die großen Männer, deren Gedanken ich hier sammelte, den hochfah« renden Herren Huber austretrn, der dem Publikum auf jedem 4A jedem Titelblatt seiner zahlreichen Schriften immer ins Eedächtniß zu bringe» sucht, daß ein Schauspiel: das heimliche Gericht betitelt, cxistirt, und der es ihm gar nicht verzeihen kann, daß es, trotz der so oft wiederhvhlteir Erinnerungen, jenes Produkt, wenigstens auf der Bühn^ so kühl ausgenommen hat. „Es wäre schlimm," sagt er in der Recenston über die edle Lüge; „es wäre schlimm, wenn wir nicht auf „Zeiten zu hoffen hätten, wo man es unbegreiflich finden „wird, daß Menschenhaß und Reue auf unfern Bühnen „Epoche gemacht, und daß einem solchen Produkt beschießen war, worauf unsere LestcmKöpfe (namentlich Herr Huber) seit langer Zeit Verzicht gethan haben: Cnthustas; „mus bey unserm Publikum hervorzubringen." Ich wünsche dem Herrn Huber die beste Gesundheit, damit er jene frohen Zeiten erleben möge, auf welche er so rührend hoft; Zeiten, wo das Publikum nicht mehr so dumm scyn wird, jene schaalc, schülerhaft-! und unedle Lompositton, (denn so nennt er Menichenhaß und Reue) den kräftigen, meisterhaften und edlen Schauspielen des Herrn Huber vorzuziehen; wo feine langweilige Juliane, sein elendes Güce rettet, und wie die neuern Produkte alle heissen, mit denen er glücklicherweise nur die Buchläden überschwemmt, den höchsten Enthusiasmus Hervorbringen werden, auf den sein bester Ropf schon langst Ver» zicht gethan hat. Man ergötze sich doch einen Augenblick an dem Bilde, wie dieser unartige Rccensent — (denn wirklich seine Ausfälle 48 falle sind pöbelhaft, und verrathen nicht das geringste Gefühl für die Sittlichkeit, die man jedem, auch einem getadelten Schrift.keller, schuldig ist,) wie geschmeidig er wird, wenn von ihm selbst die Rede ist; wie sanft er sich streichelt; wie wohlgefällig er sich im Spiegel besieht. Zn seiner Vorrede zu dem Schauspiel: Güte rettet, gesteht er ein, daß man dem englischen Original eineVer- „ackläßigung und Bnntscheckigkeit des Dialogs, ein wildes Getreide in der -Handlung und eine grelle Uebertrei- bung der Charaktere mit Recht vorwerfen könne; bemohn» geachtet aber ist es ein herrliches Stück, das unstreitig, von Herrn Huber bearbeitet, auf unfern Bühnen das außerordentlichste Glück machen wird; denn Herr Huber hat die Fehler verbessert oder gemildert, er hat aus einem Hogarthifchen Gemahlde — man höre doch wie bescheiden — ein Lhodowieckifches Bild gemacht. Ich weiß nicht, wie die Engländer dieses Stück ausgenommen haben; ich weiß aber wohl, was HcrrHuber davon gesagt haben würde, wenn ich der Verfasser desselben wäre, und bedaure übrigens, daß er sich vergebens mit dem außerordentlichen Glück seines Pfleglings geschmeichelt hat. Er muß sich abermals mit der Hoffnung auf jene bessern Zeiten trösten, wo man auch das unbegreiflich finden wird. Der Leser aber werfe einen mitleidigen Blick auf den eitlen Mann, der, von Neid beherrscht, die dem Publikum schuldige Achtung so ganz vergißt, und ihm mit dürren Worren unter die Nase sagt: es lasse sich nur durch schale, schülerhafte und unedle Compositionen in Enthusiasmus siasmua versetzen. O über den Egoisten! — Muß uns da nicht Voltaire's schöne Apostrophe beyfallenr korx^u' su jeu c/u theatre, scusil c/e taut c!' ei^rit«, Oue ssticlie uouvel/e eutrsius tout karis, ()usuä Oufresus et Oo/Hu 6' uue voix attenc/rie, kout psrier Orormsue, ^Irire, Leuobis, ke spectsieur conteut, ^u' un beau trsit vient sai/ir, ksists couler cles pleurs, cusans 6e /ou plai/Ic; ku5us ciele/pcre, c^us ee pisiiir outra^s, kleure suüi 6sus uu coiu, insis /es ^leur« /out c/s rgAs z klr dien! psuvre sstli^e! /I cs /isAi'/e Iiouneur, 8i ce douireur 6' uu sukre s cisciu're tou cneur, ^»lek« ciu luoius s prostt le clrsAciu c^ui t' suims, Ic/sl ite uu toi succes, compo/e, e/kscs, liine; ke ?u!?Iic sppiaui/it sux veis ciu Zlorieux, kli ce uu s/lcout ^our toi? coursAe! ecris! sais mieux! /^ö//ar>e eis? suvre. Das heißt in einer freyen deutschen Uebersetzung: »Wenn ein neuer Anschlagzettel Wien, Hamburg undBer« »lin ins Schauspielhaus lockt, (eine Klippe, an der so manche Genies, und unter audern auch Herr Huber, gescheitert haben,) „wenn eine Unzelmann, ein Schröder, »mit rührender Stimme Eulalien oder den Oberpriester »reden lassen» so vergießt inr Zuschauer, auf den eineschö- O «ne zo „ne Stelle würkt, Thranen, die das Vergnügen ihm aus» »preßt. Der verzweifelnde Huber» dem dieses Vergnü- »gen eine Marter ist, weint auch in einem Winkel, aber „es find Thronen der Wuth. — Wohlan, armer Huber! „wenn diese gebrechliche Ehre, dieß Glück eines Andern „dein Herz zerreißt, so ziehe mindestens Vortheil aus deinem Kummer, verdiene einen ähnlichen Veyfall; dichte, „feile, und vor allen Dingen streiche aus. Dem Publikum „gefallt Menschenhaß und Reue; ist das eine Beleidigung „für dich? wohlan, fasse Muth! schreibe! mach'es besser!" — Aber nimm es mir nicht übel, daß, so lange ich mit Meliere auSrufcn kann: ?i'eL 0 Hu' eri pIulieuk-8 lieux on fronte, käsis oü partout vs taut cie monäe, ich deine ohnmächtige Wuth nicht achten werde. „Die be« „sie Antwort," sagt eben jener große D-chter, „welche „man den Necensemen geben kann, ist ein neues Schau- „spiel, welches so wie alle übrigen Deyfall erhält." Diese Antwort haben die Herren schon oft von mir erhalten, aber dennoch die Hofnung noch nicht aufgegebcn, das Publikum ju überreden, daß es einen erbärmlichen Geschmack besizt. „Eitel" — sagte die Literatur-Zeitung im Marz 1-^94, und sprach sich ihr eignes Urtheil — „Eitel sind auch bey „andern Nationen oft die besten Schriftsteller; allein der „anmaßliche impertinente Ton, in welchem nicht b-'os „Knaben und Stümper, sondern viele sonst würklich Hute »Köpft, und manche betagte trefiiche Schriftsteller, zum »Publft 5i «Publikum sprechen, — dieser Ton ist außer Deutschland «ganz unerhört." In der Literatur-Zeitung ist dieser anmaßlkcke im» pertinente Ton bekanntlich zu Hause. Uebcrall Geringschätzung des Publikums, sobald es nicht glauben will, was sie glaubt. Wagt es, seinen Beifall zu äußern, ehe eS vom Herrn Vormund Erlaubnis; dazu erhalten; so höißt es nicht wehr Publikum, sondern großer-Haufe. Alle die Menschen, zum Exempel, die in den vornehmsten Städten Deutschlands, bey Aufführung meiner Stücke, Parterre und Logen füllen, lachen und weinen, loben^und klatschen; die sind nicht das Publikum, sondern der große -Haufe. Aber da hinten steht Einer in der Ecke, und grinzt und kaut an den Nageln — aha! Verist das Publikum! der bewahrt in seinem Busen das reine Feuer des achten Geschmacks.' Zwar, jezt wird er vom großen Haufen überschrien, und spitzt vergebens den Mund, um zu pfeifen; aber harret nur, Morgen ftzt er sich nieder und schreibt eine Rcccnsion für die Literatur. Zeitung, und beweist euch mit vornehmen Lächeln, daß ihr Alle Dummköpfe wäret. Ein verwegener Spott ist es, wenn die Recenfenten sich denn doch zuweilen auf das Publikum, als den obersten Riclwer, berufen, ein Richter, dem sie alle Augenblicke selbst vorwcrfeu, daß er nicht zu richten verstehe. Das thun sie aber auch nur, wenn sie in großer Noch sind; so wie vormals die Päbste den griechischen Kayser zu Hülfe zu rufen pflegten, wenn sie überall gedrängt wurden, ob sie gleich sonst seiner ObcrherrschaA spotteten. D - Im 52 Im Jntelligenzblatt des Januars 179;. findet man ein solches merkwürdiges Recensentenbekeniilniß. »Ich „weiß nur zu gut," sagt er, »daß der Abstand des Au« „tors und Recensenten, von dem gemeinschaftlichen Rich' „ter, dem Publiko, gleich weit ist." Sehr wohl! wenn nun aber das Publikum diese schonen Worte würklich für Ernst nimmt, und sich jum Rich« ter zwischen Autor und Recensenten aufwirft, so wird auf Einmal ein großer -Haufe daraus, dessen Stimme ungültig ist. — So sagt mir doch, ich bitte Euch! wie soll denn das Publikum seinen Nichterspruch bekannt machen? — ich weiß, bey den Göttern! keine andere Art, als die des lauten Beifalls oder Mißfallens. Wenn es dieses oder jenen äußert, so hat es wirklich entschieden, worauf ihr euch demüthig verbeugen und abtreten solltet. Thut ihr das nicht, so ist es ja offenbare Spiegelfechter^ mit eu- rer Ehrfurcht vor dem Publikum, und ihr zeigt klar, daß ihr nur euch selbst für den obersten Richter haltet. Wenn ich einen Ehstnischen Amtmann sehe, (ras heißt hier zu Lande einen Oekonomicverwolter auf einem üblichen Gute,) wenn ich gewahr werde, wie streng er, so oft es unbemerkt geschehen kann, den armen Bauer züchtigt, der es wagte, sich über ihn bey der Gutsherrschast zu beschweren, so fallt mir immer der Recenscnt ein, der es dem Schriftsteller zum Verbrechen anrechnet, sich auf eine höhere Autorität zu berufen, und ich sehe zwischen beiden keinen anvern Unterschied, als den r der Amtmann n wmt sich in Acht, seinen Unfug im Angesicht des Gutsherrn zu trci- 5Z treiben; der Recensent hingegen ist so unverschämt, unter den Augen des Publikums dessen Gewalt zu spotten. So haben die Herren es mir zuweilen sehr übclgenom- men, wenn ich auf den Beyfall des Publikums trotzte. Wenn man sie hört, sollte man glauben, die Erste Pflicht eines Schriftstellers, der das Unglück hat, dem Publikum zu gefallen» sty die: die Feder niederzulegen. Mich deucht aber: das Publikum wurde mit mehreren: Rechte cs mir verargen, wenn meine Schauspiele ihm mißbehagten, und ich dagegen auf den Deyfall der Rcccnsenten pochte; ein Fall, in welchem Herr Huber und seines Gleichen sich be- finden. Zwar weiß ich recht gut, daß diejenigen, die sich aufdas Zusauchzcn der Menge verlassen, jenen ro'niischcnKaysern gleichen, die nach einer Regierung von wenigenJahren oder weni. gen Tagen, von den nchmlichen Legionen ermordet wurden, denen sie ihre Erhebung verdankten, und diese Wahrheit führt mich auf die Untersuchung: in welchen Fällen eigentlich ein lauter Bexfall für Ven wahren Werth eines Sra- marisckcn Dichters bcweißt ^ eine Untersuchung, die von sammtiichen Herren Recensentcn bis jezt sehr geflissentlich vermieden worden, weil sie freylich nichts dabcy 'gewinnen können. Ein Schauspiel würkt entweder auf die Sinne, durch äußern Prunk, Feerepen, Turniere, Gespenster, Soldaten, DLeorationen, Gesang und Musik; oder auf ven Ver. stanv, durch Lebcnöphüosophie, Sentenzen und Reflexiv - D Z neu; 54 nen; odör ans dag-Her», durch Schilderung edler Züge, rührender S-tuationen, häuslichen Glücks, unterdrückter Rechtschaffenheit u. s. w. Eine vierte Art der Würknng kenne ick' nicht. Wenn ich also höre: der Enthusiasmus des Publikums ist für dieses oder jenes Stück entbrannt! so frage ich sogleich: zu welcher Gattung zahlt man das Stück? — Wird mir hierauf zur Antwort: es heißt Klara von Hohcneichen, oder Walltron, oder die Zauberflöte; so schlage ich mich auf die Seite der Necensemen, und traue dem Unheil des Publikums nicht auf Ein Haar, denn seine Sinnlichkeit ist bloS gefesselt und bestochen worden. Hier tritt also der Fall ein, wo man mit Huber auf die bessern Zeiten hoffen darf, und selten lange vergebens hofft. Erfahre ich hingegen: das Stück wird gespielt ohne Sang und Klang; cs kommen weder Ritter noch Geister darin vor; so schließe ich daraus, und nie mit Unrecht, es müsse auf den Verstand, mehr aber noch ans das -Her? würken, (Denn den blos verständigen oder geist. reichen Stucken geht cs wie Göthes Iphigenie, Hubers heimlichen Gericht u. s. w., man erkennt ihren Werth, aber man sieht sie nicht oft, weil die Genüsse der Vernunft weniger reizend sind, als die des Gefühls, und weil Bewunderung immer kalt bleibt) In solchen Fallen also ist mir der Enthusiasmus des Publikums ehrwürdig, und der Gegenstand desselben muß innern Werth haben; denn cs wird wohl Niemand so kühn skyn, zu behaupten, daß man auf Verstand und H-rj 55 Herz vieler Tausende durch Zoten oder Possen winken könne. — Ich fooere das ganze Heer der Recensentcn auf, mir, was ich hier gesagt, gründlich zu widerlegen. „Halt!" höre ich Einen aus der Zunft triumphircnd ausruscn: „ich will durch ein Einziges ssaöium dich kräf. „rigst widerlegen. Sieh hier die Griginalromane der „Deutschen; sic sind bis zu vierzig Länden angewacbscn; „folglich kauft und liest sie daSPudlicum, und das ist doch „wohl ein fouoerai'ncr Beweist für die Ungültigkeit seines „Urtheils?" Um Verzeihung, bas bcweißt gar nichts; der Rccen« scnt müßte denn eine Zahl von etwa ;oo Personen, zur Würde des Publikums erheben. Denn wer mit dem Buchhandel nur Etwas bekannt ist, der wird wissen, daß, wenn der Verleger ein geringes Honorarium zahlt, er bcy einem Absatz von zc-o Exemplarien schon ansehnlich ge. winnt: und folglich kann ein solches Bandereiches Werk wohl in seiner Mittelmäßigkeit bestehen, ohne seine Fortdauer dem eigentlichen Publico zu verdanken: die Lcsecabi- nctke in Deutschland sind allein hinlänglich ihm seine Existenz zu verbürgen, weil sie Alles anschaffcn mästen, um vollständig zu seyn. Ein Anderes wäre es, wenn der Rc- cenftnt beweisen könnte, daß die Griginalromane der Deurschcn mehrere starke Auflagen erlebt, daß sie »ach- gedruckt, in fremde Sprachen übersetzt worden; dann würde er mit Recht über das seichte Publicum spotten. In der Literaturzeitung vom März 96. werden Iff- lands, Schauspiele gelobt, und wer stimmt nicht gern in D 4 die. dieses Lob mit ein? Jffland ist ein liebenswürdiger Dichter, treu der Natur, und unerschöpflich in rührenden Darstellungen häuslicher, interessant«r Situationen. Das sage ich aus der Fülle meines Herzens, und das Urtheil eines Nebenbuhlers ist gewiß unbestochcn. Aber wenn ein Recensent den Umstand erwähnt: daß Jfflands Stücke oft gespielt werden, und daraus den Schluß zieht, daß sich für Sie Fortschritte Ves reine,, Geschmacks viel angenehmes hoffen lasse; so schließt er inconsequem; denn meine Stücke werden wenigstens eben so oft gespielt als Jene. Da nun aber das, wie die Recenftnttn wollen, gerade gegen den Geschmack des Publikums beweißt, so folgt daraus, daß das Publicum zugleich Fortschritte und zugleich Rückschritte lhut, und daß also der Recen- scnt etwas Albernes gesagt hat. Ich glaube hinlänglich erwiesen zu haben, daß die Literaturzeitung , in Rücksicht auf das Publicum, zu de», jenigen Freunden gehört, die die besten, nachgiebigsten Leute von der Welt sind, so lange man ihnen Recht giebt; mit denen man aber plötzlich zerfallt, so bald man cs wagt, ihnen zu widersprechen. Sie hat keinen andern Maasstab für fremdes Verdienst, als ihr eignes Urtheil, und wer das nicht unterschreibt, der ist ein Dummkopf. Wohlan! wenn ihr Urtheil doch nur immer gleichlautend wäre; wenn es sich nicht so oft widerspräche; wenn sie einerlei) Sache nicht hier tadelte und dort lobte; wenn man ihr Institut als ein Ganzes betrachten könnte, in dem überall der nehmliche Geist weht: so würde man ihr ihr ein wenig Anmaßung zu Gute halten. Aber weit gefehlt! sie wird vielmehr größtenthcils blos von Leiden» schäften, oder änsiern Rücksichten auf Rang, Stand und sonstige Verbindungen beherrscht. Da man Beschuldigun- gen, die so hart klingen, nickt, wie die Likeralmzeitung zu lhun pflegt, ohne Bcweiß hinwerfen darf; so will ich auch hiervon einige Proben liefern. Sechstes Fragment. Widersprüche der Litcraturzeitung. 52 December 1790 recensirte die Litcraturzeitung Herrn Echincks dramaturgische Monate, und sagte unter andern: »Die Beurtheilung von Menschenhaß und Reue ist nach »allen Rücksichten, die Einheit des Gefühls, Begriffe des „Wahren und Schönen, und Zweck der dramatischen Dichtkunst angeben, meisterlich gearbeitet. Hr. v. Kotzebue »erregt Aufsehen und verdient es ;n erregen. Um so mehr »muß die Kritik wachen, damit nicht das inntstorurn »pecu; gerade seine Vernachläßigungen für das Verdienst »achte welches Aufsehn erregt, und unsere Bühne mit gro. »testen Lächerlichkeiten überhäufe. Diese Pflicht der Kri- »lik ist nun hier mit der Achtung ausgcübt, die man Hr. »v. K. schuldig ist." Das heißt mit andern Worten: Die Literaturzeitung unterschreibt jenes Urthefl, da sie selbst es meisterhaft D 5 nennt nennt. — Und was sagt Hr. Schinck dort in den drama« turgischcn Monaten? — Es wurde eitel scheinen, wenn ich die Ersten paar Seiten wollte abdruckcn lassen; also nur so viel als nöthiz ist, um von diesem so laut gebilligten Unheil einen Begriff zu geben. Hr. Schinck erzählt vorläufig, welche allgemeine Scnsazion Menschenhaß und Reue bey allen Publikums hervorgebracht, und fährt dann fort: „Vcweiß genug, daß es diesem Schauspiele nicht an „wahren und großen Schönheiten fehlen müsse. So ist „cs denn auch würklich. Der Verfasser — besitzt die „hervorspringendstcn Dichtertalente — hat eine sehr ftu- „rige, lebhafte Imagination, glückliche Darstellungsgabe, „Neuheit in den Characreren, feine Wahl der Situazionen, „treffenden Witz und leichten Dialog, u. s. w.« Hr. Huber hingegen hofft sehnsuchtsvoll auf die bes. fern Zeiten, wo man jene allgemeine Eensazion unbegreiflich finden wird; weil er vergessen hak, daß die Literaturzeitung ein Paar Jahre vorher selbst gesteht: ick hätte verdient Auffehn zu erregen. Er spricht mir jedes Talent ab, nennt meine Composizion schal, schülerhaft uns unedel, und sündigt schon durch diese unedcln Ausdrücke gegen die Achtung die man mir schuldig ist. Hr. S. ge- sieht mir Neuheit in den Characteren zu; Hr. H. nennt es einen lügenhaften Anstrich von Gefühl und Vriginalitäc. Hr. S. lobt die feine Wahl der Situazionen, Hr. H. nennt EulalienS Reue platt und spricht von meinem gewöhnlichen Mangel an Geschmack. Hr. S. mepnt, ich verstehe einen leichten Dialog zu schreiben; Hr. H. nennt ihn (in der Rccension des Papagoys) plump, steif und scbüler. h«ft. Hr. S. endlich sagt: ich hatte die wirksame Vermi. sckung des Rührenden und Lächerlichen glücklich zu benutzen gewußt; Hr.' H. nennt es: eine Zwftrerart Ser Runst, ein weinerlich possenhaftes Schauspiel. Hat man wohl jemals zwey widersprechendere Ve» urtheilungen gelesen? Und beyde sind von der Literaturzei« tung gebilligt worden, die Eine, indem sie sie laut für meisterhaft erkannte; die Andere, indem sic sieeinrückte. Wem soll ich nun glauben? — nach welchem Unheil soll ich mich richten? — nach dem von 1790? oder dem von 1792? wessen Ausspruch hat mehr Gewicht in der literarischen Welt? der des Hr. Huber? oder der des Hr. Schinck? Wenn ich die Literaturzeitung um den Zweck ihres Daseyns befrage, so wird sie mir vornehm antworten: Berichtigung des Kunstgefühls, Ausbreitung eines achten Geschmacks u. s. w. Nun ist aber Einheit des Ganzen ein unbezweiftltes Grundgesetz für alle die Gesellschaften, die auf einen gewissen Zweck hinarbeiten; es muß nur Ein Geist athmen in Allem was sie unternimmt; es muß nur Line Seele alle ihre Glieder beherrschen. Sobald diese Einheit mangelt, sobald fallt auch das Zutrauen des Publikums weg. Cs ist nicht mehr ein Rickrerstuhl, der nach festbestchenden Gesetzen spricht; sondern es sind zehn oder zwanzig einzelne Männer, die da loben oder tadeln, nachdem sie es mehr oder weniger verstehen, besser oder schlechter verdaut haben. Es Hc> Es ist mir daher unbegreiflich, wie die L. Z. im Jn- tell B^att vom azsten Novbr. 179;. bchauptcn konnte: „Der Verfasser einer Neccnsion in Issro. 180. könne keine „Notiz nehmen von einer 26 Stücke spakern Rcccnsion, „die einen andern Verfasser hat." Heißt das nicht mit andern Worten: wir raffen Ur< theile zusammen, so wie sie uns vor die Hand kommen; wir sagen heute Ja und morgen Nein, denn wir haben keinen festen Plan, und wenn wir in issro. i. streicheln, so ist es uns deshalb unverwehrt, in ^'ro. 26. zu kratzen. Ich hingegen meyne, daß jener andere Verfasser; oder wenigstens der Herr Redacteur, wohl Hütte von istrv. 180. Notiz nehmen können und sollen; denn schon das majestätische wir, dessen sich die Rccensentcn bedienen, legt ihnen die Pflicht auf, Alle aus Einem Tone zu sprechen, weil sonst gar keine vernünftige Ursache diescrAffecla- tion gedenkbar ist. Das Urtheil des Recensentcn, als einzelne Person betrachtet, (und so will ja die L. Z. ihn hier selbst betrachtet haben,) ist mir, wenn cs gegen mein eignes Urtheil streitet, nichts werrh; weil es sehr natürlichist, daß, wenn ich eine Sache schön finde, und ein Anonymus findet sie nicht schön, ich meinem Urtheile mehr traue. Nur in so fern ich das Scinige als den Ausfluß einer ganzen Gesellschaft verehre, die aus den hellsten Köpfen besteht, oder gleichsam als das Protocoll dieser Gesellschaft; nur in so fern kann es mein eignes Urtheil über- wiegcn. — Nimmt frcplich der Anonymus die Larve ab, und cs kommt etwa ein Schiller zum Vorschein, ja dann dann wird man mit Recht mißtrauisch gegen eigene Schriftsteller - Eitelkeit; so lange es aber nur ein verkappter Huber oder Friedrich Schulz bleibt, so lange besteht der Grundsatz: Die Literatur-Zeitung kann nur Autorität haben, in so fern sie als ein Gesetzbuch Ves Geschmacks betrachtet wird. Giebt es aber wohl ein Gesetzbuch, das sich alle Augenblicke widerspricht? und wo man sich damit entschuldigen darf: „der Manu, der da§ Gesetz rssro. „machte, konnte keine Notiz von dem Verfasser des Ge- „setzes 216. nehmen." So, zum Beyspiel', hat sich die L. Z. mehrmals spöttelnd, und nicht selten auch mit hämischen Seitenblicken auf den sittlichen Charakter des Verfassers, gegen die gefallenen Mädchen in einigen meiner Schauspiele erklärt, und mir die tolerante Schilderung dieser unglücklichen Geschöpfe als Sittcnverdcrbniß vorgerückt. Billig sollte man daher von den gestrengen Herren Moralisten erwar, ten, daß sie eine ähnliche Sprache führen würden, so oft ihnen etwas ähnliches aufstößt. Nun höre man aber, wie sie in der Recension über das Vermächtnis an Helenen von ihrem Vater, nebft einer Vorrede von Rnigge, sich unerwartet menschenfreundlich äußern: „Ein eignes Kapitel," sagen sie, „hat „er der Toleranz gegen gefallene Mädchen gewidmet, wel> „ches strengen Sittenrichterinnca schon darum zu empfehlen ist, weil sie den schlüpfrigen Weg, auf welchem man ,,zum Falle gelangt, daraus kennen lernen können." Ohne 6s Ohne mkch dabey aufzuhalten, daß dies kennen kernen können eine abscheuliche Cacophonie ist, die mir das Ohr zerreißt, will ich nur bemerken, daß diese mmliche Entschuldigung sich, und vielleicht mir mehrerm Rechte, auf meine Schauspiele anwcndcn ließe, und baß es abermals ein harter, und von der Partheylichkeit erzeugter Widerspruch ist, die Toleranz Lines Schriftstellers anzu- pceiftn, und die des Andern zu verspotten. Noch ein Pröbgen von der behenden Art, mit welcher die Literatur-Zeitung über Manches, waS sie nicht rügen mag, leise hinweg zu gleiten weiß. Ju der Reccn- 'sinn eines elenden Trauerspiels, Bianca und Enrico, sagt sie unter andern: „Heinrich handelt ganz als enthusiastischer Liebhaber, und es ist daher kein Wunder, wenn er „der vermählten Bianca dennoch zumuthet, sich mit ihm „zu verbinden, und sich durch den Ersten besten Rathgeber „zu gewaltsamen Nathschlagen hinreissen laßt.« — Das ist freylich kein Wunder; aber daß die L. Z. in ewigem Wi> bcrspruch mit sich selbst, ihr: eigenen strengen Grundsatz; vergißt; daß sie Moralität empfiehlt, über verletzte Moralität schrcyt; daß sie dann doch den Einen Schriftsteller sanft durchschlüpfen läßt, indeffeu sie über den Andern ihr steiniget ibn l ausruft, und dein allen ohngeachtet noch gelesen, noch von manchem mit blindem Zutrauen beehrt wird — Vas ist ein Wunder! Alles gewinnt bey ihr ein anderes Ansehn, sobald sir den Verfasser kennt, und mit ihm in Verbindung steht. Ich will nur noch einen einzigen kleinen aber insirucrifen Zug Zug ber ühren, der dieser Behauptung zum Belege dient. In der Recension der Horen wird es kräftigst verrheidigt, daß gewisse Gedichte in den Horen Elegieen genannt werden, ob man gleich zugestebt, daß sie keine Eiegiccu sind; und auf dem ncmlicben Blatte wird cs einem andern ar« men Teufel sehr verargt, daß er sich unterstanden hak, sei« ne Wiegenlieder Serenaden zu taufen. Wahrhaftig! all' euer Geschwätz ist eine Serenade, die ihr euren Götzen bringt, und man möchte eine Elegie auf die Verblendung der Leser machen, die sich durch Euren anmaßlichen impertinenten Ton lauschen lassen. Siebentes Fragment. Noch ein Wörtgcn über Herrn Huber. D° )as kritische Genie dieses wackcrn Mannes beschrankt sich ans;wey kleine Künste. Die Erste ist, daß, wenn er sich nicht zuchelftn weiß, und doch gern etwas sagen möchte, was die Ohren füllt, er eine Menge Worte hin« schreibt, die er selbst nicht versteht, und sie, um seine eigenen dunkeln Vorstellungen zu bemänteln, mit dem Bei-» wörtlein gewisser oder gewisse, oder auch eine Art von, verziert und ausstattet. So findet ihr (Hubers vermischte Schriften ster Theil) p. iz. ein gewisses Lnjouomeut; x. 15. eine gewisse Einseitigkeit; p. ly. eine gewisse Im- passibilität; p. 2t. eine gewisse Resignation; p. zo. ein gewisses idcalisches Kostüm; p. zz. cineArk von Schmerz und 64 und eine Act von Vollkommenheit; p. Z4- eine gewisse Abspannung; x>. Z?. eine Art von V-rhangniß; p. 4;. eine gewisse Humanität; p. 50. eine Art von negativem Elend; s>- 55. ein gewisser sinn.'icher Eindruck und eine Art von Ergötzlichkcit; p. 56. gewisse Federungen; p. 64. eine gewisse Linootsinckl; 72. ein gewisser Aout ciu terroir; p. 99. eine Art von Darstellung; p>. 104. eine gewisse Unbestimmtheit; p. 114. eine Art von Huldigung; ,2i. eine gewisse Kalte und Trockenheit; 127. eine gewisse Simplizität; ,26. ein gewisser Llario« na!» Lbarakcer; p. 128. ein gewisser negativer Sinn; p>. Igo. eine gewisse sittliche Liebenswürdigkeit; 1)4. eine Art von Vollendung; iz?. eine Art von Verdienst; IZ9- Gewisse Theaterkünste; p. eine gewisse Individualität; p. ,68-eine Arc von edlerer Rührung; x. l8;. eine gewisse Schwerfälligkeit; u. s. w. Wenn es einem Criticus, dessen Erstes Bestreben Bcsiimincheit ftyn sollte, erlaubt ist, fast auf jede Seite einen unbestimmten dunkeln Dcgrif hinzuwcrfcn, so ist das Critisiren freylich sehr leicht. Vcrmuthüch ist die Rccen« sion des Lustspiels hon Kon, in der L. Z. (den 28stcn Ju- i") 95 -) auch von Herrn Huber; denn in diesem Lustspiele soll ein gewisser liberaler Geist herrschen, und nur ein Huber konnte eine solche dunkle Albernheit dem Publikum für etwas tiefgedachtes aufdringen wollen. Der zweyte Kunstgriff, dessen sich dieser Mann bedient, ist die Aufhäufung von Superlakifen, die den Leser gleichsam betäuben sollen, wie -^aAcn und Trompe- ten, 6z ten, mit denen ein schlechter Komponist seine Symphonie ausfüllt. Da findet man z.B. in eilfZeilen: (S. 144.) unvergleichlichst — höchst — feinst — sanftest — rührendst -— oder S- 90. in sieben Zeilen: höchst — reinst— unbedingtest — innigst — ruhigst — einfachst —. Ich habe warlich nur ein paar Beyspicle gewählt, dst- mir eben in die Augen fallen, ich könnte sie aber eben so anhauftn, wie Hr. H. seine Superlakiftu. Zieht man sei. neu Rccensionen das Gewisse, die Arc und die Superla- tiftn aus, so bleibt ein sehr mageres Gerippe übrig, das nur noch mit einigen Lappen von Eitelkeit und Selbstvertrauen behängen ist. Seite 90. gesteht er, daß Deutschland die höhere Kritik, wie er sie nennt, (das heißt: seine Kritik,) nicht bedürfe, und schrankt sich daher bescheiden darauf ein, Eoerhe's Muse ein Denkmal für dieAukunft zu setzen. Das kommt mir gerade so vor, als wenn Löschenkohl die Kay- serlichc Familie in Kupfer sticht, um ihr ein Denkmal für die Zukunft zu errichten. Auch Jsflands Spiel, als Franz Moor, ve.fpricht er S. 28 k zu verewigen, und ihn dadurch für das Flüchtige seiner Kunst schadlos zu halten. Es ist schwer, die Eitelkeit höher zu treiben. S. 6. macht er dem Publikum das höfliche Kompliment, daß es wahres Verdienst nicht zu schätzen wisse, wie die Engländer und Franzosen, weil mau ohne wahres Der. dienst vor ihm austretcn, und auf Bcyfal! hoffen dürfe. Er thut daher mit stolzer (ja wohl stolzer!) selbstbewust« E rer D, i'-'h- 66 ter Bescheidenheit Vcrzi'ckt darauf, nach Aussen bin ?n würfen» meyiit aber» sein Eifer werde ihn cnslich mit Ser Eroberung belohnen» Ser er entsage batte. Wer möchte wohl so unbarmherzig seyn, ihm Viesen Trost zu rauben! S. H5- wirft er dem armen Publikum abermals Indolenz und Unempfänglicbkeic für jedes Kunstwerk vor. S. 7 . sagt er etwas wahres, indem er die Bestimmtheit (die ihm gänzlich mangelt) für einen» kritischen wer« ken unentbehrlichen Vortbeil halt, und daher für nölhjg erachtet, eine mittlere Linie der Bildung anzunchmen, und zu fingiren. — Freylich Ware cs zu wünschen, daß die Mitarbeiter eines Werkes w e die L. Z. sich über einen gewissen Standpunkt vereinigten» aus dem sie Werke des Geschmacks beurtheilen wollen, damit nicht der Eine zu viel und der Andere zu wenig fodere; damit nicht der Eine ein schaales Produkt, wie die Gedichte des Herrn Jhlee, sanft durchschlüpfen lasse, indessen der Andere ein achtes Kind des Genies nackend entkleidet, um irgendwo einen verborgenen Fehler aufznspüren; kurz, damit Einheit in der L. Z. herrsche» an der sie so großen Mangel leidet. Wir wollen aber billig seyn, und eingestehn, daß es ein ange» bohrner Fehler ist » den sie mit allen ihren Schw-siern gemein hat, und habeu wird; und daß, so lange man nicht für die schönen Künste Maas uns Gewicht erfindet, so daß Jeder, der diese besitzt, sich nur hinstcllen und messen oder wiegen darf, jene mittlere Linie Oer Bildung eine Schimäre bleibt. S. 14 67 S. 14. sagt er: die Kritik müsse alles Elende mit Fe»er und Schwerdt verfolgen, das unvollendete Talent hingegen nicht durch absolute Machtsprüche erbittern und Niederschlagen, sondern durch motivirten Tadel ermuntern und belehren« Cr greift in seinen Busen, und frage srch: ob er nach den Proben, die ich von seinen absoluten Macht« sprächen gegeben, wohl behaupten dürfe, diese Regel be« folgt zu haben? S. 22. schleift er abermals einen Dolch gegen sich selbst. „Einseitigkeit und Unempfänglichkeit," sagt er, „können decIllusion im Wege sichen; aber wenn derDich« „tcr das Seinige that, um sic zu verdienen; wenn er der „Wahrheit und Natur in diesem bestimmten Kreise getreu „blieb; wenn das, was er gewann, bey der angenomme« „ncn Manier, dem, was man erwartete, die Wage halt; „wenn es nur Verwöhnung an andere Formen ist, was „'der Würkung seines Kunstwerks im Wege sieht; wenn „aus der ftinigcn ein Ganzes hcrvorkritt, geschmückt mit „Anmuth und Schönheit; so ist es nicht das ächte Lunst« „gcfälch das sie verwirft; so ist er berechtigt, die Freyheit „der Phantasie gegen die eigenmächtige VMknhr eines bs< „schränkten Geschmackes geltend Zu machen.« Merken Sie sich das, mein einseitiger, unempfanz« sicher, an andere Formen verwohnter Herr Huber! und entsagen Sie dem Vorhaben, Ihren beschränkten Geschmack gegen die Freyheit der Phantasie geltend machen zu wollen. L 2 «Es 68 »Es ist keine ganz ungegründete Ausstellung gegen »unsere dramatische Kunst," heiße cs C- 79., »daß fast »keines ihrer Meisterstücke den Bedürfnissen derSchaubüh- „ne ganz entspricht, da hingegen an unfern aufführbaren »Stücken die Kunst so viel vermißt." Hier hat Hr. H. Recht, nur weiß er nicht, warum er Recht hat? warum so wenige unserer Meisterstücke für die Bühne taugen? — weil sie unpopulär sind; weil sie einen hohen Grad von Bildung, und einen noch höher» von schneller Lassimgskrafr voranssetzcn, welche Eigen« schäften man weder in Deutschland, noch sonst irgendwo in Europa, bey einem zahlreichen und gemischten Publikum voraussetzen darf. Das ist also ein wesentlicher Fehler jener Stücke, in so fern sie würklich zur A'uffübcung bestimmt sind, und die Ve fasscr haben daher sehr Unrecht, über verdorbenen Geschmack zu schreyen, wo cs blos ihre Schuld war, wenn sie sich zu dem Publikum der Schauspiele, das heißt, zu einem gemijchren Publikum, nicht herablaffen konnten oder mochten. Ein Dichter, wird man mir einwenden, muß sein Publikum zu sich binauftieke».^ — Das mag von man« cher Gattung gelten, aber warlich nickt vom Schauspiel. Eine zweckmäßige Predigt muß faßlich siyn fürJcdermann, so auch ein zweckmäßiges Schauspiel, das so nahe mit der Predigt verwandt ist. Ich wage daher zu behaupten: das für die öffentliche Darstellung bestimmte Schauspiel, dürfe nicht allein sich gewisse Nachlässigkeiten erlauben, sondern müsse es sogar, Westseite höhere, tadellose Schönheit sich Y'cht nicht mit «'einem Zweck vereinigen läßt. Dieser Zweck ist nicht, ein Tiseal Ver Lunst hervorzubringen, sondern durch angenehme Unterhaltung die Sitten zu bessern und moralische l? cfühle zu wecken. Der Schau^pieldichtcr ist im eigentlichsten Verstände Volksoichter, und eben so wenig als Zollikofer philosophische Floskeln unter seine Predigten gemischt haben würde, wenn er Kant unter seinen Zuhörern gewußt hätte; eben so wenig dai f Jener auf den verwöhnten, oder, wenn man will, verfeinerten Geschmack der Kunstlichter Rücksicht nehmen. Muß er gleich auf den unverwelklichen Lorbeer Verzicht thnn, so lohnt ihm doch der Rosenkranz der Liebe, der, trotz seiner Dornen, und so leicht er auch verwelken mag, doch den Lorbeer wohl noch aufwiegt. Ich will, weil doch Einmal von Herrn Huber die Rede ist, an seinem eigenen Meisterstück, an dem heimlichen Gericht, ein Beyspiel geben, um» was ich gesagt, zu erläutern. Dieses Stück hat würklich unleugbare Schönheiten, aber es ist viel zu unpopulär für die Bühne. Bernhards drei) Heiken lange Rede in der 2tcn Scene des 4tenActs; des Crzbischoffs zwei) Seiten langes philoso- phisetws Raisonncment in der gten Scene desselben Acts; Arlheims fünf Seiten lange Entwickelung des Ordcnsgci« stes in der 6 ten Scene des ;ten Acts u. s. w. passen, trotz aller ihrer Schönheiten, nicht in ein Schauspiel für die Bühne. Man werfe doch einen Blick auf die Zuschauer: hier ein Geschäftsmann, der Erhohlung, dort eine Dame, die Zerstreuung sucht; hier ein guter Bürger mit träger E z , Fassungs« ?c> Fassungskraft, dort ein flüchtiger Jüngling, dessen Auf' meiksamkeit schwer zu fesseln ist; hier ein Hofmann, der ein paar Ckuiiden tobten will, dort ein Mäbgen, zu dessen Kopfe der Weg nur durch das Her; führt ». s. w. welcher von Allen, ich biete euch, wirb (wenn auch seine Bildung dazu vinrcichke,) dem Verfasser dasjenige in Einer Minute Nachdenken, wozu Jener vielleicht eine Stunde brauchte, cs hervorzubrmgen? — Man will unterhalten und belehrt seyn, aber ohne große Anstrengung, und nur unter der Bedingung, daß es »»merklich geschehe, erlaubt man dem Voiksdichrer, auch die Ropfe seiner Zuhörer in Thatigkeit zu setzen. Sie dürfen gleichsam nicht gewahr werden, daß sie denken. Muthct man ihnen hingegen zu, eine Abhandlung, wie die des Erzbischoffs, mit starrer Aufmerksamkeit zu verfolgen, wo mehrere philosophische Gedanken in wenige Perioden jusammengcpreßt, und in Einer kurzen Minute vorgetragen werden; so flirrt es ihnen vor den Augen; es bleiben nur dunkle, schwankende Ideen zurück; dasPe- wußtseyn, nicht ganz gefaßt zu haben, erregt Unbehag» lichkeit; die auf leicht errungenen Lohn Anspruch machende Aufmerksamkeit ermattet — man gähnt — lobt das Stück — und ficht cs nicht wieder. So ist es dem heimlichen Gericht ergangen, überall wo man es zu spielen wagte, und so mußte es ihm ergehn, weil sein Verfasser kein Volksdickuer war. Verachtet er vielleicht diesen Namen; hat er kein Volksdichtcr seyn wollen, und nur nach dem Beyfall der Kritiker gestrebt, — ep nun, so wundere 7 ! dere er sich auch nicht, wenn ihn das Publikum kalt auf- nimmt; so begnüge er sich mit dem Lohn, der ihm selbst der schönste dünkt, und stichele nicht immer so unartig auf andere Leute, die ihn ohne Neid auf dem kahlen Gipfel seines Berges sehn, wenn er sie nur unten im blumenrei- «Den Lhalc ruhig fortwanocrn laßt. Kurz! man fange endlich an sich zu verstehen; man mache Men Unterschied zwischen Schauspielen für Sie Bühne, und Schauspielen für Sie Lektüre; man gestehe diesen höhere iöealische Schönheit, und jenen natürliche Anmmh zu; (bcydes zu vereinigen war nur einem Lcssing aufbewahrt,) man federe daher nicht von den lcztcren, daß sie allen Ansprüchen der Kritik ein Genüge leisten sollen, und man erwarte nicht von den Ersteren, Haß ein gemischtes Publikum sie mit allgemeinem Beyfall aufnehmen werde. Selbst Herr H. gesiebt die Wahrheit meiner Behauptung ein, indem er S. 82. sagt: »daß Illusion undAn- »stcengung über einen gewissen Punkt hinaus unvereinbar „sind." Cr hat sich auch hier, wie gewöhnlich, des Wörklcins gewiß bedient, ich aber habe gesucht, diesen gewissen Punkt anschaulicher zu machen. *) E 4 S. ico *) Daß auch Voltaire eben so gedacht, nur seine Gedanken nicht gehörig entwickelt habe, bemcißt folgende Stelle: L I' exarU cle I' inrcrör er cle I' srt cd curücder er ä' emciuvoir les klneurs pen- rlsnr cinq acres, c' est urr clori cle ciieu , gu' il rekule c^uelc^ues tais meme Z ses elus- Lr puis >1 ^ L lue les pieces cle rlieecre rwe clellinee dirgrre, gui rrompe la prevo^ence cie pres^uerous les jugewens, gu' c>n xorre »vanr I» regele rirmicin. v" - L' , -7 ^ V> »5 'h . ^ !7- > 7 » S. lvo. legt er das.Geständniß ab: »daß der Moralist iu den Foderungcn, die er an die Sittlichkeit der »Kunst macke, nicht behutsam genug ftyn könne." Dieses Gestandiß bat ihm Go'khe entrissen, dem es überhaupt am besten gelungen ist, die Stirn des strengen Kritikers zu entfalten, und sogar für seine unbedeutenden kleinen Opern verwickelt er sich abermals in Widerspruch mit sich selbst. Er sagt von Jffland: (den er einen man c >5 park« nennt,), „wenn dieser Dichter zugleich durch ge« „wisse Thcaterkünste bei) dem größer» Haufen Eingang „findet, so wüßten wir nicht, in welcher Beziehung wir „berechtigt waren, cs damit so genau zu nehmen, und E 5 „den Don diesem Allen sagt Hr. Huber: „Die Würkung dieses „Schauspiels ist nunmehr auch unterbrochen. — Götz v.B- ist „der stillen und tlescn Bewunderung ivahrcr Freunde der Dicht- „kunst zugcsallcn" — (mich dünkt, ich sehe Hr. H. vor mir stehen, wie er bcy den Worten des Knechts, die ich nicht wieder- hohlen mag, in staunende Bewunderung versinkt.) „ — gerade izt können sich diese (nemlich die wahren Freun- „de der Dichtkunst) der unnachahmlichen Darstellung (wie nein- „lich Licbctram die Weiber auf die Belten ihrerMänner schwazt) „der Einfachheit in dem Reichthum (wenn nemlich Götz sagt: .--er Haupkmann rann mich — ) u. s. w. ungestört erfreuen." 74 «dm innern Gehast solcher Mittel abzuwäqen, die denn «doch immer das Verdien!? haben, einem natürlichen „Zweck der dramatischen Kunst Genüge zu leisten." — Aber warum blickt er denn sonst immer mit Verachtung auf diese Rüusre und auf den großen-Haufen herab? war» um nimmt er es denn sonst so genaus warum wiegt er denn sonst den Gehalt der Mittels verkennt das Verdienst derselben? und den natürlichen Zweck der dramatischen Kunst? —- O Huber! man ospartislity! — S. i Z9- wird ein albernes Buch reccnsirt, aber das Albernste daran, aus sehr begreiflichen Ursachen, mit Stillschweigen übergangen. Der Titel des Buches ist: Mo' ritz und Louise, eine wahre Geschickte, von dem Verfasser der Amalie Rurland. Dieser lcztcre Zusatz ist offenbar lächerlich und abgeschmackt, denn wer kennt die Amalie Rutland s — Aber freylich war Hr. Huber nicht der Mann, der diese Lächerlichkeit mit gutem Gewissen rügen durfte. Wenn ich an die Seclcnwanderung glaubte, so würde ich mulhmaßen, dass der Geist eines gewissen Lsüelve- tro, der im XVIten Jahrhundert lebte, in Hrn. Huber gefahren scy. Bayle erzählt von jenem Ehrenmänner „er «sey ein subtiler Criticus gewesen, der durch allzügroße „Subtilitat sich lächerlich gemacht habe. Er war übri- „gcns keines Menschen Freund, (ennemi public) und „konnte nicht leiden, sagt Ilalrmc, daß Jemand Verdien- «ste besaß, oder Ruhm erwarb.« 0 yue c' oli un mau- vaiz csructsre! sezr hinzu. Auch ?; Auch darin glich dieser Castelvetro dem Hrn. Huber, daß er ein geliebtes Schooskind seines Geistes besaß, auf welches er sich vorzüglich viel einbildcte, nemlich seinen Com- mentar über die Poetic des Aristoteles. Als einst zu Lyon sein Haus brannte, schrie er wie unsinnig: Rettet nur mei. ncn Commentar! Herr Huber würde schrcyen: Rettet mein heimliches Gericht! Er sollte es aber nur immerhin brennen lassen, da selbst die Literatur-Zeitung, von der Macht der Wahrheit unwiderstehlich ergriffen, wider Willen bekennt: daß dieses Stück nicht intcrcssrre und eine übclbcfricdigte Empfindung zurücklasse. Er könnte auch seine Iulie mit in den Brand werfen, von welcher der nemliche Richter ziige- steht: daß man sie wohl lesen, aber nicht sehen könne; übrigens jedoch so sanft, so glimpflich, fo schonend zu Werke geht, daß man wohl mcistt, es scy von einem Her. ren Mirbrndcr die Rede. — Herr Huber möchte auch immerhin die, von den Kabinetten; so unverantwortlich vcrnachlüßiglcn, Friedenspräliminarien einen Raub der Flammen werden lassen, damit die Welt den lächerlichen, assektirten Titel dieses nunmehr begrabenen Werkes nach und nach vergessen lernte. Schade wäre es frcylich für die interessanten Aufsätze, welche, seinem bescheidenen Bo- kcnntniß zu folge, Amor dazu geliefert haben soll. — Ob cs von der Llio nicht auch bald heissen wird; c' eü un jstaisir cle voir cez polissonr, c^ui cju bon Aout nous clonnent cis« leconr — ponr ^uinre ious Zrissonant un journal — u. f. W. das wird die Zeit lehren. Ich ^6 Ich könnte noch Manches über diesen Kritikaster sagen, über es mag genug ftyn. Der Leser wird mir das Zeugnist ertheilcn, daß ich zu dieser Nochwehr gezwungen worden, und dasi ich, verglichen mit seinen Ehrabschncidendcn Ne« renstoncn, sehr glimpflich mit ihm verfuhr; dcnnwarbch! bcy jenen ungezogenen Ausfallen würde selbst Oncle Toby mehr gcthan, als sein Mabullcro gepfiffen haben. Achtes Fragment. Mein Glaubensbekenntnis^, das Recenfiren im Fach der schönen Wiffcnschafken überhaupt betreffend. lange man mir nicht beweisen kann, daß Römer und Griechen von der hohen Staffel der Geisteskultur, aiif wel« eher sie standen, noch höher gestiegen ftpn würden, wenn sie Recensenken gehabt hätten; so lauge man mir nicht beweisen kann, daß die berühmten Zeitalter des Pericles, des Augustus, und Leo des Xten, noch berühmter seyn würden, wenn sie das Glück gehabt hatten, eine Literatur Zei. tung hervorzubriugen : so lange halte ich alles recenfiren von Werken des Geschmacks kurz und gut für überflüßig; denn konnte so manches Genie damals keimen, blühen und Früchte tragen, in einemBoden, der von keiner Critik bemistet war, so kann daS auch recht gut noch heutiges Tages gescheht,.— Die Leser freplich — je nun, die müssen sich mit den rö- mischen und griechischen Lesern trösten. Die armen Menschen hatten die Mühe, wenn ihnen ein schlechtes Buch in die 77 die Hände fiel, es ungelesen bep Seite zu werfen, denn vorher: sagte ihnen kein Mensch ein Wort davon. Wunder! möchte man ausrufcn: daß' es damals eben nicht mehr Dummköpse oder Scribler gab, als heut» zutage, und vielleicht »och Etwas weniger. Danken wir dem Muscngott im Stillen, der uns aus jener Barbarei) crlößt, und die großen Lichter der Berliner Bibliorhek und der Jenaer Littraturzeitung aufgesieckt hat. Sind cs gleich kcine Fackeln, so sind cs doch Lampen, und sie brennen Tag und Nacht, wie das ewige Feuer der Vesta, vom Schweiß der Hungrigen genährt. Damit inan nicht vergesse, daß ich immer nur vom Fache der schönen Wissenschaften rede, will icti eine Fabel einschalten, die meinen Glauben anschaulich macht. Der Wegweiser. Eine Fabel. Ein Mann, der Lust hatte, die Welt kennen zu lernen, machte sich auf den Weg nach einer berühmren L tadt. Ehe inan dahin gelangte, mußte man über eine große weite Ebene, wo Fußsteige, Fahrwege, Landstraßen und Ne- benwege sich alle Augenblicke durchkreuzten. Der Pilger gcrieth in Verlegenheit. Da nahte sich ihm freundlich ein Mann, mit der Frage: wo gedenkst du hin? und als ec vernahm, daß jene Stadt das Ziel der Reise sei), bedeutete er dem Wanderer den nächsten und besten Weg. Dieser bedankte sich höflich, zog ein Stück Geld aus der Tae sche, belohnte den freundlichen Wegweiser, und bekümmerte sich weiter nicht um seinen Namen. '' - V. ' 2 . r'»-° D *- > 4 Ein 78 Ein Anderesmal trat kr, mit dem Vorsatz sich z» belustige» , in einen schönen großen Karlen, und wollte eben an einer Lindeuhccke hinabgehn, als er hinter sich psten hörte. Er sah sich um, und wurde einen Menschen gewahr, der mit Fcucrspruhenden Blicken und heftigen Gesiiculatio« nen ihm zu drohen schien. „Wo willst du hur?" rief die Erscheinung. „Ich will spazieren gehn," antwortete der Mann ganz gelassen. „So mußt du hier wandeln, zwischen den Rosenbüschen, „oder hier neben der Lulpenflor." „Aber ich habe Lust an der Li'ndenhecke hinabzu« „gehn." „Mein Gott! welch ein verdorbener Geschmack! ich fa« „ge dir, der Gärtner, der die Lindcnheckc pflanzte, war „ein dummer Kerl, er verstand seine Kunst nicht. Sieh „nur, wie die Zweige krumm und schief in einander ge« „wachsen sind. Dieser Ast hatte müssen weggeschnitten „werden, und Jener hinaufgebundcn. Noch Einmal, ich „rathe dir, kehre um, und rhust du es niebt, so vcr« „sichst du nicht einen Pfifferling von der Gartenkunst." „Das kann wohl seyn. Ich kam auch nicht in die« „sen Garten um Kenntnisse auszukramen, sondern um mich „zu belustigen." „Ader ich sage dir, diese Lindenhecke kann und soll dich „nicht belustigen." „Und ich sage dir: sie thut cs dennoch. Mer bist „du, daß du mir in der Wahl meines Vergnügens vor« „schreiben willst?" »Ich „Ich bin der Wegweiser des Gartens." „Ey mein Freund, in einem Garten braucht man „keinen Wegweiser." Mit diesen Worten wendete er dem zudringlichen Menschen den Rücken, gieng wohlgemut!) an der Linden- Hecke hinab, pflückte eine Blüte, und achtete es nicht, dass der Fremde ihm nachbrummte: „der gehört auch zum pödei, zum großen Haufen.« Moral: Wer sich irgend eine Wissenschaft zum Ziele sezte, das er zu erreichen strebt, der nimmt gern Belehrung von erfahrnen Wegweisern an, die ihm vor Ne» ben- und Irrwegen warnen. Wer aber nur im Garten drr schönen Literatur ein Blümgen pflücken will, der findet es übe: flüßig und lächerlich, wenn man ihm vorzuschrei- ben wagt, welches Blümgen er pflücken, und wie er den Geruch desselben finden soll. Der Eine riecht lieber an einer Rose, der Andere an einem Vci'gen; und wenn cs auch hin und wieder einen Stumpfs,nni-gen gäbe, der eine Tulpe brache, die gar nicht riecht, oder wohl gar- irgend ein stinkendes Kraut, wen in der Welt geht es Etwas an? Drum hebt euch weg ihr unberufenen Wrgwcr. ser! Laßt jeden Gärtner oder Gartncrjungen sein Baum- lein, seinen Strauch oder seine Grasblume in den großen Garten pflanzen, dessen Boden von der Natur vor Andern die Eigenschaft empficng, daß das Unkraut in demselben nicht wuchert, sondern von der Zeit ausgcjatet wird. Wer meiner Fabel nicht traut, den verweise ich an einen kompetenten Richter— -Hume — der, ohne Einkleidung, mit dürren Worten bas Nemliche sagt: Ueber Wahr- 80 Wahrheit kann man streiten / aber nie über Sen Geschmack. Die Literatur - Zeitung denkt freysich anders, und laßt sich über diesen Punkt einige sehr lächerliche Aensicruir- gen zu Schulden kommen. In der Recensiou von Lafontaine's moralischen Erzählungen, wünscht Recenftut: „daß „das Publikum die kritischen Blatter entbehren könne, aber „leider! fty das nicht der Fall." Das Leiser gieng dem Recensenten gewiß nicht vom Herzen; der übrigens gerade aus diesem Dcyspiele lernen mag, daß das Publikum fein kritisches Geschwätz sehr gut entbehren kann, denn Lafo». taine's Erzählungen waren in Aller Händen, und ihr Lob töuce von Aller Lippen, ehe es ihm gefiel, fein Siegel darauf zu drücken; und gefezt, er hätte sie getadelt, so wurde man sie drum nicht weniger gelesen und gelobt haben. Im Marz 179; heißt es: „Auch in England ist es „die Klage der bessern Köpfe, daß es im Publikum an „Geschmack, und in den schönen Wissenschaften an einem com« „petcnrm Tribunal fehle. Nach Johnsons Tode, so ein» „seitig und fchnsivenv er auch war,, hat man nichts „mehr, und es geht drunter und drüber in den Gefilden dek „Literatur." Also selbst eine einseitige und fcbnei'öendo Critik ist besser als gar keine; das heißt mit andern Worten: selbst ein isländischer Aschenregen ist besser, als gar kein Regen, — Wie kommt cS denn aber, daß, ohuneachtct in England man jczt gar nichts har, und es drunter uns orübss Mk/ 8 ! gebt, dennoch von Zeit zu Zeit bork eben so gute Sachen geschrieben werden als vormals? Rcccnlentcn! wollt ihr dem Publikum beweisen, das es ohne euch sich gar nicht behelfen kann, so laßt es einmal ein Decennium nach euch schmachten , straft und überzeugt die Ungläubigen» indem ihr eure Feder niederlegt; überlast sie eine Zeitlang den gräßlichen Folgen eures Schweigens; wenn sie dann sehen werden, daß alles Sruncer undorüber geht, daß kein vernünftiges Work mehr geschrieben wird; so werden die verirrlen Schaafe schon von selbst kommen, und euch den verschmähten Hirtenstab wieder aufdringen. Nein, im Ernst, sollte es wohl Einen unter euch geben, der wirklich glaubt, so recht was man glauben nennt, das Publikum könne ohne Reccnsiomn sich nrchr behelfen? sondern werde in Barbarey und Unwissenheit versinken? — Ihr lächelt? — schon gut, wir verstehen uns. — Der Wurmdoctor lächelt auch über die A^znepen, die er von der Bühne herab den Gaffern anpreißt. Neuntes Fragment. Ueber die Entsiehungsart der gelehrten Zeittmgen. ^§s ist ein schönes Vorrecht mancher Untertanen, selbst in Monarchischen Staaten, (zum Peyspiel in Rußland ) daß sie ihre Richter selbst wählen dürfen; daß, wo es auf Leib und Leben, Ehre und Vermögen ankömmt, der Be. klagte von Männer» gerichtet wird, deren Rechtschaffenheit und Kenntnisse von allen ihren Mlbrüdcrn gekannt und anerkannt worden sind. Wie mag auch der Regent, mit I dem 8s dem besten Willen, das stille Verdienst unterscheiden? es drangt sich nicht vor, und wird von dein einnehmen- den Schwätzer, der zu anlichambriren versteht, leicht über- hohlt. Der Bürger hingegen, der seinen Mitbürger täglich wandeln und handeln sieht, ist seltner dem Jrrthum unterworfen, und weit eher im Stande, einen Abdolony« mns vom Pfluge zu hohlen. Indessen giebt e6 doch auch Monarchen, deren Scharfblick das Verdienst ausspäht, und wenigstens sind diejenigen, die ans Richterstcllen Anspruch machen, mancher Form und Prüfung unterworfen, che ihnen Gut, Ehre und Leben der Unterthanen anvertrauet wird. Wer möchte aber wohl in einem Staate leben, wo es dem Ersten besten Herrn A. erlaubt wäre, an die Herren B. C. D. u. s. w. ein Circular ergehen zu lassen, mit der freundlichen Einladung, einen Gerichtshof zu versammeln, in welchem der Herr A-, aus eigner Machtvollkommenheit, die Herren B.C. D. zu Rächen, und die Herren C. F. G. zu Assessoren ernennt; dann einem Jeden eine Mas- ke vor das Gesicht und einen Dolch in die Hand giebt, mit der Anweisung, zu morden wo es ihnen gut dünkt, ohne irgend Jemanden Rechenschaft davon abzulegen. Das ist unwidersprechlich die Entstehungsart der gelehrten Zeitungen. Ein spekulativer Kopf sieht, daß es mit der Berliner Bibliothek auf die Neige geht, und nimmt sich vor, auf ihren Trümmern ein neues Tribunal zu errichten, um von den Sporteln gemächlich zu leben. Flugs schreibt er nach Ost nnd West, an Bekannte und Unbekannte, und ladet sic ein, die Sporteln zu lhcilen. Von Ost und West erhält er Antworten, man bankt für das gäti« gütige Zutrauen, (das Nota kene der Redakteur und sonst kein Mensch hat,) man verspricht sein Bestes zu thnn u. s. w. Nun läßt sich der Herr Redakteur einen Ballen von der Leipziger Messe kommen, ließt die Titel, sagt: dieses Buch soll der Herr 21. reccnsiren, und jenes der Herr B-, und dann soll das Publikum den Hut abnchmen, «mss glauben, was jene Herren gesagt haben. — Seht, so ist die gelehrte Zeitung fertig. — Frage ich die Recensenten: von wem habt ihr eure Gewalt überkommen? so antworten sie mir: vom Redactcur; und frage ich den Rcdacteur, so sagt er: ich habe es wie Karl der Große gemacht, und die Krone selbst vom Altäre genommen. Nun ist fccylich wohl schon mancher Usurpator ein vortrefflicher Regent geworden, und man hat cs um seiner Verdienste willen vergessen, auf welchem Wege er zur Herrschaft gelangte; aber ist das hier der Fall? und kann das überhaupt jemals der Fall seyn, wo ein ganzer Haufe von Mitarbeitern nölhig ist? — Die guten Criliker, dir Lessinge, sind sehr selten; unmöglich wird die L. Z. uns weiß machen wollen, daß sie lauter Lessinge besoldet. Ge- sezt auch, der Redakteur sey ein Gelehrter von den aus« gebreitesten Kenntnissen, was kann er von den zehn oder zwanzig schönen Geistern, die er zu Mitarbeitern stempelt, anders wissen, als vielleicht: daß sie Männer von Geschmack sind? daß sie Ein oder Mehrere gute Bücher geschrieben haben? ist das aber genug zum Criliker? — und wenn sie auch würklich die erforderlichen Anlagen dazu besaßen, weiß er, ob sie Zeit und Lust haben sie auszubildcn? — Auf Recensionen werden nur Nebenstunden verwendet; ist F 2 chber 84 aber woh! die Critik eine Wissenschaft, die man so neben» her treiben kann? — Man frage doch Lessings Geist, ob er seine Dramaturgie in Ncbenstunden geschrieben hat? Ich werde weiter unten die Eigenschaften undPflich» tcn eines wackern Kritikers auseinander setzen, und da wird man sehen, daß mehr dazu gehört, als die Finger» kraft eine Recension zu schreiben, wie die oben angeführ- te des Göttinger Musenalmanachs ist. Könnte ich auch der L. Z. nur eine einzige solche elende Recenston vorrücken, so wäre das schon hinlänglich, mich auf immer von ihrem Richterstuhl zu eximiren, denn wer steht mir dafür, daß nicht gerade mein Buch einem solchen Schacher in die Hände fallt? Die Rccensentcn führen sehr oft den Grundsatz im Munde: »cs ist ein unbezweifeltes Recht jedes Menschen, »seine Meynung über ein Buch zu sagen." — Im Ganzen ist das freylich sehr wahr , aber die Herren vergessen, daß sie uns ihre Richtersprüche nicht als Urtheile einzelner Menschen, nicht mit ihres Namens Unterschrift verkau' fen, sondern sie uns als intcgrirende Theile eines Gesetz» buchs aufdringen; und da möchte jene Regel wohl eine Einschränkung leiden. — Wenn Hinz an der Ecke sizt und Pasteten verkauft, so darf Kunz, oder wer sonst Lust dazu hat, auf den Markt treten und sprechen: die Pasteten taugen nichts. Hinz weiß alsdann an wen er sich zu halten hat, und das Publikum weiß auch, wie viel cs Kunzens Urtheile trauen darf? ob er würklich ein Fcinzüng- ler, oder vielleicht selbst ein Pastetenbecker ist, der nur die Käufer weglocken will. — Wenn nun aber Kunz einen Namenlosen Anschlagzettel an's Thor heftet, worinn er er das Publikum vor Hinzens vergifteten Pasteten warnt, und wenn er dabey ertappt wird, kann er sich mit dem Grundsatz entschuldigen: «es steht einem jeden Menschen »frei), seine Mepnung über eine Pastete zu sagen?" Wenn eine Recension meinen guten Namen angreisi, was unterscheidet sie von einer Schmähschrift? <— Die L. Z. selbst legte am 6ten März 1795 das Bekcnntniß ab: „Als wenn ein guter Name nicht eben so viel werth Ware, „als eine heile Haut! ist nicht auch er ein Theil unsers „Cigcnthums, den der Staat so viel möglich zu stochern suchen muß?« — Nun wird man mir doch wohl nichteinwenden, daß bey einer Recension als l^uber der gute Name keincswegcs leide? denn wenn ein Mensch mir öffentlich sagt: daß die deutsche Literatur durch mein Produkt (das kleine Lustspiel, der weibliche Jakobiner» klubb) geschändet worden; daß man in diesem elenden Stücke kaum eine Zeile finden werde, die nicht unter aller Rritik wäre; daß sich meine saftlosen Einfälle nur durch eine moralische Rrankheit, eine Diarrhöe des Witzes erklären ließen; daß meine Satyre pöbelhaft und abgeschmackt sei); daß für die Plumpheit, Plattitüde und Gemeinheit deS Ganzen keine Gnade mehr möglich scy; (ach! mein ungnädiger Hr. Huber! schonen Sie dochJhre Lunge, und verschwenden Sie nicht an einem Undankbaren die schönen Kenntnisse, die Sic auf.dem Fischmarkte ju Paris von Ihren Freundinnen eingcsammelt haben,) daß meine Schilderungen plump, steif, schaal, schülerhaft und unedel sind; und endlich, wenn er die Unverschämtheit so weit treibt, mir weichlicheVerwöhnung und F 3 .schlecht 86 schlecht verhüllte Sinnlichkeit vorzuwerfen, durch' welche ich dem gemeinen -Haufen dev Sünder und Sünderinnen schmeichele, ein Verführer allzuempfänglicher -Herzen, ein Fürsprecher des Lasters werde, und den Damm der Ronvenrenzen und der positiven Moral cinrcisse; — so frage ich Sie, meine Herren Redakteurs der Literatur« Zeitung, konnten Sie bas billigen? — antworten Sie mir! dursten Sie das billigen? — können Sie mir die Dcfugniß absprechen, Sie wegen dieser Injurien mit weit mehrcrm Rechte ju belangen, als Sie den Hr. Forberg belangt haben? — Leidet mein guter Name nicht unter solchen pöbelhaften Rccensioncn? — und muß der Staat mir nicht diesen Thcil meines Eigcnthums sicher stellen? — O warlich! ich bin begierig zu sehn, ob Sie es unterneh* men werden, diesen Herrn Huber zu vcrthcidigen. Zehntes Fragment. Das Bild eines wackern Rccenseruen, wie er seyn sollte. (Nach Marmonkel entworfen.) ic Eigenschaften, welche Marmontel von dem achten Critikcr fodert, sind folgende: „Eine *) lugsmenr loliäe er prokoaä» Isxigur iure er bien exer- cee, zoür, preciNon, elpric sgcilc» msi; rie ccrre rrem^e, i;ui n' «N gue Is Nsur äu bon tens» stms^insrion louxle msii rexls«^ „Eine gründliche Beuttheilungskraft, eine sichere «.und wohlgeüöte Logik, Geschmack, gedrängte Kürze, ein F 4 «leicht regier, vstrere äe Lonnoiilsnees, eruäirion srsnäue, rmour äu rrsvgil. — Rxecremenr impgrcisl, on ne I« voic poinr s' occu- per äe I» pertonns ä' un sureur, besucoup plvr c;ue äs ton Ouvrsge. II ne lir poinr r»uc un livrs äsns I» csbie äes m>- rieres, pour n' en äonncr ^ue äes lsmbesux cires su kstsrä, vu curieutemsnr reckerckes, ä»n; !e äeilein äe monrrer I' ou- vrsge äu core le moins krvorgbls. - kli I' incerec ä' en «rgn- vri; «crivsin, yu' II pourroic »itesrionncr, tan; l' en eiiimer äsvgnrsgc, ni äe Igckes mensgemens pour ä'surres, yu' il ersinäroir tsns les simer, ne lui tont jLlngis comprsmerrre ou rrskir ton äitcernemenr. II ne msnque poinc sux cggräs äüs sux rslens» sux komme; äe gerne; II tsic remsryuer leurs tgures, puisizu'il eit sccenciter clgirvoxgnr; mris per une jsloutie belle il ne äis^ Lmule poinr Iss banne; ckotes rzui rsekerenr leurs nezlixences, »t en Von; eclgirsnr äe banne toi tur les äetsurs ä' un Ouvrs- §e, il psi, sux rslens äe l'surcur le rribur ä' eltime rzui exigs Is tinccrire. — ^u ä-itus äe lg kgins er äe lg vengssncs, qui tank les psillons äe; toibles er lg toucce äes perireites, il ns xourtuir poinr ä ourrsnee ec svee une tureur puerile eeux ^ur suroienr tu lui äeplsire. II ne s' sttscke pvinc conitgmmenc L nous preoccupcr pour cercsins gukeurs, er en äeprimer ä' surrer, «zui äonnenr su moins les niemes etpLrsnces. — II n' Ire poinr, pvur te tgire reäouter, äersrrer äe msuvsis romgns, ou äes li- vres obtcurs, qui ne tont lü; äe pertonne, er yus le plus min- «e sureur eit en erst ä' »pxrccier per lui meine. II ne s' sppe- tanrir poinr tur äes ckotes, äsnr le riäiculs eit pglpable ec teure «ux ^eux äs tour le monäe. - korr-tu' il centure, tes ex- prctllons ne tont jgmsie äures, cksrgces, sbtvlue«, mgis reileckiss ec ineturees. II isuc turkouc te preterver äes sir; er äes kons äeciilts, i^ue prennenc les pstics criricjues, psrceque le ts- voir eit cimiäs, er yue lg moäeiiie le rcnä circontpeer, psrrour oü I' ignorsncs rrgncke gvec ksräieite. — tlombien celui» qui prerenä juger Iss surre;, äoic - il erre inlinimenc plus mo- äelie, pour ne poinr äonner prit« tur tvi. _ t.s Lricic^ue n' ek 88 „leicht umfassender Geist, von derjenigen Gattung, wel» «che die Blüte des gesunden Menschenverstandes ist; ^eine „geschmeidige aber wohlgeordnete Einbildungskraft, Man» „nichfalrigkcit der Kennrmsse, ausgebreircre Gelehrsamkeit, „unermüdcter Fleiß. —« (O Freund Huber! wie wird Ihnen zu Muthe! —) „Gewissenhaft unpartheyifch, beschäftigt er sich „nie mit der Person des Autors, sondern nur mit seinem »Werke. Er ließt ein Buch nicht im Jnbaltsverzeichniß, „um einige Fetzen aus dem Zusammenhänge zu reisten, „oder hämisch aufzuspüren, in der Absicht, die schwächste „Seite des Werks darzustcllen." (Man sehe die Recension über den Papagei).) — „Weder das Interesse für einen „schlechten Schriftsteller, den er vielleicht begünstigt oh- „ne ihn hochzuachlen, noch feige Schonung eines Andern, „den er fürchtet ohne ihn zu lieben, verleiten ihn jemals, „zum Verrather an der Wahrheit zu werden. Er sezt nie „die dem Talent und dem Genie schuldige Achtung aus „den Augen; (o Huber!) er rügt Fehler, weil er auf- „merksam und scharfsichtig ist, aber er verheimlicht nicht „aus niedriger Eifersucht das Gute, welches jene Nachlässigkeiten aufwi'gt; (o Huber! Huber!) indem er uns „freymülhig die Fehler des Weites andeutet, bezahlt er »zugleich n' eli point!' «rr 6e küirc rire er lt' «Muser 1« mslixniiL, trsvsil krivole, «>se, niZprissble, er pour Iei;uel il scikir M «voir c>uelc>ue percbeirr ä I.r lerere, beeucoup üe cvnkgrice, ec un pcu g'ewrir; j' enieni!« cle cec cssric ssclics, gui coüre coujom's plus gu' il n' er> vsuc. »zugleich dem Talent des Verfassers den Zoll der Hoch» »achkung, den die Aufrichtigkeit von ihm heischt. — Er- »haben über Haß und Rache — die Leidenschaften der »Schwachen, und die Quelle von Niederträchtigkeiten — »verfolgt er nicht auf Tod und Leben, und mit kindischer »Wuth, diejenigen, die das Unglück gehabt haben ihm »zu mißfallen. — (o Huber!) — Er sucht nicht immer »geflissentlich uns nur für gewisse Schriftsteller einzuneh. »men, und Andere zu unterdrücken, die wenigstens zu »eben den Hofnungen berechtigen. — (o Literaturzeitung!) »— Er wird nicht, um sich furchtbar zu machen, alte »Romane aus dem Grabe hervorhohlen, oder sonst ver« »gesscne Schriften, die Niemand ließt, und die auch der »eingeschränkteste Leser im Stande ist selbst zu würdigen; »er hält llch nicht Key Dingen auf, deren Albernheit jeder« »mann in die Augen springt." >— (In diesen lezten Feh» ler fällt die L. Z. sehr oft; und hat sich darinn die Berliner Bibliothek zum Muster genommen, die cs eben so machte. Ueber elende Schriften, die kaum verdienten erwähnt zu werden, gießt man eine lange Brühe von witzigem Sport, der freylich bey solchen Veranlassungen sehr leicht ist- Ich könnte viele Beyspielc davon anführen, begnüge mich aber, der Kürze halber, mit einem Einzigen. Im April 1796. p. r z;. wird ein Buch ans Sem Grabe hep- vorgeholl, welches 1790 hcrausgekommen, also sechs Jahre ach ft-ner Erscheinung, blos um das Vergnügen »n haben, cs tüchtig durchzuhauen. Da dergleichen nun weder zu Nutz und Frommen des Autors geschehen kann, der vielleicht schon todt ist, noch des Publikums, welches F 5 das 9 » das Buch schon langst vergessen hat; so ist es klar, daß man sich b!oö die elende Schadenfreude hat verschaffen wollen, ein wenig boshaften Witz mit sehr geringem Kostenaufwand glanzen zu lassen.) — „Wenn er tadelt, so « sind seine Ausdrücke nie hart, übertrieben, absprecbend, „(o Huber!) sondern überdacht und gemäßigt. Vor allen „Dingen gebe er sich keine ^irs, und hüte sich vor dem „enkscheisenden Tone, (o Huber! Huber!) den nur klel« „ne Critiker annchmen. Wahres Wissen ist furchtsam, „und die Bescheidenheit macht es mistrauifch gegen sich „selbst; Unwissenheit hingegen spricht kühn ab. — O „wie bescheiden muß derjenige seyn, der Andere richten „will, damit er ja nicht selbst Anlaß zum Spott gebe. — „Die Critik ist nicht die Kunst zu amüsiren, und der Bos- „heit Lachen zu bereiten; eine leichte, aber nichkswürdige „und verächtliche Arbeit, zu welcher man nichts bedarf, „als Hang zur Satyre, einen großen Vorrath von Selbstvertrauen, und ein klein wenig Geist, ich meyne aber „nur jenen erkünstelten Geist, der immer mehr kostet, als „er werkh ist." Nun bitte ich meine Leser, sich einen Augenblick an die Stelle eines Mannes zu setzen, der den Gedanken faßt, Redacteur einer kritischen gelehrten Zeitung zu werden. Sollte er nicht zurückbeben, bcy dem Bilde, welches ein Marmontcl von den Eigenschaften entwirft, die alle feine Mitarbeiter von Rechtswegen haben müssen?— Wieviele solche Männer kann er sich denn schmeicheln aufzufinden? — ich behaupte kühn r nichr vre;>! — welches Zutrauen / 9 - krauen kann daher das Publikum in solche Schriften setzen, wenn es bey so mancher Recension fühlt; diese hat keiner von den Sre/cn geschrieben e Wenn es nun vollends Dinge betrifft, wo das Gefühl allein entscheidet, und man dem Publikum das Sei« nige ä 1a hluber wegraisonnircn will? — „Man kann den Grundsatz nicht zu oft einscharfen,^ sagt der nemliche fürchterliche Marmonkelr „daß nur Ge« „fühl über Gefühl zu urthcilcn vermag, und daß derjeni« „ge, der das Pathetische dem Urrheil des Geistes unter« „werfen will, das Ghr über Larven, und das Auge über „Töne zum Richter setzt." (On ne fsuroit trop inliüer 5ur cs principe, le lentiinent leul ^>eut ju^er le senkimenr, et ^uc iou- meltrs le patlreti^ue su juAemeut 6e 1' est^rit, e' eli vouloir renüre 1' oreiile arditrs cie; couleurs, et 1' oei! zuZe cle 1' Harmonie.) »Die beste Art zu urtheilcn, ist die, sich seinem Ee« „fühl zu überlassen, und sich sowohl vor blindem Von»r-> „thcil, als affektirtcr Gefälligkeit und lächerlicher Zartheit „zu hüten.« O Huber! (Da honne sscon clo suZer eü, 6e sie laisicr ^ren- 6re sux clioses, et üe n' svoir ni ^revcntion aveuAle, ni complsilsncs aüectes, ni ÜLlicsteils ricliculc. )s/o//ere.) »Ueberlassen wir uns ohne Widerstreben dem Ge« «.fühl, das uns ergreift, und suchen nicht durch Raison- «niren 9 - „niren uns selbst ein Vergnügen zu rauben. Wenn ein „Stück mich belustigt hat, so frage ich nicht, ob ich Un- „recht hakte, mich daran zu ergötzen, und ob die Regeln „des Aristoteles mir das Lachen (oder Weinen) verboten „haben? Das käme mir gerade so: vor, wie ein Mensch, „der eine Brühe vortreflich findet, und hinterdrein unter- „sucht: ob sie auch nach den Vorschriften des Kochbuchs gut „seyn könne.« (l.sillonx noux »Iler clc könne foi aux cknfcx HIN nonx prennent psr lex eittraillex, et ne ckerckonx ^oint 6e rsilonnenient, pour noux cmpecker cl' svoir clu ^lailir. — KorxHue je ins fuix Kien üi'verti, je ne vai point clsmancler l> j' ui eu tork? et li lex re^lex 6' tVri- slote nie clefencloient 6e rire? — L' elf jufleinent eoni- me un komme, Hui suroit krouveune Ksuce exLelleine, et Hin vourlroit exsininer, k eile elk Kenine, für lex preoeplex 6n euisiuier fran^aix. Ich will dieses Fragment mit einem frommen Wun. sche schließen: In Sparta wohnten die Greise den Uebungen der Zugend bey, ermunterten sie durch das Beispiel ihres verflossenen Lebens, besserten durch milden Tadel, nüzten durch Unterricht. — Welcher Dcrchcil für die Republik der Wissenschaften , wenn Schriftsteller, grau geworden unter der Fahne der Weisheit, erhaben durch ihre Werke über Nebenbuhlerschaft und kleinliche Eifersucht, sich her. abließen, die Jünglinge auf der schlüpfrigen Bahn zu lei. ften; 93 ten; wenn zum Bcyspiel der Verfasser Oberons, des Dom Carlos u. f. w. die unvollkommenen Werke talentvoller Zöglinge beurthcilte, statt jener verstümmelten Auszüge, jener schaalen Spöttereyen, jener trockenen Analysen, und albernen Machtsprüche, aus denen auch nicht ein Cchim- wer von Kunstgeist hervorstrahlt; — dann würde man Urtheile Horen, von der Erfahrung beleuchtet, und von der Gerechtigkeit ausgesprochen; der Name Recensent, jezt ein Ekelname, würde Ehrfurcht einflößen; Aufmunterung und Tadel würden Hand in Hand gehn; der vollendete Mann würde sogleich gewahr werden, von wo der Jüngling ausgieng? welches sein Ziel war? ob er sich gleich Lcym Ersten Schritt, oder wahrend seines Laufes verirrt hat? ober in der Wahl, oder in der Behandlung seines Gegenstandes fehlte? er würde ihm den Punkt andeuten, wo er zu irren anfieng, ihn zurückzuführen, ihm die Klippen zeigen, und ihn die Kunst lehren, sie zu vermeiden; kurz! der Jüngling würde nicht allein lernen, wo er es schlecht gemacht hat, sondern auch, wie er es hätte besser machen können, und das Publikum würde gut dabei) fahren. Solche Critikcn, weit entfernt den Schriftsteller zu demüthigen, würden vielmehr eine schmeichelhafte Auszeichnung seiner Werke seyn; man würde einen Vater sehn, der seine Kinder mit liebevoller Strenge zurechtweißt, und ihnen zuruft: Disco ^uer virtutem ex me, verum^ue lahorem! Eilf- 94 Eilftes Fragment. Ueber das Unheil, welches eine Recension stiften kann. » ists nun mehr? wird vielleicht Mancher sagen; es giebr ja der schlechten Bücher so viele in der Welk; ob ihre Zahl durch eine schlechte gelehrte Zeitung vermehrt wird oder nicht, wem ist daran gelegen? wem bringt es Nachtheil?" "Ich habe oben erwiesen, daß dieRcccnsionen im Fach der schönen Wissenschaften wenig oder gar keinen Nutzen stiften; aber wollte Gott man könnte nichts schlimmeres von ihnen sagen. Ich bin überzeugt, daß sie viel Unheil anrichten, und daß eine Recension, wie die über -Horebs Moos vom Parnasse, (deren es mehrere Hunderte in der L. Z. giebt,) das ganze zeitliche Glück eines Jünglings vernichten kann. Man erlaube mir einen Fall zu erdichten. Erdichten, sage ich? höchst wahrscheinlich hat er sich schon mehr als Einmal zugetragcn. Fritz, ein jungcx Mensch von Talenten, aber durch Armuth verhindert, seinen Geist gehörig auszubilden, hak das Glück, einen hohen Gönner zu finden, der viel bey Hofe gilt, und zugleich ein Schwachkopf ist, wie sich das wohl zuweilen trifft. Dieser Schwachkopf halt seinen ^rotsZe für einen guten Dichter, weil er einst seinen Ge« butts- s; burtstag besungen, und in einer Ode ihn Mäcenas ge« nannt hat; er will ihm wegen dieses Talents wohl, und denkt ernstlich auf seine Beförderung. Fritz hat durch seinen Fleiß eine alte Mutter zu ernähren, und liebt ein sittsames Mädchen, in dessen Armen er sich einst den Himmel auf Erden verspricht; er harrt: daher mit Sehnsucht auf die versprochene Beförderung. — Es währt lange damit, alle Plätze sind bcsezt, und wenn auch Einmal der Engel den Leich bewegt, so springt immer eines reichen oder vor« nehmen Mannes Sohn vor ihm hinein. Doch Geduld und Hofnung erhalten seinen Muth; freylich muß er brav arbeiten, und zwar seelenlose Arbeit — Fingerbeschäftigung — absckreiben. Kein Wunder, daß er zur Erhohlung dann und wann ein Liedchen dichtet, welches seinem Mädchen, dem es zugecignet ist, besser gefällt als ihm selbst. Aber der Erhohlungsstunden sind wenige; er muß wo möglich auch aus diesen einen klcincnDortheil zu ziehen suchen, und da überrascht ihn zum Erstenmale der kühne Gedanke: wie wenn du deine Licderchcn sammeltest und drucken ließest? sie sind freylich nicht viel werth, aber du darfst sie nur unter einem bescheidenen Titel in die Welt senden, kannst sie etwa Moos vom Parnasie nennen, damit dich ja Niemand beschuldige, du habest dort Lorbeerzweige pflücken wollen. Vielleicht zahlt doch irgend ein gutherziger Verleger ein paar Thaler für den Dogen; der Winter naht heran, und du kannst deiner alten Mutter eine wärmere Stube dafür verschaffen. — So rechnet er, und tragt sein Bündelchcn in den Buchkaden. Es wird angenom« men, gedruckt, und Fritz erreicht seinen Zweck. Freylich erwirbt 96 erwirbt er sich eben keinen Ruhm damit; das Schriftgen wird in seiner Vaterstadt kaum bemerkt. Die wenigsten haben es gelesen, und die es etwa gelesen haben, schweigen gutmüthig, weil sie die Lage des armen Jünglings kennen. Der Verleger hat einige Louisdor dafür bezahlt, und auch der hohe Gönner ist vollkommen zufrieden, denn die Geburtstags-Ode sicht an der Spitze des Merkchens. Fünf Jahre verstreichen; das Liederbuch ist langst von aller Welt, und von dem Verfasser selbst vergessen. Fünf saure Jahre hat er sich als redlicher Mann und guter Sohn kümmerlich durchgeholfen, und immer mit leeren Hofnungen abspeisen lassen. Jezt sind seine Kräfte fast erschöpft, er selbst wird mißmuthig und sein Mädchen grämt sich. — Endlich erscheint der frohe Augenblick, der seinem Mangel ein Ende machen soll. Ein alter Sekretair stirbt, der hohe Gönner hat würklich schon die Bestallung aus. fertigen lassen; sie liegt zur Unterschrift auf seinem Tische; Morgen soll sie unterschrieben, übermorgen der neue Sekretärin Eid und Pflicht genommen werden. Mil diesen heitern Aussichten verläßt er das Vorzimmer des gnädigen Herrn, fliegt die Treppe hinab, grüßt freundlich einen feiner Nebenbuhler, der eben mit einer Rolle Papier unter dem Arm heranfsteigt» eilt auf die Strasse, berührt das Pflaster kaum mit den Fußspitzen, kömmt taumelnd nach Hause, sinkt in die Arme seiner Mutter, seiner Geliebten, und verkündet ihnen stammelnd sein nahes Glück. Alles jubelt, Alles nimmt Theil an der Freude. Es wird auf den Abend eine Schüssel mehr bestellt — es wirb ein Glas Wein 97 Wein getrunken, und bis tief in die Nacht von künftigen Einrichrmigcn, kleinen häuslichen Projekten gesprochen. Die Mutier geht sonst immer um halb zehn Uhr zu Bett, aber biesesmal vergißt stc den Schlaf, ihr Auge ist wacker, denn es hangt an ihrem glücklichen Fritz. Noch um Mit' ternackt betet sie in ihrer Kammer und danket Gott für die Freude ihrer allen Tage. Eine sanfte Röthe, dleVerkün- derinn beglückter Liebe, glanzt auf den Wangen des sitt« samcn Madrbcns, das seit fünf Jahren treu auf diesen Augenblick harrte. Fritz genießt mit vollen Äthemzügen, was er durch Redlichkeit und Beharrlichkeit so wacker ver« dient hat, und die Morgenro'the findet ihn noch in seinen herrlichen Luftschlössern uwherwandclnd. Schon früh und viel zu früh steht er da in seinem festlichsten Kleide, mißt mit ungeduldigen Schritten das Vorzimmer seines Gönners, und wartet auf die Stunde, wo die silberne KiiNgel ihm und dem Kammerdiener andm« ten wird, daß es bei) Sr. Exeellenz Tag geworden. Armer Fritz! die Scene hat sich schrecklich verändert! -- dein Mitbewerber, mit der Nolle Papier unter dem Arm, den du gestern so freundlich grüßtest, — er brachte deinem Mäcen das neuste Stück der Litcrakurzeitung; ihr ist es nach fünf Jahren eingefallen, deine Jugendsünden an's Licht zu ziehen; mit schwerem Fuß zertritt sie dein tNoos, mit unbarmherziger Geisel haut sie deine Anspruch« losen Kinder, mit perWirendem Spott stellt sic die Geburtstagsode an den Pranger. Du weißt von nichts; du trittst mit frohkiopftndem Herzen herein, als die Flügcl- G thüren 98 thürcn sich offnen. Da liegt deine Bestallung noch nnun> lerschricbcn auf dem Tische — ach! und neben ihr das fürchterliche Blatt, auf dem dein Todcsurtheil gedruckt steht. Man empfangt dich mit vornehmer Kalte; mit Achselzucken; man bedauert, dast man dirsesmal wieder nicht im Stande sei) zu dienen, aber der Fürst habe selbst ein Subjekt empfohlen u. s. w. Fritz steht wie ein Marmorbild auf einem Grabhügel. Alle seine Aussichten sind verschwunden, alle seine Hoffnun« gen zertrümmert; er wankt bebend die Treppe hinab, er ist betäubt, er starrt aus hohlen Augen den trüben Himmel an; mechanisch tragen ihn seine Füße bis vor seine Wohnung, da schaudert er plötzlich zurück — ach! wie soll er vor Mutter und Geliebten erscheinen! — sie stehen beyde am Fenster, und winken ihm lächelnd entgegen, und wissen es sich nicht zu erklären, als sie ihn fliehen sehen, als habt er Geister erblickt. Ich überlasse cs der Phantasie meiner Leser, sich bas traurige Bild noch weiter ausjumahlcn, und dem Gewissen der Necenftnten, sich daran zu spiegeln. Man wird mir zugestehen, daß mein kleiner Roman das Gepräge der Wahrscheinlichkeit tragt, und daß sich noch hundert ähnliche Fälle erfinden ließen, die sich eben sowohl als dieser in der Reihe der Dinge zutragen können. Und wenn sich auch ein einziger solcher Fall nur ein Einzigesmal zutragt, hat alsdann der Necensent nicht in der Lhat als Richter über Glück und Ehre eines Menschen ent- 9A entschieden, der kein anderes Verbrechen begieng, als daß er vielleicht schlechte Verse machte? — Warlich! der Einfluß einer solchen gehässigen Recen« sion erstreckt sich oft noch weiter, als der eines Urtheils« spruchs. Denn gcstzt, ein junger Mensch würde Einmal tn seiner Vaterstadt, wegen irgend eines lockern Jugendstreiches, zu achttägigem Gefangniß verurtheilt, und sein guter Ruf dadurch beflecket; so verläßt er sein Vaterland, bessert sich in der Fremde, und entgeht so dem Nachtheil, den jener jugendliche Fehltritt auf das Glück seiner Zukunft hatte haben können. Aber den Folgen einer hämischen Recenfion kann er eben so wenig entgehen, als vormals der Ketzer den Folgen eines päbstlichen Bannfluchs. Die Rccension ist so gut, als ein in den Hamburgischen Zeitungen abgedruckter Steckbrief; sie gebr überall vor ihm her, streut überall Dornen auf seinen Pfad, und wo ec sich nennt, da flüstert man sich ins Ohr: „Der Mensch „ist ein Dummkopf; er hat ein Buch geschrieben, das un« „ter aller Kritik ist. Wir haben es zwar nicht gelesen, „aber dir Literaturzeitung sagt es, und folglich — " Nun frage ich: mit welchem Rechte verwalten diese verkappten Männer eine solche peinliche Gerichtsbarkeit? -— Oer weltliche Richter, der über meine Ehre und meinen Deutel sprechen darf, wird doch vorher sorgfältig geprüft, ob er auch die gehörigen Fähigkeiten besizt; er muß dem Fürsten und dem Vaterlands schwören, immer nach bestem Wissen und Gewissen zu richten; er muß abireten, wenn er mit Einer der Parthepen in Freund, oder Feindschaft E s lebt, roo lebt, und thut er es nicht freywiklig, so darf ich ihn per« horresciren; endlich, wenn ich ihn einer offenbaren Par» theyliehkeit oder Bestechung überfuhren kann, so wird er cum iukamia cassirt. Von allen dein geschieht bcy dein Recensenten nichts. Er richtet zwar auch unmittelbar über meine Ehre und mittelbar über meinen Beutel; aber er wird nicht geprüft, ob er die Cache auch besser ve sieht als andere Leute? er schwört nicht, daß er urpmhcyisch urthcilcn will; er tritt nicht ab, wenn der Spruch seinem Feind oder Freund gilt, ja er tritt wohl gar hinzu; und endlich darf er offenbar gewissenlos urtheilcn, ohne die geringste Straft zu befürchten; denn selbst vor der Verachtung des Publikums ist er so ziemlich sicher, weil das Pn« blikum sich selten die Mühe nimmt, die Sache zu untersuchen, und den Namen des Ehrabschneiders zu erforschen, um ihm das verdiente hic ni'Zer oft etc. anzuhcftcn. Aber wenn nun vec Recenftnr Recht hat< Wenn auch. Das dümmste Buch, das je geschrieben worden, giebt ihm kein Recht, den Verfasser zu beschimpfen. Ich kämpfe hier freylich gegen Ideen, welche von Leuten, die dabei) interessitt sind, so häufig ausgeschrieen worden, daß endlich ein großer Theil des Publikums sie advptirt hat, gleichwie cs noch viele giebt, die an Donnerkeile glauben, weil sie donnern höre», und sich nicht vorstellen können, daß so großer Lärm blos voa der Lust hervorgebracht wird. Da ich meine Mcynungen über Kritik in keinen Bombast von Werren hüllen mag ^ wst Herr Huber, sondert, vo» IOl von ftdem Leser verstanden zu werden wünsche, so rede ich immer am liebsten durch Beyspiele. Laßt uns den Fall setzen, ein zahlreiches Publikum habe sich in einem großen Saale versammelt — meinetwegen so groß, als das Am. ph'chc,.tcr zu Derona; nun träte ein Mann herein, der sich durch eine bizarre, geschmacklose Kleidung auszeichneke, und sich noch obendrein, um bemerkt zu werden, mitten in die Arena hinpfianzte; sogleich werden die Zuschauer einanvec in die O' rnl flüstern; der Kerl ist ein Narr! man wird ihn von der Scheitel bis zur Fußzch wacker durchhe- cheln; aber Niemand wird sich eine Tribüne bauen lassen, um von La herunter den Gecken an)ufckee)>en, und den 22000 Zusich eucrn vorzugurgeln, was sie, ohne den un. berusu-M Prediger, mit eigenen Augen sehen. Würde man nicht ihn mit mehrercm Rechte auslachcn, als jenen Eon' - img auf der Arena, wenn er aus voller Kehle po> ft -e?-. „,ch will euren Geschmack bilden! ich will euch in .... -mnd setzen, jene Kleidung zn beurlheilcn! denn ihr ..'yd Schwachköpfe! es könnte euch cinfallen, sie für schön zu halten, oder gar nachzuahmen, und das wäre „ein großes Unglück! — seht her! so einen Zopf müßt „ihr euch flechten lassen, wie ick trage; eure Westen müs- «ftn zugeschnitten seyn wie die Meinige u. s. w." — Ver- mukhlich würde das Publikum beyde auspfcifcn, die Polizei) aber nur den Einen hinauswerfen, nenilich den unberufenen Kritikus. Warlich! ebensowenig, als ich den ausgemachtesten Dummkops bcy der Hand nehmen, auf den Markt füh. G ; ren, Ivr reu, und ihm da öffentlich sagen darf: -Herr! Sie sind ein Dummkopf! eben so wenig dürfte es auch erlaubt seyn, es drucken zu lassen. Ich kann cö diesem und jenem ins Ohr raunen, das darf mir Niemand wehren; aber mir Herolde halten, die cs auf allen Straßen ausposaunen, nein, das darf ich nicht. Vielleicht wird man mir cinwenden: „wer seine Albernheiten drucken laßt, der muß sich auch gefallen las- „scn, die Urtheile darüber gedruckt zu sehen." Aber man bedenkt nicht, daß durch den Druck eines dummen Buches Niemand in seinen Rechten gekrankt wird; baß cs Jedermann frei) sieht, das Buch zu kaufen und zu lesen, oder es bleiben zu lassen; kurz, daß kein Mensch das Geringste dabcy leidet oder cinbüßt. Ganz anders verhalt cs sich mit einer hämischen, von groben Beschimpfungen strotzen« den Neceyston, (denn ich rede immer nur von Necensionen a ia lckukor,) die krankt den Verfasser würklich an dem ihm zustehenden Rechte, mittelst dessen er verlangen darf, von jedem Unbekannten mit Wohlanständigkeit behandelt zu werden ; dis fügt ihm würklich auf tausenderley Art einen sehr reellen Schaden zu. Und gesezt auch, es Ware würklich eln verbrechen an der nmischlichen Gesellschaft, ein dummes Buch drucken zu kassm; so ist es doch Eines von denen, an welchen sie schweigend Rache nimmt: sie ließt es nicht. Die L.I» gesteht ja selbst: daß sie nicht emsichr, welchen Nach- therl auch die schlechtesten poetischen Früchte hcrvor- bringcn roz bringen könnten < Va sie entweder ungenosi'en liegen, oder nur von denen aufgenonnnen werden, deren Geschmack sie anqemcsicn sind. Wenn also das Publikum auf ciuc so unzrvcydcutigeArtsein Richteramt selbst ausübt, so ist es wohl klar, daß unter Mein, was jemals überflüssiges geschrieben worden, diese Rccensioncn das Ueberflüßigsie sind. - Und schädlich obendrein! zernagend wie ein Wurm, manche Blüte, die, wenn sie auch nicht immer Frucht an» gesezt hätte, doch das Auge ergözt haben würde; (denn ich kenne keinen Gärtner, der cs für nöthig hielte, alle taube Blüten von seinen Obstbaumen sorgfältig abzuschnei- den; ey, die fallen wohl von selbst ab.) Wie manches Feuer mag sich im Stillen verzehren, wie manches Talent verkümmern, weil sein Erstes Probe, stück kein Meisterstück war, und weil cs in der L. Z. so jämmerlich durchgepeitscht wurde, daß aste Menschen mit Fingern darauf zeigten. Es giebt freylich emporstreben» de Genies, deren Federkraft selbst solche Eewaltthätigkei« ten nicht hemmen mögen, aber sie sind selten. Gewöhn« lich rührt der Frost der Kritik die zartesten und kostbarsten Pflanzen am leichtesten; und wenn nun die L- Z. auch nur eine einzige solche Pflanze hat erstarren machen; wenn sie nur ein einziges aufkcimendes Genie unterdrückt hat; wodurch kann sic den Schaden wieder gut machen? — welchen zweydcutigcn Nutzen gewahrt sie für ein solches würk- liches Uebel? — Einen unerkannten, aber darum nicht minder großen Nachtheil, den solche Nccenstonen schaffen, hat Marino»- G 4 tel !O4 tel mit einleuchtender Wahrheit gerügt. „Wenn beschimpfte »Autoren, sagt er, über dergleichen pöbelhafte Beleibt» »gunge« erhaben sinh, wenn sie, umflossen von den Wol- »ken, durch weiche der Neid sie gern vervunkeln möchte, »ihren Ruf dennoch bcy achten Kimstrichter» ;u erhalten »wissen; so wird der große Haufe drum doch nicht weniger »empfänglich scyn für den Eindruck der Verachtung, de» man »ihm gegen Talente mikzuch.eücri sucht, und mau wirb sehen, »wie nach und nach jene allgemeine Hochachtung in den »Gemächern schwacher wird, die der schönste Lobn schrift. »siellerischer Arbeiten, Keim und Nahrung der Nachci« «ferung ist.« (8i Iö5 guteurs outraoss8 sunt trop au 6esi'u8 cios iri. suite«, pour ^ etre serchdie, r' ilx conservenr leur rejm- tgtiou 6au5 l' opiniou 6es vrairjuAes, »u milieu cle« nua^es, ciont Is halse envie eisoree eis 1' uhlei-reir, Is rnultituüe n' en recevra pa8 moinx 1' iinpreliinn ein inepris, ^u' on gura vuu!u re^ancire stur le; talenk, et 1' on verra j)eu a peu 8' alsuihlir 6an8 ler esjui>8 eetts contiüerstion universelle, la plu8 eliAns recoinpenss öe8 trsvaux litlersirex, Is Zerme et i' sliinent 6s I' ernulgrion.) Und was können nun wohl die kritischen Richterstäh» le (des Geschmacks nicht der XVisidnschafren,) gegen sol« che Vorwürfe einwcnden? — wenig! sehr wenig! — Im Jnttlligenzblatt der L. Z. vom Januar 9;. heißt rs: »man wird nicht in Adreve ft)',,, daß die Allgemeine deutsche »deutsche Bibliothek so wie die Littraturzeitung sich um die „deutsche Literatur gegründete Verdienste erworben habe." (Ein unerwiesener Vordersatz, von dem man nie ausgehen sollte, denn wie, wenn man es würklich in Abrede wäre?) „Ist man das," (soll husten ist man das nicht; die Herren nehmen cs mit ihren Construclioncn nicht gar zu genau,) »so ist cs zum mindesten undankbar, diese Jn- „stitute um der Menschlichkeiten willen» die sich allenfalls „daran ausspürcn liesten, so tief herabzuwürdigcn, und »dem Spott des Publikums Preist zu geben." Also Menschlichkeiten lassen sich allenfalls an der L. Z. ausspürcn? — wie sanft! wie leise! wie schonend! — und diese Menschlichkeiten soll man ihr um ihrer Verdienste willen verzeihen? — Da müßte man so verliebt in ihre Machtsprüche seyn, als Lessings Prinz in Emiliens Schönheit! viel gefoderl — sehr viel — aber sie heißt Lire» raturzrilung — gewahrt! — Ja, wenn ihre Mensch, lichtesten nicht oft in Unmenschlichkeiren ausarteten; und wenn das angerühmte Verdienst unbestritten wäre. -- Auf Treu und Glauben, ich weiß im Fache der schö. nen Wissenschaften nur sehr wenige Ncccnsionen, die An- spruch auf Gründlichkeit, Bescheidenheit und Unpar- rhe/lichkeir mache« könnten. Um die leztcre Tugend selbst zu üben, will ich auch von solchen das Erste beste Beyspiel gehen, das mir am nächsten zur Hand liegt: die Neccnsio« des -Hesperus, die ich für gründlich, bescheiden und wahn anerkenne, die in einem kalten, unparlheyischcn Tone ge- G 5 rechtes ro§ rechtes Lob und gerechten Tadel verbindet; die sowohl das seltene Verdienst jenes vortrefflichen Schriftstellers, als auch seine zuweilen geschnnrcklosen Excentricitären gehörig würdigt. Waren alle Rccenstoncn der L. Z. in diesem To» ne geschrieben, wer würde es wagen, sich gegen solche Richter aufzulehnen. — Aber auch dann noch würde ich bekennen, daß mir der Nutzen derselben nicht cinleuchte. Verständige Leser haben, früher als der Rccensent, eben so entschieden, und unverständige werden sich so nicht daran kehren; der Verfasser aber, wenn er ein so ausgezeichneter Kopf ist als Jean Paul, wird seine übersprudelnde Laune nach und nach schon selbst in das Bette eines reinen Geschmacks zurückleiten. Wenn also auch eure meisten Kritiken der Rccension des Hespcrus gleichen, so wäre das noch immer keine Ent- sündigung euer zahlreichen Unmenschlichkeiten. Zwölftes Fragment. Ueber Anonymität der Necensenten. ist für und wider diese Namenlosigkeit vieles und viel gesagt und geschrieben worden. Ich mag nicht durch Wiedel Höhlungen ermüden. Daß man bey einem guten Gewissen wohl Recensionen schreiben, und sich neunen dürfe, bcwcißt der Hr. Professor Niethammer durch sein philosophisches Journal, in welchem die Beurtheilungen mit der der Unterschrift der Verfasser, ohne den geringsten Nach- thcil für die Wahrheit, oder für den Bekenner derselben, versehen sind. Es ist freylich sehr bequem, wenn der Redacteur manche Rccensioncn auch durch Studenten schreiben lassen darf, die sich das Rmrauen zur höchsten Ehre rechnen, und kein -Honorarium bekommen. Darf» zum Beyspicl, die L. Z. es wohl wagen, den Namen desjenigen Neccn» senken zu nennen, der die elende Recension über den Göttinger Musenalmanach geschrieben har? Ich wette, es steckt ein Schüler oder etwas dem Aehnliches dahinter. Entlarvt würde das Publikum ihn cuszischcn; unter dem zu« geschlagenen Visir gilt er auch für einen Ritters,nann. Mein Glaubensbekenntniß über diese heillose Anonymität hat Rousseau niedergeschricbcn: „Wer," sagt er, «einen Menschen richtet, der Aufschn in der Welt gemacht «hat, unb ihn nicht allein vcrurtheilt ohne ihn zu hören, «sondern sich auch verkappt um zu richten, der — könnte «er auch die spitzfündigsten Gründe dafür anführen, wäre «er auch gleich der Gerechteste und Tugendhafteste, wäre «er ein Engel auf Erden -— der mag nur immer sich selbst «prüfen, erwirb, wider Vermnthen, die Ungerechtigkeit «auf dem Grunde seines Herzens finden." *) Die *) Hulconque juxcgnr un komme, gui s ksir äu bruie ä»nr I« inonäe, non k-ulemenr le juxe kuns I'enren6re, mais ke cgclie >le lui pour le juxer, guel^ue prekcxrc kpecieux qu' il sllexue, er kur i> vreimcnr juke er verrueux, kur il un onxe kur I» rerre, <^u' il renrre bien en lui meine, I' iniguire küns qu' il s'enäoure, «8 cLcbee »u konä ä« ton coeur. ^oukkeru äiqloxuer. io8 Die Irokesen haben eine Gewohnheit, die man den Recenftnten empfehlen möchte. Sie pflegen nemlich bei) ihren festlichen Verfammlnngcn auftutreren, lim das Lob ihrer Helden zu singen. Entfernt sich Einer der Sänger von der Wahrheit, so schwärzt man ihm das Gesicht. O! Wenn man doch jedem lügenhaften Recenscntcn auch nur einen Schnurrbart mahlen dürfte! wie viele Schnurrbarte würden in der Welt hcrumlaufen! Daß sic bisher ohne Schnurrbarte geduldet worden, möchte noch hingehn; daß die L. Z. aber sogar ihre Namenlosigkeit für unverletzlich halt, daß sie das Vergreifen daran, wie die jüdischen Priester daS Eindringen des Titus in ihr Allerheiligstcs, als eine Gottlosigkeit betrachtet; daß sie gleichsam eine Freistatt uns sich macht, wohin sich allerley Leute flüchten dürfen, und wo die Gerechtigkeit sie nicht erreichen kann, (so wie es in Nom eine gewisse Kirchentreppe giebt, auf der man der Sbirrcn spottet—) das ist eine so komische Anmaßung, daß man ausrufen möchtet rilum tenealir smici! Man höre doch, was ein Herr Necenscnt, dem man auf die Spur gekommen war, im Intelligenzblatt des Ja« nuarmonats 1795 sich Zusagen untersteht: „Wenn Hr. M. mich gemeynt, errathen, oder durch ^unerlaubte Wege erfahren hatte — " Ist freylich schlechtes Deutsch, und soll eigentlich heißen : meinen Namen erfahren hatte — aber nun — die ungeheure Anmaßung! — Die Anonymität der Recenftnten ist ist so heilig, daß cs unerlaubte Wege sind, auf welchen man ihre Namen zu erfahren sucht. Es ist doch unwider. sprcchlich wahr, daß derNccensent, der mich seicht, oder ha. misch, oder bitter, oder gar schimpfend bcurrheilr, mir einen Lheck meiner Ehre raubt, und wäre cs auch nur in den Augen eines einzigen leichtgläubigen Menschen; cs kann mir also zuweilen eben so viel daran gelegen seyn, ihn zu entdecken, als einen Hausdieb, der mir einen silbernen Theelöffel stahl. Wenn ich nun durch die Leitungen bekannt mache: ich verspreche demjenigen eine Belohnung, der mir den Dieb meines Theelöff.ls nachweißt, kann der Dieb anftreten und sagen: du bist einen unerlaubten Weg «ingeschlagen, um meinen Namen zu erfahren? Dreyzehntes Fragment. Ob es gut sry, daß der Rccensent eines Schauspiels selbst in diesem Fache Versuche gemacht habe? <4nf den Ersten Anblick sollte man die Frage bejahen; denn derjenige urtheilt gewöhnlich richtiger, der mit den Schwierigkeiten, Hülssquellen und praktischen Handgriffen einer Kunst bekannt ist. Aber — jedes Ding hat ein Aber. Einst wurde in der Versammlung der Thiere der Co» con eines Seidenwurms vorgezeigt, der von Pfote zu Pso> te gieng rmd allgemeine Bcwundrnng erregte. Nur die Heu- Heuschrecke fand viel daran zu tadeln, denn — sie machte selbst Locons, die nichts raunten. Diese Heuschrecke ist Hr. Huber. Seit zehn Jahren schon sejt er auf den Titel einer jeden Broschüre: von Sem Verfasser Vcs heimlichen Gerichts; er ist also überzeugt, hast dieser Cccon ein außerordentliches Meisterwerk ftp, welches allen seinen übrigen Cocons zur vollgültigsten Empfehlung dienen müsse; er ist überzeugt, daß kein Mensch dieses edle Bewußtsein etwa für kindische Eitelkeit halten werde; was muß er daher empfinden, wenn eine seit zehn Jahren immer fort tönende Posaune des Eigenlobes, den« noch keine wärmere Aufnahme des Zuschauers bewürkc» konnte? wenn die Blinden nicht sehen wollen, so oft er auch das Licht unter dem Scheffel hervorziehl? — wenn dagegen plötzlich ein Mitbewerber auftritt, der es zwar nicht wagt, sein Menschenhaß und Reue auf jedes Titelblatt zu klecksen, der aber die süße Belohnung genießt, tausend Augen Lhränen zu entlocken, und die Vorstellungen seiner Stücke selten leer zu wissen? — was bleibt ihr» anders übrig, als die fremden Cocons zu tadeln, und Jedem, der Wenfall klatscht, auf den Kopf Schuld zu ge« den, dass er keinen Kopf har? Scherz bey Seiter eigne Delicatesse, ein zartesMiß/ trauen und Furcht vor menschlicher Ueberrafchung sollte jedem Schanfpieldichter verbieten, in diesem Fache zu reccn- stren. »Die Eigenliebe/' sagt Niedel sehr richtig in seinen Briefen über da» Publikum, „die Eigenliebe macht uns »all« nr „alle andere Schönheiten verächtlich oder gleichgültig z „schweigen sollen wir also von unfern Mitgenvffen, und „wenn wir ja reden wollen, so gelten unsere Urchcile —- „nichts." PopeS Ausruf: I.et tiioso tesks otlierr vvlro tliemseive« excell /errcl aeirluro sreel)-, >v!io irave dritten >volj, ist keine Autorität für das Gcgentheil, denn er sezt wohl- bedächtig die Einschränkung hinzu: daß der RecensenL selbst in diesem Fache excelliren, daß er ein Wieland seyn müsse; und dann versieht es sich ja von selbst, denn Dichter wie Wieland sind über den Neid erhaben. Vierzehntes Fragment. Warum die Recensenten vor einigen Jahren anders über mich urtheilten? V^s gab eine Zeit, wo die nemlichr L. Z., die jezt Alles was ich schreibe hämisch tadelt, und zuweilen sogar hämisch lobt; (welches noch schlimmer ist,) es gab eine Zeit, sage ich, wo sie mir die unverdiente Ehre anlhat, mich unter die elastischen Schriftsteller Vcr Nation zu zählen. Man sehe die Recension eines fränkischen Musenalmanachs im Jahr 8? oder 88. wo es dem Herausgeber zum Vorwurf gemacht wird, daß er in dem Verzeichniß der deut-- schm >12 schen Schriftsteller, unter mehreren klassischen Namen, auch den Meinigen ausgelassen habe. Wie mag es doch zugehn, daß das Instrument sich seitdem so gewaltig verstimmt hat? da ich jezt, wo nicht besser, doch gewiß nicht schlechter schreibe als damals? Rousseau mag für mich antworten: — L' eit cpr' aloi'5 perlcmne n' gvoit interet g cle- Zvißer ls verite. — Voila pour^uoi le; juKemens ^u' cm portoit /ae/r/ für cet homme, font sutorite pour naoi, et poumuoi ceux, -zue /et Memer en peuvcnk porter aujourcllmi, u' en font p!u§. — 8i Vous aver s celn (fuelque könne reponfe, Vous rn' okIiZerer cls rn' en fsire psrt. (-— weil damals Niemand ein Interesse hatte mich zu schmähen. — Daher stehen die Urrheile, welche man vormals über diesen Menschen aussprach, in Dnfchn bey mir, und daher haben diejenigen, welche die nemlicben Leute heutzutage einander nachplappern, kein Gewicht für mich. — Wer darauf etwas vernünftiges antworten kann, der erzeige mir den Gefallen, es mir mitzutheilen.) On s' elssoree g trouver kgifsichle ce <^u' on hgit^ et s'il oll vrai czue 1' komme prevenu voit ce ^u' il croit, il I' eil bien plus encore, ^u6 I' komme palllonne voit ee i^u' il 6elirs. 1.» ^isserence eft 6one ici^ ^uü me vo/ant ,'a-lis laus interet, cm me juAeoit fsn» par- tislitä, et <^u'sujourclkui lg prevenücm et ja Haine ns permettent plus cle voil Lk mor c^ue ce 0n vsut / twu- trouver. ^ux^uels 6 c>na 3 Votre avir, 6 er sncienr ou 6 er iMuvcsux juZeinenr, je jH'eju^e 6 e ja rsifon^oit ij Courier ^!ur 6 ' gukorite? (Was man haßt, findet man gar zu gern auch has. scnSwerth, und wenn cs wahr ist, daß der Mensch mit Vorurrheilen dasjenige sieht, was er glaubt; so ist es noch viel wahrer, daß der Mensch mit Leidenschaften dasjenige sieht, was er wünscht. Der Unterschied ist also hier, daß, da man mich vormals ohne Interesse betrachtete, mau unparthcyisch urkheilte; daß hingegen Haß und Voi urrhcil jezt nichts Anders an mir finden lassen, als was-man finden will. Zu welchen dieser Urtheile — ich bitte euch — zu den allen ober neuen, soll die Vernunft Vertrauen fassen?) Was die wenigen Stimmen im Publikum betrifft, die den Rccenscnten nachlallen, so sind das meistens nur Ausbrüche eines frommen Schreckens mancher armen Seele, der die Tugend zu hoch ist, um sich daran zu halten, und die sich daher den Spazierstock der Vorurtheile nicht nehmen lassen mag. Will man keinem Menschen anstößig werden, so muß man keine andere Ideen haben, als die die ganze Welt hat. Dann hat man zwar kein Genie, aber auch keine Feinde. Wagt man es hingegen, eine neue, Helle Idee zu äußern, so ist das eben so viel, als trüge man Licht in rin Enlennest, die kleinen Eulen werden Alle schrcpen. H Fünf H4 Fünfzehntes Fragment. In welcher Achtung stehen, und standen von jeher, die Recensenten bcy den aufgeklärtesten Köpfen der cwilisirtesten Nationen? ^Manwird mir vielleicht vorwerfen, daß ich in dieser Schrift mit zu weniger Achtung von der Recensentenzunft gesprochen; aber, ich bitte euch, worauf gründet sich Acb- tungi — „Sic ist eine ausgezeichnete Meynung von den „Vorzügen des Andern,« sagt Feder in seinem Tuche über den menschlichen Willen. Ist denn die Kunst, in Schmähungen n la küubsr auszubrechen, ein Vorrug^ — „Die „nächsten Ursachen der Hochachtung (eben daselbst) sind „in dem Eigennütze, der Sympathie oder dem Wohlwollen gegen Andere, und noch in einer unmittelbaren Wür« „kung, die das Große auf unfern Geist thut, enthalten." — Aber gewinnt denn mein Eigennutz bey hämischen Re> censionen? — aber kann man denn Sympathie und Wohl- wollen gegen einen Recensenten empfinoen? — aber ist denn jemals in einer Recension etwas Großes, das meinen Geist an sich zöge? „Jeder Mensch, der weder durch Bosheit noch durch „Leidenschaft irre geführt wird, ist immer desto nachsichtch „voller, je aufgeklärter er ist." (Iciut komme, lorsgu' ij i? ell ns meckant, st . heit oft plözlich beleuchten. Jeder individuelle Charakter soll also mit dem Nationalcharaktcr verschmolzen schn, und weil wir Deutsche keinen Nationalcharakter haben, so sollen wir auch nicht im Stande ftyn, individu-elle Charaktere so darzustcllen, daß jeder Zuschauer sie sogleich erkenne. Das ist eine höchst sonderbare Behauptung. Wenn also der Deutsche einen Geizhals schildert, so wird cs schwer, feine» Geizhals zu erkennen, weil er ihn: keinen Nationalgei; beymischen kann. Denn durch die Absonderung des Allgemeinen soll erst die individuelle Natur hervorsvringcn. Ich wünschte, Recenscnt thätc mir den Gefallen, und sonderte von Molieres Geizigen das Allgemeine ab. Ich muß gestehn, daß ich dafür keinen Sinn habe. Das begreife ich wohl, daß cs manche Leidenschaften gicbt, die durch den Nationalcharaktcr so oder so modificirt werden, aber ich sage mit gutem Vorbedacht: nur Manche. So unterscheidet sich der Stolz eines republikanischen Franzosen von dem eines rechtgläubigen Spaniers, selbst in solchen Dingen, wo weder Freiheit noch Glaube ins Spiel kommen; der französische und der spanische Geizhals hingegen unterscheiden sich meines Vedünkens in nichts. Wenn auch vielleicht der Lcztere seinen Schatz in einer Kirche, und der Erstere unter einem Freyhciksbaume am sichersten hakt, so sind das doch nur zufällige Verschiedenheiten, die keinen Einfluß auf seinen Charakter haben, und die man nicht erst abzusonseri, braucht, um seine Individualität zu erkennen. Doch weiter: »Sie I2Z »Sie sind isolirte Wesen, welche der Nation nicht »angehören, und von dem Zuschauer unmöglich als »Geschöpfe seiner Art angesehen werden können." Als ob die Zuschauer nicht zuerst Menschen waren, «hefte sich zu einer Nation rechnen können, und als ob ein richtig gezeichneter Mensch, er trage übrigens ein kur, zcs Kleid, wie die Schweben, oder ein langes, wie die Russen, nicht von jedem Zuschauer als ein Geschöpf sek« nec Art erkannt werden müßte. »Da wir keine bestimmte Nationalsitten haben, so »können wir in ihnen auch nicht das Lächerliche für die Komö- »die auffinden." Ich würde den beschränkten Dichter bcdouren, der, statt seinen Beattie zu studieren, und daraus zu lernen, wie man Lachen erregen kann, seinen ganzen Witz darauf cinschränkte, eine ephemere lächerliche Sitte auf die Büh» ne zu bringen. Aber au deutschem Nationalstoff würde cs ihm drum doch nicht fehlen, denn die Behauptung: daß wir keine Nationalsittcn hätten, ist falsch, und der Vcr« fasser hat sich weislich gehütet, sie durch Beispiele anderer Nationen zu belegen, weil er dann unvermeidlicheBlös« sen gegeben haben würde. Bcyspiele sind der beste Pro» bicrsicin für Hypothesen. »In so fern Sitten aus dem Charakter einer Nation »entspringen, wird jene Abweichung von dieser allgcmei- »nen Regel, als durch einen Contrast lächerlich; entstehen »sie aber durch Raffinement, so liegt blos eine conveutio» „nclle 124 „nellc Norm zum Grunde, und die Abweichung von der- „selben wird ein Verstoß, der ernste Mißbilligung erregt." Hier also gesteht der Verfasser auch den Deutschen Natioiialsitten zu; aber nur solche, die aus Raffinement entspringen. Mich deucht aber, aus Raffinement entspringen bloß National-Moden, und nicht National- Silcen. Die lcztcrcn verdanken ihren Ursprung dem Klima, der Religion, der Rcgicrungsform, keineswegcs aber dem National-Charakter, der überhaupt gar nicht cpistirt. Da übrigens der Verfasser das Lächerliche mit allem auf den Comcast gründet, dieser Contrast aber, selbst wenn seine feine Distinktion richtig wäre, in beiden Fasten Statt finden würde; so sehe ich nicht ein, warum er doch nur iin Ersten Fall Lacken, im Zwcyken aber eine ernste Mislailligung erregen sollte? und warum eine Nation eifersüchtiger auf ihre convemionelle Norm als auf ihren Charakter seyn müsse? „Unfern komischen Dichtern bleibt nun nichts übrig, „als ihre Charaktere mit Humor zu überladen, um sie er» „kennbar zu machen; durch die starke Individualität, wel. „eheste hervorzubringcn suchen, gestehen sie selbst, daß „sie nichts Allgemeines gefunden haben, worunter sie viele „Charaktere begreifen könnten." Da versteckt sich der Verfasser einmal wieder hinter ein sehr vielsinniges Wort: Humor — was will er damit sagen? — humoristisch ist so ziemlich synonym mit cxcm- krisch, und in dieser Bedeutung muß freylich jeder individuelle I2Z duelle Charakter Humor haben. Ist er überladen, so ist das die Schuld des Dichters und nicht der Natur, die ihm Allgemeines genug an die Hand giebt, um viele Charaktere darunter begreifen zu können. Hat denn Molicre, durch die starke Individualität seines Geizigen, auch das Eestandniß abgelegt, daß er nichts Allgemeines vorge- funden habet — So hätten ja also die Franzosen auch kein Nationalthcater?— und wer hatte es denn überhaupt in diesem geschraubten Sinne t Allgemeines muß man, wie gesagt, blos in der menschlichen Natur suchen. Cs ist zum Bcpspiel allgemein, daß ein Mann, dem! sein geliebtes Weib davon lauft, den sein Freund betrügt u. s. w. ein Menschenfeind wird, und das wiedcrfahrt dem Deutschen so gut, als dem Engländer oder Spanier. Folglich muß der Dichter die Zeichnung des Menschenbasses überhaupt in der Natur suchen, und die individuellen Züge muß er aus Erziehung, Temperament und Situation seines dargestclltcn Individuums hernehmen. So ist es in Meinem ein allgemeiner Zug des Menschenhasses, daß er Gesellschaft flicht, und ein besonderer Zug seines Menschcnhasses, daß er dennoch gleichsam wider Willen wohlthatig ist, weil Temperament und Erziehung ihm das Anschmiegen an Andere zum Be- dürfniß gemacht haben. In der Zeichnung dieser moralischen Krankheit macht es überhaupt einen großen Unterschied, ob das Ucbcl im Herren oder im Ropfe sijk? Unter dem Erstrrm verstehe ich 126 ich hier ein würkliches körperliches Gebrechen/ eine fehlerhafte Organisation des Unterleibes, die Mißgeburten der Einbildungskraft erzeugt, und das, was wir Seele nennen, so jämmerlich beengt, daß der arme Gequälte Alles falsch sieht, Alles falsch beuriheilt. Zu dieser Klasse gehörte vielleicht Rousseaus Menschcnhaß, und die Zeichnung dieser Gattung begehrt weit grellere Farben, als die der Andern, die nur gleichsam tcmporair im Kopse sizt; die der Mensch sich selbst crgrübelt hat» um sich für unverschuldete Kränkungen zu rächen; die er nur deshalb auf das ganze Menschengeschlecht wirft, um sich nicht gestehen zu müssen, daß er sich blos in den Individuen geirrt, und daß dieser Jrr- thum seine eigene Schuld sey; mit einem Worte, einMcn- schrnhaß, der ihn zwar nicht hindert, richtig zu sehen und zu urthcilen wie vorher, ihn aber gegen sein eignes besseres Gefühl bewaffnet, und in ewigem Kampfe erhalt. Hier kann und must der Dichter sich sanfterer Farben bedienen; denn vor Len Augen des -Herzkranken ist Alles dunkel, vor denen dcsRopfkcanken hangt nur ein Schleyer, und wenn wir — wie in meinem Schauspiel — Freundschaft und Liebe diesen Schleyer wcgziehn, so wird cs wieder Heller Tag. — Aus diesem Gesichtspunkte habe ich den Charakter des Menschcnhassers genommen; vom deutschen Nationalcharakter konnte dabey gar nicht die Rede ftyn. Uebrigcns ist es höchst lächerlich, daß der Verfasser oder die L. Z. diesen Mcinau unter die Nackenrollen zählt, und sagt: „er sey kein Narr der der Nation angehe, son- »dern ein Narr für sich.« Der französische und englische M'san« 127 Misanthrop hingegen, sollen, außer ihrem Charakter, noch den der Nation haben, „und man dürfe nur diese,, von „Jenem abziehn, um zu wissen, was übrig bliebe." — Wenn das ist, warum gebt ihr uns denn nicht ein belehrendes Veyspiel? warum zieht ihr denn nicht von Molie- res Misanthropen ab, was der Nation zugehöct, und laßt uns schauen, was übrig bleibt? In Meinau soll man '„bald die tiefste Schwermuth „erblicken, bald soll er ganz wohlgemuth fcyn, und seine „Angelegenheiten mit der größten Unbefangenheit bctrei« „bcn." — Beweise sucht man abermals vergebens. Es scheint daher, daß der Verfasser seine Kritik nicht mit der größer,, Unbefangenheit treibt, und daß der laute Beyfall, den das Stück erhalten, ihm nicht vergönnt hat wohlge- niuch zu seyn. „Man weiß daher nicht, heißt cs weiter, wohin „man ste bringen soll, weil man in ihnen weiter nichts er- „kennt, als Leute, die nicht so handeln wie wir." — Wenn dieses weil richtig Ware, so müßte der Fall sehr oft Vorkommen. Wohin bringt wohl der Engländer seinen Fallstaff? — Wenn doch der Verfasser mir und dem Publikum den Dienst erwiese, von derRolle des Fallstaff dasjenige abzuziehn, was der Nation angehört. Mich dünkt, Fallstaff ist auch ein Narr für sich. Vom Trauerspiel heißt' es: „unsere Dichter finden „in unseren Herzen sich keinen bestimmten Punkt angewiesen, auf welchen sic losarbeiten könnten; durch Schrecken 128 „ckcn und Verzweiflung müssen sie cs als eine Festung er- „vbern; nicht Rührung, das cigenchümliche Produkt der „Kunst, sondern Schmerz können sie hervorbriugcn." Den Vorwurf, den der Verfasser hier unseren dem- sehen Herzen macht, mag widerlegen wer Lust hat, wenn es anders einer Widerlegung bedarf. Es ist eine ungeheure Behauptung, die ich zum Erstenmale lese oder höre, daß unsere Herzen blvs durch Schrecken oder Verzweiflung erobert werden mästen. Wer von dem ttngrund derselben nicht ohnehin überzeugt ist, der gehe in ein Isslandschcs Schauspiel, und sey selbst Zeuge von der sanften Rührung die es hcrvorbringk. Ucbrigenü wird hier wieder nur mit Worten gespielt. Rührung ist auch Sckmerz, nur ein milder Grad desselben. Trauerspiele, die einen höheren Grad Hervorbringen, wie es deren wohl Einige giebt, werden nur von Wenigen besucht, zum Beweist, bast der Dichter nicht den besten Weg wählt, der unsere Herzen durch Sturm erobern will. „Das Ucbel als Uebcl interessirt uns gar nicht — " Weil man überhaupt von einer abstrakten Idee nicht sagen kann, daß sie interessirt. „— sondern wir nehmen cs erst nach dem unangc, „nehmen Eindruck wahr, welchen es auf uns macht, be- „trachten es nicht in einer gewissen würde —« Was soll das heißen? „sondern als eine Schwächung und Kränkung unse- „rer Natur, und hört der unangenehme Eindruck auf» so «rMirt es entweder gar nicht mehr für uns, ober wir spie- »len gegen dasselbe den.Pvltron." Mein 129 Mein Gott! was soll das heissen? wie kann man gegen Etwas den Poltron spielen, was keinen unangeneh. men Eindruck mehr auf uns macht? Ob der Verfasser sich wohl selbst verstanden hat? »In so fern ist also unser Publikum daran Schuld, „daß wir kein tragisches Nationalihearer haben. Liber „auch unsere Dichter lasser, sich Manches zu Schulden „kommen, was sich nicht durch ihr Publikum entschuldigen „läßt. Sie stellen dar nur dem Charakter eines Egoisten, „nach dem Verhältnisse, was die Gegenstände zu ihnen „selbst haben, anstatt daß sie die Beziehungen der Gegen- „stände unter einander schildern sollten, nach einem allge« „meinen Princip." Erstens kann das nur von schlechten Dichtern gelten. Zlweptens kann es von den allermeisten Trauerspielen gerace gar nicht gelten. Denn man setze den ausgemachtesten Egoisten hin, um einen Orest, eine Merope, oder einen Tinioleon zu schreiben, so sehe ich nicht ein, wie er, mit dem besten Willen seinen Egoismus einzumischcn, Verhältnisse dieser Gegenstände zu sich selbst finden könnte. Er isi also gezwungen, die Beziehungen derselben unter sich aufzusuchen, und sie so darzustellen. Das allgemeine Princip ist abermals die Natur. »Ist der Zuschauer nicht in derselben Stimmung wie „der Dichter, so geht die Dichtung für chn verlohren." Der Zuschauer mag seyn in welcher Stimmung er will; wenn der Dichter gut ist, so wird er Jenen schon in die I Seini- izc> Seinige zu versetzen wissen. Ucbrigens würde das auch von allen Nationen gelten. »Ist seine Individualität gerade derselben ähnlich, so „würkt sie hinreissend auf ihn; aber auch nur so lange, »als sich diese Stimmung bei) ihm erhalt." Gilt wieder überall. „So kann Eine Parthie ganz gleichgültig gegen eine „dramatische Dichtung bleiben, mit welcher die Andere Ab» „götterey treibt, und so kann aus einem schwärmerischen „Bewunderer der kälteste Tadler werden." Alle diese Worte — denn warlich! es sind nur Worte — sind blos aneinander gereiht, um zu beweisen, daß ein deutscher Schauspieldichter, der gefällt, blos das Glück gehabt hat, ein Publikum anzutrcffen, dessen Individualität der Seinigen ähnlich ist. Das soll also wohl eine Demüthigung seyn, aber ich für mein Thcil begnüge mich gern damit; denn da meine Stücke in Deutschland, Rußland, Polen, Schweden, Dännemark, Holland u. s. W. überall mit Veyfall aufgeführt worden, so kann ich mich rühmen, daß ich wenigstens eine sehr allgemein anpassende Individualität besitze, und wenn ich mich nicht sehr irre, so ist das eben kein schlimmes Kompliment, denn es heiße mit andern Worten: Reiintniß des menschlichen Herzens. , „Daher dann die unaufhörliche Periodenweise Ab« „Wechslung unsers Theaters; cs kann zu keiner Selbst, „ständigkeit kommen; daher lassen die Begebenheiten unft- «rer !ZI »rer Schauspiele keine gute Spur in uns zurück, machen »keinen großen Gedanken in uns rege —" Der Verfasser sollte nicht uns sagen, von ihm will ich das Alles wohl glauben. »und wenn wir gerührt sind, können wir uns sicher »zurufcn: wir sind wahre Thoren, daß wir gerührt »sind!» Das ist wohl der Triumph der Hypothesensucht, daß, wenn etwas nicht in unsere Hypothese paßt, und wir cs doch nicht weglcugnen können, wir lieber sagen; wir sind Thoren, daß es so ist. Oben wurde behauptet, das deutsche Theater erobere nur durch Schrecken und Verzweiflung, und bringe Schmerz, aber nicht Rührung hervor. Hier wird nun zwar die Rührung zugesianden, aber sie ist eine Lhorheit. Man übersehe doch noch Einmal die Gedankensprünge: der Dichter stellt dar als Egoist <— er würkt nur auf den Zuschauer durch verwandte Individualität — daher bleibt keine gute Spur zurück — daher ist unsere Rührung Thorheit. Wenn nun auch der Vordersatz richtig Ware, wie in ^ aller Welt kommen wir zu der Schlußfolge? — kann denn das Individuum eines redlichen Dichters nicht auf das verwandte Individuum eines redlichen Mannes wür« ken? — und warum soll diese Würkung mit dem Namen der Thorheit gestempelt werden? I- «Es IZ2 »Cs müßte nach Allem diesen Verwunderung erregen, »daß unser Theater sich noch so lange hält —" Ganz und gar nicht, denn wenn, nach des Verfassers eigener Behauptung, dlos die gleichgestimmte Individualität des Dichters und des Zuschauers den Beyfall des leztern erringen; so ist es ja ganz natürlich, daß das Theater bestehen wird und muß, so lange diese gleiche Stimmung dauert. „wenn nicht zwey Kunstgriffe unserer Dichter seine »Stützen waren: daß sie nemlich dem Zuschauer so oft vor- »sagen, das bürgerliche Leben unterdrücke seine Kräfte, »ohne dasselbe würde er ein weit vollkommeneres Wesen »seyn —" Ich erinnere mich auch nicht eines einzigen Schauspiels, in welchem dieser Grundsatz ausgestellt wäre. Ich wollte es auch keinem Dichter rathen, sich damit behelfen zu wollen, denn er würde traun nicht weit damit kommen. Der zweyte Kunstgriff soll seyn: »daß sie dem Frauenzimmer eine so große Theiluah- »me an der Handlung verstärken." Das soll doch wohl kein deutscher Kunstgriff seyn? — Die jüngste Zeit, wie das graueste Mterthum, hat denselben als Sitte aller Volker gekannt; der indische Dichter Kallidas, deff n Sakontala uns der biedere Förster gelie« fert har, bediente sich feiner vor rooo Jahren an dem Hofe zu Awanti, wo damals der Beschützer der Musen Wikramaditya herrschte; und in einem chinesischen Schau- fpie- rz; spiele, dessen Übersetzung ich einst imksercurs 6s?rancs las, geschieht das Nemliche. Auch ist es der Natur so gemäß, daß wir uns dessen mit Recht als eines Vorzugs rühmen würden, wenn es eine deutsche Erfindung Ware. „Als Nation können wir kein Theater, weder ein tra. „gisches noch ein komisches besitzen, und auf ein Natio- „nalpublikum können auch unsere vortrcflichstcn dramati- „schen Dichter nicht rechnen —" Ohne um nichtsbedeutende Worte zu streiten, 'denke ich, es kann sowohl dem Dichter als dem Publikum sehr gleichgültig seyn, diesem: ob sein Theater national heißt oder nicht, wenn es nur gut ist, und jenem: ob sein Publikum eine Nation ist oder nicht, wenn es nur aufgeklärt und empfänglich ist. — aber dafür können sie auch leichter als die Ge« „nieen anderer Völker, Kunstwerke aufstellen, welche in „den gebildetesten Geistern aller Nationen und Zeitalter „ein erhabenes Publikum finden." Daß sie es können bezweifle ich nicht; aber daß sie es leichter können, davon haben sie noch keine Beweise gegeben; wohl aber haben die Genieen anderer Völker bewiesen, daß es ihnen wenigstens eben so leicht wird. „Sie müssen sich vorzüglich durch den großen Gedan' „ken begeistern lassen, daß sie eigentlich für die Nachwelt „arbeiten, und alsdann, wenn das Nationalgeprage sich „mehr in das Wcltbürgerliche verloren hat, die ganze ge« „bildete Welt ihnen einen nie verblühenden Kranz flechten „wird.", I z Dazu rZ4 Dazu ist das verwiscktte Nationalgcpräge gar nicht vonnöthen. Die ganze gebildete Welt sticht schon jezt einem Sophocles, einem Voltaire, einem Lesstng, nie verblühende Kranze. Uebrigens möchte ich wohl wissen, wofür der Verfasser uns Deutsche eigentlich halt? eine Nation sollen wir nicht seyn, Weltbürger auch nicht, denn tn diesem Falle würde er das Rran; flechten, wenigstens in Deutschland, nicht auf die Nachwelt einschränkend was sind wir denn also? „Nur dann können Werke wie Egmont und Iphige« „nia ihr cigenchümlichcs Publikum erhalten—" Das können sie sezt schon, wenn man nur die Zuschauer aussuchen darf, und größer als jezt wird dieses eigenthümlichc Publikum nie werden, denn allgemeine Bildung aller das Schauspiel besuchenden Volksklasscn in einem solchen Grade, ist ein Unding, und ich wette, daß zwey Drittheile der Athenienscr eben so kalt für die Iphigenie des Euripides blieben, als zwey Drittheile der Deutschen für die des Hr. v. Eöthe, an deren Stelle ich übrigens noch lieber die Namen Dom Carlos oder Nathan der Weift gelesen hätte. Könnte man nicht zum Beyspiel mit eben dem Recht im Gebiete der Weltweisheit auf die Zeiten hoffen, wo die Kantische Philosophie ihr cigenthümliches Publikum erhalten werde? — das hat es aber schon jezt; freylich nicht so groß, als es Gellerts moralische Vorlesungen einst gehabt haben mögen; aber doch so groß, als es nur immer ftyn kann, so lange es wenig Menschen gicbt und geben, wird, die, wie der berühmte Schäfer, von dem Bayle Dank erzählt, Quellen unter der Erde entdecken können. Man erlaube mir eine kleine Ausschweifung. Ich halte dafür, cs gebe in der moralischen Welt nur eine gewisse Summe von Ausbildung, (wie in der physischen nur eine gewisse Summe von Materie,) die sich nie vergrößert und nie abnimmt, in wie vielerlcy Gestalten sie auch erscheint. Physische Revolutionen ließen Platos Atlantis verschwinden, und sie vielleicht Stückweise im Isländischen Meere wieder erscheinen. Moralische Revolutionen führten die Bildung aus Egypten und Griechenland nach Italien. Das Mehr und Weniger macht einen geringen Unterschied; es sind immer nur Theile einer Summe, die keine Nation jemals ganz in ihre Schatzkammer sammlen, von deren Genuß aber auch keine Nation im Lauf ihres Daseyns jemals ganz ausgeschlossen bleiben wird. Ein Kamtscha- dalc wird vielleicht einst einen Oberon dichten, wenn der Deut» sche wieder seine Schamanen hat, und dann wird der Kamtschadale, eben so ungerecht als unser Verfasser, klagen, baß ec kein cigcnthümliches Publikum finden kann. Voltaire 1' bäomms »ux qusrante ecu; laßt sich sehr bequem auf die moralische Bildung anwcnden. Ein Dichter Ist ein Mensch, der seinen Zeitgenossen den Vorsprung ab« gewonnen, der gleichsam von der Summe ein paar Goldstücke mehr an sich genssen, als ihm bey einer gleichen Lhcilung gebührten, und dadurch den Anthcil der übrigen geschmälert hat. Um ihn ganz zu fassen, ihm nach, juempfinden, müßte die Nation aus lauter Dichtern bestehn. Dazu würde zwar eben nicht erforderlich seyn, daß jedcS Individuum würklich Gedichte schriebe, (denn man kann I 4 ein «in Dichter seyn, ohne jemals eine Feder in die Hand zu nehmen,) aber die einmal zugemessene und keiner Vergrößerung fähige Summe der Ausbildung des menschlichen Geschlechts »erstattet es nicht. Daher werden die groß, «en Geister immer nur ein kleines Publikum haben, daS sich, eben so wie sie selbst, auf Kosten Anderer bereichert hat. Millionen Afrikaner, oder warum soll ich nicht sa. gen Deutsche, mußten vielleicht gänzlich auf ihren Antheil an allgemeiner Bildung Verzicht thun, damit wir Einen Kant besitzen könnten; wäre es dann aber nicht ungerecht, diesen Millionen vorzuwcrfen, daß sie kein gebildetes Pu« blikum ausmachen? Man sieht auf welchen Werth ich selbst, aus beschck. dener Ueberzeugung, den Bcyfall der Menge, und folglich das Verdienst meiner Produkte zurückfetze. Ich glaube, daß ein Mann, der Schauspiele für die Bühne schreibt, zwar ein guter, aber kein erhabener Dichter seyn müsse, weil er sonst aus obigen Ursachen, nun und nimmermehr auf ein ausgebreicetes Publikum rechnen kann. „— und möge diesem, schließt endlich unser Derfas. „ser, die Tradition dann nicht erzählen, wie Egmont und „Iphigenie von den Deutschen unserer Zeit betrachtet wur» „den, denn alle geäußerte Dewunderrmg würde unsere „Schande wohl nicht decken.« Möge doch lieber die Tradition der Nachwelt nicht erzählen, wie neidisch man zu unserer Zeit auf den unter- geordneten Ruf eines guten, aber nicht erhabenen dra« matischen Dichters gewesen» Hätte Hatte die L. Z. nicht jenes wortreiche Produkt bis in die Wolken erhoben, so würde ich bey dem Geschwätz des Mannes, der sich so sichtbar quält, mir auö seinem Schweiß eine Aqua Tofana zu bereiten, nicht so lange verweilt haben; denn wmklich kann cs mir und dem Publikum sehr gleichgültig seyn, ob wir ein Nationaltheatec haben oder nicht; genug, wir haben ein Theater, und es ist gut, man nenne cs wie man Lust hat. Ich kann mir die Schadenfreude nicht versagen, Einen Rccenscnken auf den Andern loszulassen, um zu sehen, wie die Zunftgeuossen sich gcberden, wenn sie auf Widersprüchen ertappt werde». Bcyder Autorität beruht auf gleichen Ansprüchen, aber Einer von Pcydcn kann doch nur Recht haben; welchem soll das Publikum trauen? dem gestrengen Herrn in der Literaturjeitung? oder d?m gestrengen Herrn in der allgemeinen deutschen Bibliothek? der im Xütcn Bande, in der Recension von Löwens Schriften, sich folgendermaßen vernehmen läßt: „Wenn der Verfasser, (welcher behauptet, wir be. „säßen kein eigenes Theater,) cs als eine Hinderung an- „sicht, daß die Deutschen keinen Nationalcharckkter haben, „wie uns schon von vielen vocdeklamirr worden ist, so „müssen wir hierüber unsere Gedanken sagen. Die Wahr- „heit zu gestehen, so schein: uns dicß ein locus commu- „ riis zu scyn, den Einer dem Andern nachschreidt, und „der, wenn von Schilderung deutscher Sitten diL Rede „ist, gtwiß, ohne daß man recht bedenkt, was man sagt, I 5 ,,b!o§ !Z8 «blos, well man ihn oft gelesen ober gehört hat, hinge- „fezt wird. Es ist richtig, daß ein Volk so allgemeine „Züge des Charakters haben kann, daß man daraus ein,'« „gsrmaßei, einen Nationalcharakter zu entwerfen befugt „ist. Aber wer glauben wollte, daß das den geringsten „Einfluß in die Sache, wovon wir hier reden, haben „kann, der verwechselt entweder die Begriffe, oder hat „ganz und gar keine davon. Wir wollen uns erklären. „Derjenige, der den Menschen mahlen will, muß das „menschliche Her; gan; kennen, und ganz studiert haben. „Nun ist sich aber dasselbe, was das Wesentliche betrifft, „überall gleich, und daher inceressirt uns ein großer Mei- „ster in dieser Kunst, er mag nun vor 1020 Jahren ge« „lebt haben, oderizt, in England oder in Deutschland, „in Rom oder in Berlin, obschon nicht ganz auf die nem« „ liehe Weise. Auch wird derjenige, welcher fremde Völker aus „demGrunde kennen lernt, zwar immer viel Eigcnthümliches, „daran ist kein Zweifel, aber vielleichtauch, was Davis „Simple urtheilte, finden: daß dasjenige, was man „Sitten und Gebrauche verschiedener Nationen nennt, „beinahe nur in äußerlichen Ceremonicn bestehe, die mit „dem Herzen nichts gemein haben. Rufen wir nicht bey „einem Charakter des Terenz, rufen wir nicht oft bei) der „Clariffa aus: das ist getroffen! das ist recht die Ge« „schichte des menschlichen Herzens! das ist die wahre Na« „kur! das ist aus dem gemeinen Leben wie aus der Quelle „geschöpft! und doch sind wir weder Römer noch Englan- „der. Wie? dicß können wir bcy Andern empfinden? und „gleichwohl sollten unsere Genies cs nicht mahlen können? „und „und woran empfand«, Wik es denn, wenn wir nicht auch in „unserm Vaterlands solche Charaktere; solche Denkungsart, „solche Quellen und Folgen und Verhältnisse der Neigungen, „des Temperaments, der Leidenschaften vor Augen sähen ? — „Ließ ist also das Erste: die menschliche Natur ist dem „deutschen Dichter so wenig, als irgend einem Andern „verschlossen." „Wir haben keinen Nationalcharakter, sagt man? „wir ahmen nur Andere nach? — Laßt es seyn, daß wir „französische Hüte und Frisuren und Soupers, und wer „weiß was Alles, haben, haben wir deswegen nicht ein „Herz? haben wir deswegen nicht Neigungen, Leidenschaft „len? mit einem Worte, sind wir deswegen keine Men« „sehen? — Nun, wie gesagt, mahlet uns nur den Men» „schcn, dieß ist das Hauptsächlichste, dieß ist dasjenige, «was ihr mit den Scribenten aller Nationen und aller Zei« „ren gemein habt." „Aber frcnlich muß jeder Schriftsteller, und Vorzug« „lich der dramatische, für feine Nation arbeiten. Und „das sollte der Unsrige nicht thun können ? Man bemerke „nur erst den Unterschied zwischen Nationalcharakter und ^ „den Sitten einer Nation, wie auch den einzelnen Cha- „rakteren, die daraus entspringen. Jener ist ein abstra« „hirter Begriff, dessen Wichtigkeit allemal sehr zwe^Seu. „tig bleibt, allein diese beyden keztercn fehlen uns so we« „nig, als irgend einer andern Nation. Um nicht weit« »laustiger ju seyn, so frage ich: ob der Licentiat „sanser, !40 „simder, der Pastor Scbalsns, der Wachtmeister Paul „Werner, der gnädige Landjunker, welcher in Rabeners „Briefen einen Hofmeister verlangt, und hundert andere „Charaktere, von Lessing, Geliert, Rabener, Krüger ge« „schildert, ob es nicht Alles deutsche Charaktere sind? —> „Nein gewiß, eS fehlt uns nicht an Narren, sagt essing, „es fehlt nur oft an den Augen, die sie bemerken konnten. „— Aber giebt dieß den Nalionalcharakrer? Hiebt ein „Begriff, von hundert Narren abgezogen, den National» „charakter?" Und, möchte ich hinzusetzen, gickt es überhaupt ei. neu Nationalcharakter? Der Recenstnt, der mir vor 2z Jahren den Gefallen that, die L. Z. zu widerlegen, hält ihn selbst für ein sehr zweideutiges Ding: ein abstrakter Begriff, der in unfern merkwürdigen Tagen noch mehr verwirrt worden; denn welche Nation konnte sich je eines Charakters rühmen, wenn es die Französin nicht waren? und wo ist er geblieben? Doch das führt zu weit. Genug, er cxisiste ober nicht, auf die Bühne hat er keinen Einfluß. Ich selbst mische mich aber nicht weiter in diesen Streit. Der Ber« liner Reccnscnt und der Jenaer Recenstnt mögen sehn, wie sie mit einander fertig werden. Nur noch Ein Wort über diesen Wortstreit. Die L. Z. sagt im März dieses Jahrs (1796): „Cs scheint Cin- „ma! der Wille des Schicksals zu seyn, daß kein Schau» «spiel, selbst das beste, bas beliebteste nicht, sich auf dem »Thea- ,4k «Theater erhalten, und folglich auch nie ein fester , ei- «genthümlicher Geschmack in Deutschland sich bilden soll." Fühlt sie denn nicht, daß sie hier abermals ;u viel bewiesen hat? denn das Nemliche gilt von allen Nationen. Bcy keiner erhalten sich die beliebten Stücke auf derBühne, folglich bestzt keine Einzige einen festen, eigenthümlichen Geschmack. Man wende mir nicht ein, daß ein paar Stücke von Shakespeare und ein paar von Mokiere in Eng. land und Frankreich noch zuweilen gespielt werden; auch in Deutschland giebt man noch hier und da ein paar Stü» cke von Lcssing, und wird sie immer geben; aber der feste, eigenthümliche Geschmack des Menschen, und folglich de«; Nationen, ist der Geschmack am Neuen. Skebenzehntes Fragment. Ueber das Glück gestorben zu seyns «Kosten soll man nichts übles nackreden, ist ein Grund» sag, der seine Entstehung warlich nur dem Umstand ver» dankt» daß die Todtcn fein unter den Füßen liegen, und Niemanden im Wege stehn. Wenn die Todten ihre tausendjährige Muffe zum Bücherschreiben anwcndcten, so wür« de man ihnen mehr übies Nachreden, als irgend einem Lebendigen. So aber glaubt man gar nicht, welch' eine schone Sache das rodr stfn für «inen Schriftsteller ist» Die Blumen, die ihm auf seinem Lebenop,abe nur spar. K sanr 142 sam'blühten, wachsen üppig auf seinem Grabe. Die lezte Schaufel Erde deckt seinen Buckel, wenn er Einen hakte, und seine Fehler, wenn er welche hatte. Nach looJah» ren schwört die Nachwelt, er sey der geradgewachsenste Mann und tadelfreyeste Schriftsteller gewesen. Zum Beweise mag der berühmte Shakespeare dienen. »Man kann zugeben, sagt die L. Z>, daßSbakespears »Schauspiele, und insbesondere sein Hamlet, alle die Un- »gereimtheiten und Albernheiten in und an sich haben, die »Hr. v. Ayrenhof rügt, zuverlässig aber wird cs ihm nicht »gelingen, durch seine einseitige, blos Fehler aufsuchende »Kritik uns blind für die Schönheiten zu machen, die dic- »scs Stück eben so unleugbar besizt, als wie Mangel und »Gebrechen." Also Ungereimtheiten und Albernhelten glebt man zu; (und warlich! nicht allein Hamlet, sondern alle Schauspiele Shakespears wimmeln davon,) aber um der wenigen zerstreuten Schönheiten willen übersieht man sie. Das kommt lediglich daher, weil Shakespear todt ist. Von demjenigen dramatischen Schriftsteller aber, der das große Verbrechen begeht, noch ;u leben — 0! von dem fodert man Meisterstücke, und wehe ihm! wenn er sich die kleinste Ungereimtheit zu Schulden kommen läßt. Die nemliche blos Fehler aufsuchenöe Kritik, die man dem Hr. v. Ayrenhof vorrückt, wird dann die höhere Kritik genannt, (ein Hubertscher Lieblingsausdrnck,) keine Schönheit kann ihn vor der Geißel retten, denn nur bey dem Lobten wird sie mühsam herausgehoben, bey dem Lebendigen I4Z digen aber mühsam verborgen. Guter Freund Hein! wer Haktees dir angefchn, daß du eigentlich der Apoll bist, der den Musenjüngcrn die kritischen Lorbcerkranze flicht? Vor mehreren hundert Jahren, und selbst noch in der Ersten Halste dieses Jahrhunderts, mußte es überhaupt den Schriftstellern weit leichter werden, diesen Lorbeer zu verdienen, und Mancher, der heutzutage eine sehr winzige Figur machen würde, prangt als Genie in Eschenburgs dramatischer Bepspielsammlung, Weiler zo Jahr früher gebohren wurde. Sehr natürlich! denn wer in einer un» bekannten Gattung sich zuerst hervorthut, erweckt unsere Bewunderung leicht, und wir werden nicht eher karg und schwürig mit unscrm Beyfall, "is die Werke jener Gattungsich vervielfältigen; dann vergleichen wir gegen einander, ziehen Resultate daraus, die wir Regeln nennen, und stellen diejenigen Werke, die allgemein und zu jeder Zeit für die besten anerkannt wurden, den übrigen als Muster auf. Aber selbst jenen Mustern mangek noch sehr viel zur Vollkommenheit; sie haben nur einzelne, zerstreute Schönheiten, aus denen der Geist, wie Apelles, ein Ideal zusammcnsezt, und nach diesem Ideal, welches alle vorhandene Produkte eben so weit übertrifft, als die Venus des Apelles die griechischen Schönen übertraf, die ihr einzelne Reize geliehen hatten, beurtheilcn wir nunmehr unfern Gegenstand. Das sollten wir aber nicht, eben so wenig, als wir die Schönheit eines Mädgcns nach der Venus des Apelles beurtheilen. K 2 Es '44 Cs giebt noch einen andern Grund, warum man ge. gen Tobte so freigebig mit Lobeserhebungen ist. Neidi. sche Menschen, sagt Plutarch im Pelopidas, finden immer darin einen eitlen Trost, wenn sie demjenigen, mit dem sie sich selbst nicht vergleichen können, andere berühmte Männer entgegcnstellcn, die ihn übertrafen. kour fiulliifier les vivants, ^ue ä' eloZe« ^ro7 äiAues aux mortt Lr/verirk/ eie /' /rommr. Achtzehntes Fragment. Eine Parallele. ^ch betrachte die Recrnsentenzunft als eine literarische Hierarchie, und die Jenaische Literaturzeitung als den Pabst, der nie starb, sobald es auf Vertheidigung der An- spräche des römischen Stuhls ankam; woher cs denn den Kaysern gleichviel gelten konnte, ob der Pabst Gregor oder Urban hieß. Die päbstliche Hierarchie wollte über Mcynungen herrschen; die Jenaische will das auch. Jene behauptete den alleinseligmachenden Glauben in ihrem Schooße zu hegen; diese behauptet das Nemliche von der Karelischen Philosophie, dem guten Geschmack u. s. w. Jene Jene erkannte keinen Bischof, der nicht' durch Stab und Ring von ihr investirt war; diese erkennt kein Verdienst, das nicht von ihr angepriesen wurde. Jene verschenkte Königreiche, und besaß selbst kaum einige Städte; diese verschenkt Ehre und Ruhm, und ist deren selbst sehr bedürftig. Jene besoldete eine Armee von Kuttentragern, um den Leuten zu predigen, was sie glauben sollten; diese besoldet eine Armee von Recensenken, die das Nemllche thun muß. Jene sprach Bannflüche aus; diese nicht minder. (Schreiber dieses seufzt selbst unter einem solchen Bann» fluche.) In jener hob die Würde eines Pabstes oder Kardinals alte, vieljährige Freundschaft auf, und ehemalige Wohlchater wurden zuweilen am heftigsten verfolgt; eben so macht es der Rccensent, sobald er im Conclave der L. Z. zugelasscn wird. Jene endlich zeichnete sich aus durch unaussprechlichen Uebcrmuth, Eigendünkel, Anspruch auf Unfehlbarkeit n. s. w. — mich dünkt, das Gemählde ist vollendet. Dem Himmel sey Dank, daß nicht diese, wie jene, über Scheiterhaufen zu gebieten hat! wie sanft würde der Meinige emporlodcrnl Neun- *46 Neunzehntes Fragment. Ein Vorschlag zur Güte. habe schon oben der Republikanischen Sitte erwähnt, die sogar von wackeren Monarchen nachgeahmt wird» vermöge deren die Unrerthancn sich ihre Richter selbst Wahlen. Die Literaturzeitung, der Ccomwell unserer literarischen Republik, mache es eben so, und ich will mich gern mit ihrer usrrrpirtcn Gewalt aussöhnen. Sie lasse ein Circular an alle die Schriftsteller ergehen, die sich einen Namen in der gelehrten Welt erworben haben, und schlage ihnen etwa rin Dutzend verdienstvolle Männer vor, aus denen sie ihre Recensettten selbst wählen mögen. Ich für mein Lh il bin dann mit Allem zufrieden, und unterwerfe mich auch den härtesten Urrheilen, denn ich wähle den Mann, den ich, trotz seiner Kantischen Kreuz- und Queerzuge, hochachte, den ich» trotz der Epigrammen, die es ihm auf mich zu machen beliebt, enthusiastisch verehre; der freylich, durch die Art, wie er den Streit mit Nicolai führt, zeigt, daß er auch ein Mensch ist; den ich aber doch für einen der Ersten Dichter meines Vaterlands halten würde, wenn er auch nichts geschrieben hatte, als das Liev an d-e Freude und die Götter Griechenlands — ich wähle Schiller! — Ist er mein Rcccnftnt, so verbessere ich willig, was er tadelt, und verbrenne willig, was er nicht einmal ta- delnswerth findet. Aber so lange ihr mich einem Huber oder Schulz Prciß gebt, so lange bleibe ich dabey; ^ucsi' io louo pittors. Ver- »47 Verwerft ihr diesen billigen Vorschlag, so thut mir den Gefallen, und redet lieber gar nicht mehr von mir. Zwanzigstes Fragment. Was wird die Literaturzeitung zu dieser Schrift sagen? Entweder sie wird schweigen, weil sie fühlt, daß sich auf manchen Vorwurf wenig, und auf manchen gar nichts antworten laßt; weil sie fühlt, daß eine fecbsjähri« ge ungezogene Neckerey, Vic selbst von einigen ihrer berühmtesten Mitarbeiter, Sie ich nennen könnte, gcmiß- billigt worden, mir endlich einmal die Waffen der Noch- wehr in die Hände geben mußte; — und dann wird sie uns dieses Schweigen für eine großmüthige Verachtung anrechnen. Vser sie wirb sich die kleine erlaubte Freyhcit nehmen, zugleich den Beklagten und den Richter zu spielen, und dann wird cs mir frcylich übel ergehen. Cs ist in unfern Tagen Mode geworben, wenn man etwas der- gleichen.befürchttt, dem Publikum mit affektirter Gleichgültigkeit vorauszufagen, daß man gar nicht darauf ant- Worten werde. Aber ich liebe diese Mode nicht, sondern bin entschlossen, in Zukunft keine Ungerechtigkeit, keine Ver- drehung, keine hämische Begeiferung ungerügt zu lassen. Ich habe dabey den Vortheil, daß ich nicht jede Zeile mit einem Groschen bezahlen darf, ein Umstand, durch welchen die L. Z. sehr pfiffig.jeder Antikritik in extenso den Zugang verrammelt hat. Wohl- 148 Wohlan meine Herren! hier stehe ich. Spannen Sic Ihre Dogen, tauchen Sie Ihre Pfeile in Gift, schien- dcrn Sic Ihren Donner! — Nur vergessen Sie nicht, daß Sie selbst den Handschuh hingeworfen haben, und daß er sechs Jahre im Koche lag, ehe ich mich entschloß, ihn aufjuheben. Leztes Fragment. Eine Anekdote. <ß-!s Mezeray starb, fand man unter seiner Verlasscnschaft einen alten Goldthaler, sorgfältig in Papier gewickelt, und folgendergestalt von seiner eigenen Hand überschrieben r »Diesen Goldthaler habe ich seit zwanzig Jahren ver» „wahrt, um dafür ein Fenster auf dem Greve« Platze zu »miethen, wenn einmal ein Necensent gehangen wird.«