Druckschrift 
4 (1903) 1085 bis 1096
Entstehung
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Mcirvs IV.

Glaubwürdigkeit der Vita Leunoui« opwoopi 08nudruA6U8i8des Abtes Uortbert von Iburg. — Venno's II. Thätigkeit indem Streite über die Zehnten der Osnabrücker Kirche.

Ohne Zweifel ist die von dem Jburger Abte Nortbert zwischenden Jahren 1090 und 1100 verfaßte Lebensbeschreibung desGründers von Iburg, Benno's II-, eine der bemerkenswerthestcn biogra-phischen Leistungen des Mittelalters. Kein Geringerer, als der große OsnabrückerStaatsmann und Geschichtsschreiber, der so vielseitige Justus Möser, hat dasausdrücklich ausgesprochen, indem er die Vita Lennonis als ein biographischesMeisterwerk bcurthcilte.

Ganz besonders hatte auch Wattcnbach, Deutschlands Gcschichtsquellen imMittelalter, II (6. Ausl.), 30 u. 31, den hohen Werth des Werkes anerkannt:„Es ist kein Heiligenleben, und wirklich trägt die einfache ungesuchte Schilderungdas Gepräge der Wahrheit". Ohne jedes Bedenken wurde in diesen „Jahr-büchern", in allen drei Bünden, der Inhalt der Vita ganz herangezogen, soweit er in Betracht fallen konnte, auch die eigenthümlich schalkhaft klingendeGeschichte des e. 22 (in Breßlau's neuer Ausgabe in den 8eriptors8 rarumdermaniearum e. 18), die vielleicht am ehesten ans den ersten Blick Zweifelerregen könnte, obschon sie so trefflich zum Charakter des vorsichtig klugenBischofs paßt (vcrgl. Bd. III, S. 294 u. 295).

Nun aber erschien 1900 im Neuen Archiv der Gesellschaft für älteredeutsche Geschichtskunde, XXV, 769—795, die Abhandlung F. Philippi's:„Norbert'» Vita Lonnonw eine Fälschung?"). Darin wurde ausgcführt, daßdie von einem Zeitgenossen des Bischofs Benno verfaßte Lebensbeschreibungnicht mehr vorhanden sei, die von Wilmans, 88. XII, herausgegebene Vitaalso mit der alten echten Vita nichts zu schaffen habe. Diese jetzt vorliegendeVita sei vielmehr eine Compilation, die wahrscheinlich gegen Ende des 16. Jahr-hunderts zusammengestellt wurde, mit dem ausdrücklichen Zwecke, dieAnsprüche des Klosters Iburg auf das dortige Schloß und die Umgebungdesselben nachzuweisen, eine Ausgabe, die ein humanistisch gebildeter Mann zuerfüllen übernommen habe. Als Quellen habe dieser Verfasser erstlich dieUrkunden des Jburger Klosterarchivcs herangczogen, zweitens die JburgerAnnalen — hcrausgcgeben 88. XVI, 435—438, hernach durch Forst, Osna-

1) Schon im gleichen Hefte des „Neuen Archivs", 8S5 u. 836, trat Hermann Bloch, inden „Nachrichten", "mit starker Einschränkung den Ergebnissen Philippus entgegen, undebenso bemerkte ich gleich W00 in dem Nachträge zu Bd. III, S. XVI, daß ich gegen Philipp,di- Echtheit der Vita in allen wesentlichen Theilen aufrecht hielte.