Druckschrift 
4 (1903) 1085 bis 1096
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

1085

Für Kaiser Heinrich IV. lag, nachdem er nach einer Abwesen-heit von mehr als drei Jahren in der Mitte des Jahres 1084 ausItalien zurückgekehrt war, innerhalb des deutschen Reiches diehauptsächliche Entscheidung in den Beziehungen zum sächsischenLande. Schon am Ende des Jahres 1084 war hierüber unter denSachsen selbst verhandelt worden; freilich hatte sich die Erwartungdes Kaisers, daß auf einer Vereinigung zu Gerstungen eine Ver-ständigung sich ergeben werde, nicht erfüllt H.

Daß, gleich seinem Vorgänger Rudolf, der 1081 erwählteGegenkönig Hermann auf sächsischem Boden seinen Aufenthaltwählte, war ein ernsthaftes Hinderniß für Heinrich IV., sobald erda neuerdings sich festzusetzen gedachte, und wie im ganzen deutschenReiche, waren bei den sächsischen Fürsten, geistlichen wie weltlichen,Anhänger des Kaisers und Gregor's VII. scharf von einander ge-schieden. Der bittere Zwist darüber hatte schon zur Aufstellunggegnerischer Bischöfe für eine und dieselbe Kirche, entweder gegeneinen bisherigen Inhaber, oder gegen einen neu von der entgegen-gesetzten Seite Gewählten, geführt. So standen sich in Mindenund in Paderborn seit 1080 und 1083, dort Reinhard, fürGregor VII., Folkmar, für Heinrich IV., hier von der päpstlichenAnhängerschaft Heinrich von Assel und von des Kaisers ParteiHeinrich von Werla, mit ihren Ansprüchen gegenüber, und zwarso, daß dort Folkmar, hier der kaiserlich gesinnte Heinrich dasUebergewicht zu erlangen vermochten. In den zwei übrigen west-fälischen Bisthümern stand Benno von Osnabrück, wenn er auchdie Brücken nach dem päpstlichen Lager hinüber nie ganz abbrach,doch als Anhänger Heinrich's IV. voran, und 1084 war in MünsterErpo ebenfalls als Vertreter der kaiserlichen Sache neu bestelltworden. In den östlichen Theilen Sachsen's überwog allerdingsdie Gegnerschaft gegen den Kaiser unter den Bischöfen. EinzigErzbischof Liemar von Hamburg-Bremen und der wohl mit der

0 Bergt. Bd. III, S. 583 u. 584.

Meyer von Knonau, Jahrb. d. dtsch. R. unter Heinrich IV. u. V. Bd. IV. 1