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4 (1903) 1085 bis 1096
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Ercnrs IV.

brücker Geschichtsquellen, I, 175 ff. —, und zwar wahrscheinlich in einer jüngerenBearbeitung des Mönches von Kloster Licsborn Bernhard Witte, in der Ilistoriaantiquas ooeiäsntglis Laxouiaa 8su nuno l-Vestpbalias, um 1515, drittens diewirklich der Zeit Benno's angehörende alte Vita, aber auch diese höchst wahr-scheinlich bloß mittelbar, in der Form, wie sie der am Anfang des 16. Jahr-hunderts gestorbene Osnabrncker Bürgermeister Edwin Ertmann um 1495 fürsein Werk Ooniea sivs eatalagus episeoporum Osnaburgsnvium — ebenfallsdurch Forst, I. e., 19—173, herausgcgeben — benutzt habe. So erscheine —schloß Philippi — das Werk als abgeleitete Quelle, und alle Angaben, dienicht aus einer der drei genannten Quellen zu belegen seien, habe man alsder Beglaubigung überhaupt ermangelnd und als geschichtliches Materialfernerhin nicht vcrwerthbar anznsctzen. Philippi ist der Ansicht, daß amehesten zu der Zeit um 1580 die Abfassung eines solchen Werkes paßt, in derdie Ansicht, die ganze Burg Iburg habe dem Kloster gehört^), verfochten wurde,da gerade in diesen Jahren die Reibungen zwischen Kloster und Bischof wiederbesonders lebhaft wurden ünd 1581 ein Beitrag während einer Sedisvacanzvon Osnabrück den Streit zum vorläufigen Abschlüsse brachte.

Auf Philipp's Anzweifelung gab aber Sch esse r-Bo ich orst 1901 indem Akademie-Bortrage vom 17. Januar eine Antwort: „Norbert's VitaLennonis Osnabruponsis epweopi eine Fälschung?" (Sitzungsberichte der könig-lich preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1901, 132—162). Nacheiner vortrefflichen Gesammtwürdigung der „nicht großen, aber unendlichliebenswürdigen Tendenz" des Buches, seiner ganzen Eigenart, geht der Forscherauf die einzelnen Eiuwürfe Philippi's über. Zunächst wird Philippi's Be-hauptung zurückgewiesen, daß Witte einzig die Jburger Annalen benutzt habe,daß irgend eine Vita Leunonis — eine solche soll ja nach Philippi erst 1587in ihrer Existenz sicher nachweislich sein — ihm nicht vorlag. Schcffer-Boichorstzeigt, daß vielmehr für Witte bei seiner Arbeit die uns noch vorliegende, nurmit noch besseren Lesarten, als die von Wilmans zu seiner Ausgabe alleinbenutzten, erst der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts angehörenden Hand-schriften sie darbieten, Vortags). Auf den Charakter der Vita selbst eintretend,legt Scheffer - Boichorst zu Tage, daß eine Reihe von Eigentümlichkeiten derAuffassung, des Ausdruckes, aus denen Philippi den humanistischen Autorableitcn wollte, vielmehr ganz dem Wesen eines allerdings individuell ganzausgeprägten Biographen aus dem Mittelalter, wie Nortbcrt sich als solcherherausstellt, entspricht^). Den nachdrücklichsten Hinweis aber, daß die Vita nurin Benno's eigener Zeit hat geschrieben werden können, daß jede Ansetzung indas 16. Jahrhundert gänzlich ausgeschlossen ist, enthält e. 27 (jetzt e. 21), dasvon der Anlage der immensas saxorum inoies zum Schutze des Speirer Domsauf dessen Chorscitc: ns lluminis illisione anbverterstur (8L. ecelesia. . . prasinaßnituckina opsriv minus cauts in liiieni liuminis iitns sxtsnta) (Brcßlau, 29)spricht) denn nach Bd. I, S. 580 n. 63, sind diese Benno's arcbiteetoria arsglänzend bezeugenden Leistungen erst im 19. Jahrhundert, bei ausgesührtenAusgrabungen , zu Tage gekommen, und kein Fälscher auf Iburg hätte um1580, wie Philippi aunimmt, von diesen am Rhein tief im Boden steckendenMauern etwas ahnen können.

Dazu kommt aber noch, daß in dem Anhang zu Scheffer-Boichorst'sAbhandlung P. von Winterfeld in einem Excnrse: „Der Rhythmus derSatzschlüsse in der Vita Lsononis" (163—168), unter Anwendung des vonW. Meyer (Göttinger Gelehrte Anzeigen, 1893, 24 u. 25) aufgestellten Schemas,

2) Philippi ist auch der Ansicht, die Vita habe absichtlich die Existenz einer bischöf-lichen Burg auf Iburg verschwiegen, was ja bei der interpolirten Vita. allerdings derFall ist.

3) Sehr sprechend ist hier z. B., daß Nortbert in ov. 5, 6 (früher 7), 9 (11), 11 (13),für seine Zeit durchaus richtig, von Goslar als einer villu redet, während Witte im16. Jahrhundert die längst zur Stadt gewordene Ansiedelung nicht mehr als villa be-zeichnen konnte.

4) Für das Wort in <r. 3 der Vita: stuäsntrum mors bringt neben der Ausführung,149 u. 150, noch !62, „Nachtrag", einen Beweis aus einer Schrift des 9. Jahrhunderts, desMönches Ratramnus von Corbie, wo es heißt: I^usimus liaeo äo inore stuäsutium, imSinn von „Studenten".