Druckschrift 
Die Düsseldorfer Maler-Schule in den Jahren 1834, 1835 und 1836
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162

der, welcher halb durch den ersten gedeckt ist, denDolch in die Hand. Dieser Dolch macht die Handlungklar, man gewahrt plötzlich, daß das erste Scheusaldie Kinder ersticken will, cs entwickeln sich an diesemimmer bestimmter die Züge des Mörders, in jederMiene wird seine Absicht zweifelloser. Die Darstel-lung wird Leben. Man bebt vor einer verruchten,alles Gefühl verläugnenden Handlung zurück, manempfindet einen nie gefühlten Abscheu über die feigeGemeinheit des Mörders und fangt an, in dem Dolcheine Wohlthat, ein menschliches Verbrechen zu erkennen.

Aus dem Gesagten ergibt sich von selbst, daß inder Darstellung eine bis ins kleinste Detail gehendeWahrheit liegt, daß aber statt Erhebendes, zu unsererBestimmung Beförderndes, nur rein Menschliches be-handelt, und pari passu, mit den neu französischensogenannten Romantikern a la Victor Lluxo ver-sucht ist, wieviel Spannkraft unsere Nerven haben.Die unschuldige Jugend ist schlafend in die Handder herzlosesten, alle menschliche Natur höhnenden Bos-heit gegeben, und diese wählt zur Ausübung ihrerschwarzen That ein so kleines Kissen, daß man schonvorcmpfindet, wie der Mord damit nicht gelingenwird, wie beim Erwachen die vom Kissen nur halbbedeckten Knaben die ungefesseltcn Beine anstrengenwerden, das Dasein zu verteidigen, und wie dasAlles zu noch unmenschlicheren Maßregeln Anlaßgibt. Hier, meines Erachtens, die Schattenseite derComposition, welche durch geringe Modifikationen,vielleicht dadurch, daß beide Mörder den Platz tausch-ten, zu vermeiden gewesen wäre, was jedoch dasKlassische der Darstellung, wenn auch nicht verwischt,doch bedeutend beeinträchtigt haben könnte.