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Bei der Masse denkender Männer, welche hier aufvier Quadratmeilcn zusammen leben, braucht derKünstler nicht besorgt zu sein, für das Bcdürfnißseines geistigen Lebens Befriedigung zu gewinnen.Auf zehn parteiische, abstoßende und abweisendeMusagcten kommen hundert freisinnige an- und auf-zichcnde Männer von Geist. Ich bin in den Besitzdes Lebens Raphaels gelangt. Der gelehrte Ver-fasser , cs ist der Franzose Ouatro mero <lo Oninc)',hat dieselbe Ansicht, welche mir in Bezug auf Unter-ordnung der Künstler und Garantie ihrer Selbst-ständigkeit richtig schien. Auch hier in Berlin pflichtetman mir bei. Ich bedaure, daß ich, seit ich hierso manches Urtheil hörte, was mir aus der Seelegesprochen ist, meine Vorbemerkungen nicht bestimm-ter, triftiger und strenger durchgeführt habe. Siesind fast übereilt und können daher, wenn man sienicht als Material betrachten will, gar leicht ihrenZweck verfehlen.
Unter den Gemälden hiesiger Ausstellung hat LessingsHussitcnprcdigt entschieden die Palme erhalten, nurwar man, worauf ich dich schon früher aufmerksammachte, damit nicht zufrieden, daß er die graue Fär-bung zu sehr durchgchalten und dadurch das Bildetwas matt gemacht hat.
Ucber Hildcnbrands Prinzcnmord, du erinnerst dichdes Bildes, welches wir voriges Jahr in seinemAttclier sahen, war ebenfalls nur ein Urtheil. Wasfür unsere Zeit der Maler nur Großes erfinden kann,das erfindet der geniale, ticfdcnkcnde Lessing undHildcnbrand, der fleißige, an Auffassung und Dar-stellung unübcrtrcfliche, Hildcnbrand stellt dar, was demPinsel versagt zu sein scheint. Beide Künstler sind