jährige Kunstausstellung wenig Beachtung gefunden,man will Mühsames, Willkührlichcs, Unübcrdachtcöund besonders einen gewissen Nepotismus darin er-kannt haben, eine traurige Seite der menschlichenSchwachheiten, von der man hier ganz richtig cin-sicht, daß sie der Kunst am meisten fremd bleibenmüsse. Mögen denn auch Manche hier glauben, daßsolches Parteiwcscn fördere und Ruhm und Ehre gebe:so ist dieses doch nur eine höchst singulaire Täu-schung, welche für die Gcsammthcit ohne Einflußgeblieben ist. Es sind höchstens ein Paar Leutchen,welche cs nicht gern hören, daß man sich das Feh-lerhafte und Schlechte frei Vorhalten lassen und es,statt sich dagegen zn vcrthcidigcn, verbessern müsse,welche sich anstellen nicht zu wissen, daß das unzcitigeLoben cinschläfcre und von der richtigen Bahn ammeisten fern halte, welche statt heilsamer Ermahnun-gen, verdächtigen Beifall zu erbetteln sich nicht schä-men und den Satz sich vorzuhalten zittern, daß auchohne unser Zuthun unseren Werken Gerechtigkeitwiderfahren werde und daß, wenn die einstige Nach-welt richtet, nur die Wahrheit ihr Recht behält. Essind diese Wenigen, anderswo mag cs mehr geben,so zu sagen, die Epikuräer der Kunst. Sie ziehenein einträgliches Einkommen und Ruhm zn ihrenLebzeiten jeder anderen, höheren Beziehung vor.
Sage mir, Julie, wenn unsere Mitwelt sich diesesrecht klar veranschaulichte, würde sie sich dann wohlso gutmüthig bei der Nase hcrumführcn lassen?
Mag cs vielleicht sein, daß die Akademiker denwechselseitigen Einfluß nicht auseinander üben, wel-cher Angeregtes zn Durchdachtem und Vollendetemsteigert, so verlieren hiesige Künstler dabei nichts.