LS
legen, daß wir nur für eine Seite des aesthetischcnLebens Sinn haben, und, während wir uns diesergewachsen fühlen, uie durch Nichtachtcn den Scheinvon Mißachtung, durch Uebcrschähnng den Scheinvon Partheilichkeit und durch mangelnde Begrün-dung *) den Schein von Unkundc gegen uns anfru-fcn. Intoleranz darf sich nie auf das acsthctischcLeben übertragen, Belohnung darf nie das Werk derBarmherzigkeit sein, und nie darf sic für den Unbe-rufenen als Lockspeise dastehcn. Alle sind berufen,die sich Talentes und ernsten Strebens bewußt sind,und nur diese allein.
So müssen wir uns jederzeit bewahren, dann aberinsbesondere, wenn wir unserer Acadcmic einen Wahl-spruch erringen wollen, ähnlich dem, welchen dieAcademie zu Lissabon trägt:
Nur ein Mittel wüßte ich, dem Künstlerlcbcn seinewürdige Ruhe zu geben, es besteht darin, daß einestrenge, ernste Kritik unserer Schule sich annimmt,eine Kritik, welche eben so klar und deutlich, alswissenschaftlich und tief; eben so offen und aufrich-tig, als schonend und mild; eben so unparthciischund streng, als zwcckgemäß und wahr die Interessender ganzen Kunst ins Auge faßt. Zn einer solchenKritik meine ich, müßten wir uns aber noch anders
*) Wie verletzend eine Recension ist, welche ohne Gründeanznführe» auch noch anmaßend anftritt, hat sich an der^ in diesem Jahre in der Düsseldorfer Zeitung erschienenenRecension eines sichern W. bewiesen. Nie wurde etwasmit so allgemeinem Unwillen ausgenommen als dieseRecension.