Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

76

Alice Darvil nachhing, glaube, daß ein Hauptgrund,weßwcgcn sic de» sie so frühe umgebende» Befleckungenentging, in der langsamen und verzögerten Entwicklungihrer intellektuellen Fähigkeiten lag. Mochte nun etwadie brutale Heftigkeit ihres Vaters während ihrerKindheit durch die Nerven ihr Gehirn afsicirt haben,gewiß ist, daß, bis sic Maltravcrs kenne» lernte, bissic liebte, bis sie zärtlich geliebt ward ihr Geiststumpf und verschlossen schien. Zwar hatte Darvil aller-dings sie nichts gelehrt und nicht geduldet, daß sicetwas lernte; aber diese bloße Unwissenheit wäre füreinen raschen, beobachtenden Geist kein Schutzmittelgewesen. Es war die Stumpfheit der Sinne selbst,die wie eine Rüstung zwischen ihrer Seele und derGemeinheit um sie her wirkte... cs war die rauhe,nncmpfindlichc Hülle der Chrysalidc, darauf berechnet,derbe Berührungen und die Ungunst der Witterung zuertragen, damit seiner Zeit der Schmetterling, pracht-voll gefiedert, hcrvorbrcchcn kann. Wäre Alice einlebhaftes Kind gewesen,-so wäre sic vcrmuthlich einnichtswürdigcs und sittenloses Weib geworden; abersie faßte, sic verstand wenig oder nichts, bis bei ihrdie Stelle einer Eingebung vertrat jener Drang desliebenden Anschlicßcuö, welcher bei Menschen undThiercn so wirkt welcher den Hund (in seinem na-türlichen Zustand eines der gemeinsten Thicre von derwilden Gattung), zum Gesellschafter, zum Wächter,zum Beschützer macht und den Instinkt halb zurWürde der Vernunft erhebt.