183
nicht mehr sein kann, weil darin von Wittclsbachern dieRede ist, die Otto noch nicht kannte, z. B. von HerzogLudwig als von einem Kinde. Sie steht bei Urstisius gleichhinter der ächten Stelle in kleinerer Schrift mit abgcdruckt. Ottomochte sie allerdings noch indirect veranlassen, denn er sollauch diese Stelle unter andern auf seinem Todbette bereut unddie Correctur derselben gewünscht haben Was nun die hi-storische Wahrheit der invectiven Stelle betrifft, so fehlt ihrfast alle und jede. Allerdings hat sich ein Graf Bcrtholdvon Scheyern mit den Ungarn in eine nahezu hochver-rätherische Verbindung eingelassen, er benachrichtigte sie we-nigstens von dem Anzuge des Heeres der Deutschen, denner war gegen den Kaiser Otto I. erbittert, der ihn um seinHerzogthum gebracht hatte. Ja Berthold muß selbst wäh-rend der Schlacht bei den Ungarn gestanden sein, weil ernach derselben als Gefangener eingebracht wurde; aber ersiel nicht durch die Hände der Ungarn, noch auch durchden Kaiser als Hochverräthcr, sondern er wurde durch denBischof Ulrich von Augsburg, der sein Taufpathe war, aus-gebeten °°°). Daß Graf Berthold seiner Besitzungen beraubtwurde, ist nur zu buchstäblich wahr. Daß das Geschlechtder Wittelsbachcr sich der Kirche von jeher feindselig bewie-sen habe, ist eine vollständige Unwahrheit; dagegen sprechendie lautesten Thatsachen für deren rege, thatkräftige Fröm-migkeit. Sie machten vielmehr von jeher reiche Stiftungenan Kirchen und Klöster. Das berühmte Scheyrer Kreuzbrachte ein Wittelsbacher aus dem heiligen Lande, und der-selbe Otto, der Vater Otto des Aelteren, nachmaligen Her-zogs von Bayern, mit dem Bischof Otto so viel Unange-
50l) lVlelclielbccli, k'nis. 1. I. I>. l.
Huschberg, älteste Gesch. des Hauses Wittelsbach. München,1834. S. 170 u. s. f.