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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
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war Friedrich auch so unvorsichtig, es nicht für sich zu be-nützen. Die Deutschen Kaiser hatten durch ihr seltenes ohn-mächtiges Auftreten in Italien indirekt zur Bildung dieser Re-publiken sehr viel beigetragen, darum hätten sie auch ein Recht Igehabt, sie jetzt zu nützen. Aber sie überließen diesen Vortheil, Iso mächtige Verbündete zu haben, den Päpsten, die sie besser !zu schätzen wußten. Und doch fehlte gerade der Reichthum, >den sich die Städte durch den Handel, namentlich seit demBeginne der Kreuzzüge, erworben hatten, so wie nicht min-der die Intelligenz, die in den Mauern dieser Städte geehrtund geschätzt war, dem Kaiser.

Ein geringer Ersatz für diesen Verlust war es, wenndie Hohenstaufen das Römische Recht wieder aufweckten,um es zu Gunsten ihres Absolutismus sprechen zu lassen.

Die Hohenstanfen hatten noch wenig Gewinn davon, jafast ein halbes Jahrtausend nach ihnen gelang es endlichEuropäischen Herrschern, die Ansprüche des alten Jmperatoren-rechteö im Ernste als Sonveränitätsrechte durchzusetzen.

Jetzt ist nur noch ein Drittes zu betrachten, das alswesentliches Moment das Bild der Zeit vollenden helfen soll,und das ist

III. Die Wissenschaft der Zeit.

Die Wissenschaft, die in dieser Zeit galt, nennt mangewöhnlich Scholastik, Schulweisheit, zum Unterschiedevon dem gemeinen, populären Wissen, daß wesentlich garkein Wissen ist.

Das Eigenthümliche der scholastischen Theologie liegtvorzüglich in zwei Punkten, wodurch sie sich von der Theologieunserer, wie jeder anderen Zeit unterscheidet; erstens in derengen Verbindung der Kirchenlehrc mit antikerPhilosophie. Das Mittelalter hat trotz seiner vielenscharfsinnigen Systematiker doch nur sehr wenige philoso- '