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Fünftes Kapitel.
Ottchs Charakter und Weltanschauung;seine Theologie, Philosophie undPolitik.
§. 1. Oite's Charakter.
Was den Menschen erst zum Charakter macht, sind dieUmstände. Nicht Wissen allein, nicht geistige Anlagen alleinreichen hin, denn das Leben und nicht die Theorie ist hierentscheidend. Von Otto's Leben kennen wir bereits die Her-kunft, die Bildung, den Stand und zum Theil auch die geistigenAnlagen, wir haben nur noch zu sehen, welche Anlage denAusschlag gab, was das Leben und die Zeit, die wir jaauch schon kennen, weiterhin an diesen Elementen modificirthat, und dann werden wir erst beurtheilcn können, welcheStellung Otto als Historiker einnimmt, denn der allge-meine Standpunkt des Schriftstellers ist und bleibt immerdas letzte Kriterium der Kritik. —
Otto ist ein geborner Geschichtschreiber desMittelalters; denn wer das einzige Recht im Staatehat, wer eigentlich den Staat bildet, der Adel und die Geist-lichkeit, der kann auch einzig das Recht haben, vom Staatezu sprechen und zu schreiben, und Otto hatte dieses Recht,denn er gehörte durch Geburt und Stand beiden Ständenan, dem Adel wie der Geistlichkeit. Ein dritter Stand wardamals, wie wir gezeigt haben, noch ohne Bedeutung, erstim Werden, und, wenn man will, eine Anomalie, ja eineRevolution, die sich stiller oder lauter gegen die Gewalt derherrschenden Stände erhob. — Eine zweite BerechtigungOtto's zur Geschichtschreibung lag in seiner praktischen Bil-dung durch Reisen; er hatte einen Kreuzzng mitgemachtund war solchermaßen zum Geschichtschreiber auch daher