H. 6. Otto's Unparteilichkeit gegen die Welfen.
Ist diese erwiesen, so ist auch seine Unparteilichkeitgegen die Hohenstaufen indircct in ein glänzenderes Lichtgesetzt, als cs durch directe Beweise, Citationen und Erläu-terungen je hätte geschehen können. Und dieß wird unsnicht schwer werden. Gegenüber der Unterdrückung derHohenstaufen durch K. Lothar und der Welfen durch K.Konrad nimmt Otto keinen Partcistandpunkt ein, denn sonstmüßte er nach Art der Parteilogik an dem einen loben, waser an dem andern tadeln muß. Dazu hat sich Otto nichtverstanden. Er hat sich einen Platz außer der Parteiarenaausgesucht, von dem aus er dem Kampfe ohne die geringsteeigene Teilnahme zusicht. Seine sonst so viel geliebten Hohen-staufen begleitet er nur bis an die Schranken dieses Kampf-platzes, dann tritt er zurück und übernimmt ruhig das He-roldöamt der Geschichtschreibung, das ihn an K. Lotharnichts Tadelnswcrthes finden läßt, ob er gleich die Hohen-staufen unterdrückt hatte. Man weiß die juridischen Ursachendieser Verfolgung der Hohenstaufen durch Lothar nicht ge-nau anzugeben, sie waren wahrscheinlich auch mehr gesuchtals haltbar, aber Otto weiß jenen moralischen Grund hervor-zuhebcn, den wir oben schon vorbrachten und der auf die Hohen-staufen, als die Nachfolger der Fränkischen Kaiser in weib-licher Deöcedenz, anzuwenden sei, daß nämlich die Sündender Vorältern noch an den späten Nachkommen gestraft werdenmüßten"^). Eine solche Unparteilichkeit scheint unerhört, ist abernicht unerklärlich. Man muß nur bedenken, daß es Ottogewiß nicht gering anschlug, daß Lothar um jeden Preismit der Kirche den von Otto so heiß ersehnten Frieden undein gutes Einvernehmen herzuhalten wußte. Daher nennt
"3) Lbron. VIl. 17. Ilrst. 118.