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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
Entstehung
Seite
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Wir haben oben schon gesehen, daß er den Mithridates füreinen halben Christen hält, weil er ausruft: clii, si ostisputrii!vH auffallender aber ist, daß er an dem Selbst-morde der Lucretia keinen Anstoß nimmt. Er hält es fürkeinen kleinen Beweis ihrer Keuschheit, daß sie selbst Handan sich legte, und führt zu ihrem Lobe einige Verse an, diemit der Zeile schließen:8an§ui8 spuck inanes, Spiritusante ckoos""H (!). Einen Theil christlicher Moral da-maliger Zeit machten auch die Wallfahrten und nament-lich die Kreuzzüge aus, und es ist um so interessanter, Otto'sMeinung über diese Züge zu vernehmen, als er selber einensolchen mitgemacht hatte. Im Allgemeinen erbaute sich Ottoan den einzelnen Pilgerungen nach dem Grabe Christiund zu diesen einzelnen Pilgerungen mag allerdings die An-dacht auch das Hauptmotiv gegeben haben; aber als erselbst einen eigentlichen Kreuzzug mitgemacht hatte und vondessen Ansgang lakonisch berichten mußte:ubsguo omniekkootu roversi sunt" (ffo auch ohne moralisch-religiösen Effekt! ?), da mochte er wohl ganz anders denken.Mit sichtlicher Anstrengung sucht er den heil. Bernhard vonden Vorwürfen zu retten, die ihn als Prediger dieses un-glücklichen Kreuzzuges trafen, indem er sich auf die Erfah-rung beruft, daß selbst prophetische Männer manchmal vomGeiste der Prophetie verlassen seien "?). Diese Rechtferti-gung Bernhard's läßt zugleich erkennen, daß Otto die In-spiration nicht für permanent hält. Einen andern Beleg zu

2 ^) 6Iiron. II. 45. Ilrst. 41.

--t) Lliron. II. 8. vl-st. 28.

Okron. VII. 2. 7. 9. vi-st. 140. 113. 144.r°°) eiir-on. VII. 30. Ilrst. 56.r»') Oest. krlck. I. 60. Mur. 69394.