autorisirt, wie heut zu Tage sich Einer zum Schriftstellerberufen glaubt, weil er in Amerika gewesen ist. Otto hataber auch auf seinen Reisen nicht unterlassen, sich um Man-cherlei zu erkundigen ^).— dritte Berechtigung liegt in
Otto's Verstände und wir sind hiemit in die Mitte seines Cha-rakters hineingeführt, denn der Verstand ist die einzigeund wahre Mitte desselben, von dem aus er leichtzu verstehen ist, dieser ist die weitaus überwiegendste geistigeEigenschaft Otto's.
Otto hatte einen feinen natürlichen Verstand unddarum auch praktische Klugheit, die ihn besonders auchals Historiker charakterisiert und auszeichnet. Dieses Vor-wiegen des Verstandes bekennt Radevicus am Grabeseines theurcn Meisters, dem er, trostlos über sein Hin-scheiden, noch in seinem Epitaphium in die Gruft nach-ruft: „Oui8 sei oonsoguentism tropos revoeubit?"
— Ein anderes Beispiel dieses überwiegenden Verstan-des bei Otto ist das merkwürdige Urtheil, das er überdie Ungarn abgibt und das wir schon anderswo erwähnthaben. Er wundert sich über die göttliche Langmuth, daß siesolche Ungeheuer auf Erden dulden könne; ein gemüthvollcrerGeschichtschreiber hätte die scheußlichen Schreckgestalten eher be-dauert.— Otto war so durchaus verständig, daß er selbst über dieVorurtheile seines Standes, d. h. des geistlichen Standes, erha-ben gehalten wird. Luden z. B. berichtet "H, daß er denLob-sprüchen der Geschichtschreiber über K. Lothar wenig trauenwürde, da sie sämmtlich von Geistlichen kommen und Lotharder Geistlichkeit sehr ergeben war, „aber auch Otto von Frei-sing", fährt Luden fort, „spendet Lothar Lob" und nun wird
(lbron. IV. 27. vrst. 85.
2^) Ol-, ctv viscli. dibliotN. distero. 258 — 257. Als ob derletzte Logiker zu Grabe gegangen wäre.
Gesch. d. deutsch. Volkes. 10. Bd. S. 552.