Darum darf man aber noch nicht auf eine Unkenntniß derchrono logischen Maximen seiner Zeit schließen; er kanntesie, wendete sie oft an, aber nicht immer und nicht so ängstlich,wie andere Chronisten, denn er hatte auch einen anderen,einen mehr geistigen Zweck bei seiner Geschichtschreibungsich zu verfolgen vorgenommcn, über den er den dürrenchronologischen Leib der Geschichte manchmal vergessen zudürfen glaubte. Was wir an der Chronologie bei ihm ein-büßcn, das sollten wir, nach seiner Meinung, durch die Philo-sophie seiner Geschichte wieder gewinnen.
Daher ist mich die Erscheinung leicht erklärlich, daß seineZeitangabe mit unserer vulgären, mit der es übrigens, wie wirAlle wissen, auch nicht sehr gut bestellt ist, häufig differirt, abergewöhnlich nur um ein Jahr. Wir bringen einige Beispiele ausder Zeit nach Christus, denn das Zurückdatiren von Christus anin das heidnische Weltalter ist dort noch nicht gebräuchlich.Dort wendet er dann die biblische Zeitrechnung an, oder inder Römischen Geschichte die Zählung nach Konsuln, beiHauptveranlassungen aber nach den Jahren der Stadt. — Diebekannte Anfrage Pipin's beim Papste fällt nach Otto in'sJahr 751 "H, nach Leo's Universalgeschichte, den wir alsRepräsentanten der jetzt in der Geschichte geltenden Chrono-logie anführen wollen, in daö Jahr 752. Dagegen stimmtOtto mit Leo im Jahre 752, als dem Erhebungsjahre Pi-pin's zur Königswürde zu Soissons, wieder überein. DieKrönung Karl des Großen fällt bei Otto in's Jahr 801;jeder Gymnasist hingegen weiß, daß wir das Jahr 800 als
gest. k'ricl. bedient er sich, aber auch erklärlich, der chronologischen An-gaben überhaupt noch auffallend seltener, als ln seiner Chronik. Hierfangen die Kapitel gewöhnlich mit den allgemeinen Ausdrücken an!„vires illein teinpn8", „xost Iisee", „non innlto xoet tern-xorv" u. s. w.
tllrron. V. 21. Ikrst. 111.