hätte er die Wissenschaft verschmäht. Die Anfänge einermystischen Forschung finden wir in ihm schon, indem erverschiedene Stufen der inneren Offenbarung zu unterschei-den sucht. Aber sein Zeitgenosse, Hugo von St. Viktor,hat diese Untersuchungen viel weiter getrieben und ist da-durch Gründer einer Schule geworden. Er war einer dergelehrtesten Männer seiner Zeit und von viel umfassendererwissenschaftlicher Bildung, als der hl. Bernhard. Augusti-nus hatte einen großen Einfluß auf ihn, wie überhaupt aufalle Männer, die je eine mystische Richtung im Christen-thume Ungeschlagen haben, so auch z. B. auf Luther. AußerAugustinus, in dem er fand, was nur wenige Theologenin ihm zu finden pflegten, schloß er sich vorzüglich anDionysius Areopagita an. Es ist diese Art Philosophie einegeistreiche Art der Erbauung, die Gott im Innern suchtund findet und in der Natur bewundert, aber nicht so, wieman sonst gerne glauben möchte, ohne Denken getrieben, einbloßes Spiel der Phantasie. Im Gegentheile ist alles Ir-dische, also auch alle Wissenschaft ein Anhaltspunkt, um sichin kühnem Fluge zur einzigen und ursprünglichen Vernunftder Dinge, zu Gott, zu erschwingen.
Was nun den äußeren Boden dieser Zeitbestrebungenanbelangt, so waren es die Universitäten, die als Stützedienten. Die Universitäten bildeten sich so allmählich ausKloster- und Privatanstalten heran, daß man von der be-rühmtesten derselben im Mittelalter, von Paris, gar keinEntstehnngsjahr anzugeben weiß. Und doch war sie schonum die Mitte des zwölften Jahrhunderts so frequent, daßdie Zahl der Studierenden die der Einwohner von Parisübertraf, obwohl Paris schon damals eine der größten undvolkreichsten Städte in Europa war. Die Sache wird er-klärlich, wenn man bedenkt, daß Deutschland, England,Spanien damals noch gar keine Universitäten hatte. —> Die