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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
Entstehung
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Theologie war der Kern, die Hauptsache, denn die Studie-renden waren ja alle Theologen, meist schon Kleriker, wennsie auch Medicin oder Jurisprudenz studierten. Der Gangder wissenschaftlichen Bildung dortiger Zeit war der, daßman mit der Grammatik, wozu auch Poetik gehörte, ansing,und dazu Römische Klassiker las. Vom Griechischen warwenig oder gar keine Rede. Dieß geschah als Vorberei-tung schon an einer Dom- oder Klosterschule und dann gingman an die Universität, um zu erlernen, was zum gelehrtenFach gehörte. Philosophie war dort noch nicht von derTheologie geschieden, so wenig, als eS für Jurisprudenz undMedicin eigne Fakultäten gab. Vom Geschichtsunterrichtwußte mau ebenfalls noch nichts. Die Eintheilung derUniversität war nach Landsmannschaften gebildet, die ihreeigenen Vorsteher hatten und diese wählten frei den Rektor.Der Staat kümmerte sich um den Unterricht so viel wiegar nicht, kein Professor war augestcllt oder besoldet, dieJurisdiktion über die Studierenden war in den Händen derUniversitätsbehörden oder des Bischofs. Der bischöflicheEinfluß machte aber bald dem päpstlichen Platz, geradenicht zum Schaden der Universitäten, da wohl nicht allenBischöfen für die Ueberwachung so weitaussehender Institutedie gehörige Einsicht zuzntrauen war.

Eine merkwürdige Wendung nahm um diese Zeit auchdie Poesie, obschon in Deutschland der eigentliche Um-schwung über die Epoche hinausfällt, die wir zu be-sprechen haben, d. h. über das Jahr 1158. Die Poesiewird national, in Frankreich erhebt sich der provenyali-sche, in Deutschland der schwäbische Minnegesang. Wie diePoesie deutsch wurde, wurde sie auch unkirchlich, weltlich, wieder Staat, und ist nimmer anders geworden bis auf denheutigen Tag. Die Geistlichkeit konnte sich von nun annur mehr ausnahmsweise an der verweltlichenden Poesie be-