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Unter seinen Zuhörern war auch Otto von Freising. Alsdiejenige Schrift, welche am meisten den Geist Abälardsathmet, kann sein „Ja und Nein" — 8io et Non — an-gesehen werden, in welcher die höchsten Wahrheiten der Re-ligion ebensosehr bejaht als verneint werden. So war Abä-lard weder ganz orthodox, noch ganz häretisch, letzteres abermehr, als ersteres.
Ein Zeitgenosse Abälards, ihm an Kenntnißen undphilosophischer Bildung gleich, war Gilbert de la Por-röe, gest. 1154, der zu Paris und in andern StädtenFrankreichs Philosophie und Theologie lehrte, und endlichzum Bischofssitze von Poitierö befördert wurde. Sein Stre-ben nach Deutlichkeit führte ihn bei der Erklärung des Ge-heimnißes der göttlichen Dreieinigkeit auf neue von dengewöhnlichen abweichende Formeln. Er unterschied nämlichin Gott die Wesenheit von der Hypostasis in drei Personen.Auch tadelte er es als eine Folge des unwissenschaftlichenDenkens, wenn die cigenthümlichen Eigenschaften der dreigöttlichen Personen für die Personen selbst gehalten würden.Darüber entstanden nun bei der Kirchenversammlung zuParis und Rheims große Debatten, in denen namentlich derhl. Bernhard sich recht eifrig als Gilbert's Gegner hcrvor-that. Aber Gilbert's Scharfsinn, Ansehen, Rang und Nach-giebigkeit, wie nicht minder das tiefe Dunkel seiner Schriftenmachten, daß er, glücklicher als Abälard, der förmlichenVerdammung entging.
Der dialektisch-logischen Richtung in der Wis-senschaft der Zeit trat ergänzend eine psychologisch-my-stische entgegen, doch ohne erstere anszuschließen oder zubekämpfen, wie man gewöhnlich glaubt. Die sogenanntenMystiker zerfielen in praktische und wissenschaftliche. Znersten, wie sie wohl zu allen Zeiten in der Kirche zu findensind, gehörte auch der hl. Bernhard, nur nicht so, als