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Wilhelm von Champeaur war der Schüler Ros-cellin's, eines Klerikers von Compiegue, nm das Jahr 1089,der, mißlcnneud die Lebendigkeit der Ideen nnd sie fürnichts, als bloße Abstraktionsbegriffc haltend, behauptete,daß sie an sich nichts Reales seien nnd daß Seiendes bloßin inclivicluo sei. In so fern war Rosccllin der Begründerdes sogenannten Nominalismus. Das gerade Widerspiellehrte sein Schüler Wilhelm, daß nämlich das Wesen derDinge ganz nur in den Ideen, oder den sogenannten Uni-versalien enthalten sei. Ehe sich aber noch diese beiden Ge-gensätze recht erproben konnten, erklärte sich schon die ortho-doxe Kirchcnlehre für Wilhelms Ansicht, der man den Titel„Realismus" gab. Denn beim Nominalismns schien dieDreieinigkeit Gefahr zu laufen. Aber deßwegcn ließ mansich von weiteren Versuchen in diesen beiden Gegensätzennoch nicht abschrecken, man suchte sie vorerst zu vereinigen,da auch der Realismus nicht ohne Grund in Verdacht kam,die Einheit des göttlichen Wesens zu läugnen.
Diese Arbeit hatte sich der berühmte Peter Abälard(geb. 1079, gest. 1142) ausersehen. Er war ein SchülerWilhelms nnd in ihm verkörperte sich der ganze Charakterdieser Periode der Scholastik in all' ihren Fehlern und Vor-zügen. Seine Kämpfe und Geschicke haben etwas aben-theuerlich Ritterliches an sich, etwa mit unserem Studentcn-leben verglichen, etwas Burschikoses und Renommistischcs, undan Niemanden, als an ihm, konnte man deutlicher bemer-ken, daß das occidcntalische Europa nun für das Gelehrten-wesen einen eben so eigenen, abgeschlossenen Stand bekomme,wie cs einen solchen schon für das Kriegswesen im Rittcr-stande hatte. In Abälard haben wir noch dazu einen ge-lehrten Ritter vor uns, der auch der Liebe nicht abholdwar, die ihm ein äußerst tragisches Geschick bereitete, daSuns aber weiter hier nichts angeht, da wir es nur mit