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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
Entstehung
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Muße zum Studium; da man nun feste Wohnsitze hatte,suchte man sich bestmöglichst einzurichten, und das auchwissenschaftlich. Man wurde mit der alten Literatur ver-traut, der Streit zwischen Kaisern und Päpsten gab Vielenzum Nachdenken, zum Studium Anlaß, die Sekten nöthig-ten zur wissenschaftlichen Begründung der Kirchenlehre, dieKreuzzügc erweiterten den Geschichtskrcis, man wurde selbstmit dem Koran bekannt und widerlegte ihn; was aber end-lich ein Hauptgrund dieses Aufschwunges war, das sind dieglänzenden Aussichten, die einem in der Wissenschaft dama-liger Zeit bewanderten Geistlichen offen standen, namentlichda seit Gregor VII. die kirchlichen Würden wieder an Wür-digere vcrtheilt und für Bischofssitze vorzüglich tüchtige Uni-versitätslehrer berücksichtiget wurden. Den Geistlichen standdamals die ganze Welt offen, sie waren nicht bloß Erzieherder königlichen Prinzen, von der Universität bis zur letztenKlosterschule hinab war jeder Lehrer aus ihrem Stande; siewaren nicht bloß Beichtväter der Fürsten, sondern auchderen Leibärzte, nicht bloß Kanonisten, sondern auch Juri-sten des bürgerlichen Rechts, ja sogar Advokaten, Baumei-ster, Feldherrn und alle bedeutenden administrativen Stellenim Staate konnten wieder nur durch sie besetzt werden.Waren diese geschilderten Zustände auch nicht in allen Pe-rioden der Scholastik dieselben, so doch in der Periode, vonder wir zu sprechen haben, nämlich in der ersten.

Man nimmt gewöhnlich drei Perioden der Scholastikan; wir halten uns an die Eintheilung, die die erste Periodederselben von Lanfrank bis Petrus Lombardus gelten läßtund in die die Zeit Otto's fällt. Das Charakteristischedieser Periode ist kurz dieses. Der Gedanke ist da nochkeusch und rein, nirgends wenigstens im bewußten Wider-spruch gegen die Kirchenlehre, Abälard ausgenommen. EinSystem der Theologie, das sich hätte allgemeine Geltung