Anderes. War das geschehen, so wies man deren Zusam-menhang unter sich und mit allgemein anerkannten Ver-nunftwahrheiten nach und so war man fertig. Berief mansich auch ans die Väter, also scheinbar auf die historischeTradition, so geschah es wenigstens nicht behufs histori-scher Beweise, die ja in allweg überflüßig schienen, wieschon die aus den Vätern citirten Stellen zeigen, die fastimmer die für historische Zwecke untüchtigsten waren. Das,was wir Kirchcngcschichte, Dogmengcschichte, Exegese, Ein-leitungswissenschaft nennen, war als Wissenschaft unbekannt.Das höchste, was man erreichen konnte, war der „intello-olus llcloi", zu dem man sich auf oben angegebenem Wegezu erschwingen suchte. Ein drittes charakteristisches Merk-mal der Scholastik, diese als Philosophie gcnommeu, wäre,endlich auch daö, daß sie, um einen modernen Ausdruck zugebrauchen, wesentlich Geistesphilosophie ist. Nur istdiese Eigenschaft der christlichen Philosophie als solcher imGegensatz zur antiken überhaupt gemein. Den Heiden war dieideale Welt das Mysterium, die Natur das Offenbare, imChristenthum umgekehrt. Da hat im Gegensätze zur grie-chischen Welt das Göttliche aufgehört, sich in der Naturzu offenbaren, und es ist nur in der Geschichte erkennbar").Die Kirche, so schien eö, hat die Natur ans ihren Fugengerissen, das Wunder sich dieselbe unterthan gemacht, siewar ihre Dienerin geworden, wie die Philosophie.
Wir hätten auch noch etwas über die Entstellung der IScholastik zu sagen, wenn cs nicht unseren Zwecken zu ferneliegen würde. Im Allgemeinen bewirkte diesen Wissenschaft- !liehen Aufschwung Folgendes. Die eingetretene Ruhe nachAblauf der Völkerwanderungen gab Europa im Ganzeu
Schellings Vorlesungen über die Methode des akademischen Stu-diums. Anthologie- Berlin 1844. S. 118.