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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
Entstehung
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seiner Zeit. Selbst der kalte, verständige Conrad III.mußte sich von ihm zu einem Kreuzzuge hinreissen lassen, sounwiderstehlich war der Strom seiner Rede. Dieser Kreuz-zug ist das beste Zeugniß, wie imponirend damals in allge-mein Europäischen Fragen das Ansehen des Römischen Stuh-les noch immer war, aber dieses Ansehen war kaum denk-bar oder erklärlich ohne den heiligen Bernhard und seinenOrden.Er war der Fürst der Kirche", sagt ein Protestant,die Päpste seine Diener" °), aber das dars man ja nicht inzu strengem, weltlichen Sinne nehmen, sonst müßte manvergessen, daß Bernhard Mönch und Ascct war, ja auchhierin der Erste seiner Zeit. Wie das Mönchthum in derkatholischen Kirche stets das demokratische Princip repräsen-tirte (denn die Gewohnheit, den Verpflichtungen eines stren-gen Gehorsams getreu nachzuleben, erzeugt auch den Frei-muth, Gleiches von Andern zu fordern) war auch der heiligeBernhard irdischen Gewalten und selbst der päpstlichen Hei-ligkeit gegenüber ein sreimüthiger Demokrat, das zeigt seinberühmtes Buch: äs oonsielerationa libb. V. an Papst Eu-gen III. Die Grundsätze eines wahren Liberalismus, derauf Recht und Gerechtigkeit dringt, sind hier so gewandtund schlagend von einem Mönche des Mittelalters darge-legt, wie es an seiner Stelle wohl wenigen Liberalen unse-rer Tage gelungen sein dürste. Seine vorzüglichste Aufmerk-samkeit widmete Bernhard den Streitfragen des Tages, na-mentlich wenn sie ihm irgendwie gegen die Kirche gerichtetschienen. Er war darum der geschworenste, unermüdetste,heftigste Feind aller Häresie, und diesem seinem inneren Be-rufe zu Folge sehen wir ihn im Kampfe mit Arnold vonBrcöcia und dem durch seine Liebe, wie durch seine Philo-sophie nicht minder berühmten Abälard. Aus beiden Käm-

5) Reuter, Alexander III. S. 79.