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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
Entstehung
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sollten ihr Fremdartiges von sich thun. Die Kirche warvielfach Fleisch geworden, das fühlte Arnold und das istauch das Wahre seines Gefühls, die welthistorische Rachedafür konnte nichts Anderes sein, als daß dafür der StaatGeist wurde, d. h. der Staat, der sich noch gar keines eige-nen geistigen Gehalts bewußt war, der, was er von Geisthatte, Alles von der Kirche zu Lehen trug, der Staat despolitisch geistlosen Ritterthums. In unfern Tagen ist esso geworden, wie Arnold cs meinte, der Staat stützt sichauf seine eigene Idee, er ist kein christlicher Staat mehr,wie nicht bloß die Feinde des Christenthums, sondern auchdessen glänzendste Vcrtheivigcr sich frei und offen ciugestehcn.Aber die Kirche hat darum wahrlich nichts verloren, wennsie auch die Zeit beinahe so beraubt hat, wie Arnold sieberaubt wissen wollte, sie blüht dort am schönsten, wo sieam ärmsten, vom Staat am unabhängigsten lebt. Das istder Fehler Arnold's, daß er eine Einseitigkeit mit einer an-dern heilen wollte, das Römische Reich durch eine RömischeRepublik, die Römische Kirche durch apostolische Armuth.Für diese Einseitigkeit büßte er mit dem Ketzertode.

Aber die Kirche war gegen ihre Gegner in dieser Zeitweder unthätig noch unmächtig, so wenig als in irgend ei-ner andern. Die Päpste zwischen Gregor VII. und Alexan-der III. waren nicht immer so kräftig, wie diese beiden Eck-steine der Periode, aber auch den Schwachen fehlte niemalsdie Kraft der Kirche, die ihre Schwächen supplirte; seitGregor's Geist hinwehte über den christlichen Erdkreis, trieber Blüthcn der mannigfachsten Art. Unter diese sind na-mentlich die Mönchsorden zu zählen. Wie Gregor demVII. als breite historische Unterlage, als sicherer moralischerStützpunkt ein Orden diente, der, so alt als das Mönch-thum im Abendlande, in der Congregation von Clugny sichneu verjüngte, dem Gregor selbst angehörte und seine wich-