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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
Entstehung
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Gewiß empfand Otto den tiefsten Schmerz über die Ent-zweiung des Kaisers mit dem Papste und diese Gesinnungkonnte den päpstlichen Legaten nicht unbekannt bleiben. Da-her mochten sie ihn wohl schon um seine Vermittlung ange-sprochen haben, ehe sie noch nach Augsburg gekommen wa-ren und wahrscheinlich auch in seiner Gesellschaft dorthingereist sein. Ucbcrdieß war Otto nicht bloß ein Mann,der die Hochachtung des Papstes, sondern auch das Ver-trauen des Kaisers in hohem Grade besaß, und so ist csdann leicht erklärlich, daß dieses zweite päpstliche Schreibenin Augsburg dem Bischof Otto übergeben wurde, um eszu lesen und zu vcrdollmetschen. Beide Parteien hätten csin bessere Hände nicht niederlegen können. Otto gelang esdaher auch, durch die mildeste Auslegung des ohncdieß schonsehr milde gehaltenen päpstlichen Schreibens Papst undKaiser wieder zu versöhnen "). Hiemit verließ Otto fürimmer den Schauplatz der Politik; würdiger hätte er nichtabtreten können.

Otto begleitete den Kaiser nur noch bis an die Alpen.Dort fühlte er sich wahrscheinlich schon krank, nahm Ab-schied vom Kaiser, dem er gewiß in Italien die wich-tigsten Dienste hätte leisten können und der ihn sicherlich da-rum auch ungern entlassen haben mochte, und empfahl dem-selben letztlich nur noch sein Bisthum und besonders dieAufrechthaltung des freien Wahlrechts seines Kapitels, dieder Kaiser auch versprach. Er mußte sich, wie diese Bitte an-deutet, nicht bloß krank, sondern todtkrank fühlen und Ra-devicus bemerkt:Otto habe erfahren, daß Einigen in Ge-sichten oder Träumen sein bevorstehender Tod offenbart wor-den sei." Die Schriftsteller preisen die göttliche Vorsehung,

°°) üleiclietb. I. c. 334 35. Ncutcr, Alcrandcr III. Verl. 845.I. Bd. 100102. Rsäovieus I. 22.